Obermoschel
Alt-Bundespräsident Horst Köhler: So lief der Besuch im Ort seiner Vorfahren
Wie Ahnenforscher herausgefunden haben, hat Alt-Bundespräsident Horst Köhler Vorfahren pfälzischer, vor allem nordpfälzischer Abstammung aus Obermoschel und Umgebung. 2006 wurde er deshalb schon zu einem Besuch eingeladen. Der Bundespräsident ließ antworten, dass er Interesse an der Ahnenforschung habe und es vielleicht mal nach seiner Amtszeit Gelegenheit gebe, Obermoschel einen Besuch abzustatten. Am Freitag war es dann soweit. Von Speyer kommend, wo der Alt-Bundespräsident am Donnerstag im Dom eine Fastenpredigt hielt und anschließend auch einen Halt am Grab des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl machte, ging es mit kleinem persönlichen Personalstab in die kleinste pfälzische Stadt.
„Vor allem meinen beiden Enkelinnen und meiner Frau habe ich auf Ihr Drängen versprochen, nach den Wurzeln meiner Vorfahren zu suchen und die Region auch zu besuchen“, sagte der Alt-Bundespräsident am Freitag beim Empfang durch Stadtbürgermeister Ralf Beisiegel vor dem städtischen Rathaus am Marktplatz. Köhlers Vorfahren – genannt wurden insbesondere Urururgroßvater Andreas Köhler väterlicherseits – wanderten Ende des 18. Jahrhunderts nach Galizien aus, weitere Verwandte wiederum 1865 nach Bessarabien. Mütterlicherseits gibt es spätere Vorfahren in Unkenbach.
Stadtrundgang und ein pfälzisches Gedicht
Stadtführer Gerd Kunz gab in einem Schnelldurchgang einen historischen Abriss von Obermoschel. Zur Auswandererzeit von 1780 bis 1820 herrschte hier bittere Armut und Not, so der Kenner der Stadtgeschichte, der noch ein Gedicht von Richard Müller zur Auswanderung in pfälzischem Dialekt vortrug. Der Alt-Bundespräsident nutzte die Gelegenheit – obwohl es der vorgegebene Zeitplan gar nicht vorsah–, dem Radiomuseum einen Kurzbesuch abzustatten, samt Eintrag ins Gästebuch. Danach ging es zum Stadtrundgang. Stationen waren der Polnische Hof, die protestantische Kirche und die katholische Kirche Mariä Himmelfahrt sowie der Elwedritsche-Brunnen von Künstler Gernot Rumpf. Köhler interessierten aber auch die aktuelle Situation der Stadt, etwa die Einwohnerzahl, die demografische Entwicklung sowie die nicht gerade rosige Finanzsituation der Stadt, die Stadtbürgermeister Beisiegel beim abschließenden Essen im Burg-Hotel ansprach. Nach Köhlers Worten sei in der gesamten Republik die Finanzlage der Kommunen nicht gut. Die Bundesregierung nehme das zur Kenntnis, reagiere allerdings nach seiner Auffassung darauf nicht. Auch mit Landrat Rainer Guth entwickelte sich beim gemeinsamen Mittagessen ein intensiver Austausch zu den Problemlagen der Landkreise insgesamt.
Gegen 14 Uhr brach der Tross des Alt-Bundespräsidenten auf zum nächsten Termin nach Herrenberg bei Stuttgart. Dort ist Köhler Festredner bei der Jubiläumsfeier „50 Jahre Weltladen“. „Dort war ich vor fünf Jahrzehnten einer der Mitbegründer des ursprünglichen Dritte-Welt-Ladens, ich wohnte damals dort“, erklärte Köhler. Das Tun der Aktiven des Weltladens wolle er durch seine Präsenz aufwerten und unterstützen. Mit einem großen Dankeschön vor allem für die Gastfreundschaft verabschiedete er sich dann im Burg-Hotel. „Es ist nicht auszuschließen, dass ich noch einmal mit meiner Familie hierherkomme, weil es mir sehr gut hier bei ihnen in Obermoschel gefallen hat“, sagte Köhler.