Wenn ken Worschdmarkt is RHEINPFALZ Plus Artikel Wohin mit dem Wein für den Wurstmarkt?

Riesling-Schorle ist das bestimmende Getränk auf dem Wurstmarkt.
Riesling-Schorle ist das bestimmende Getränk auf dem Wurstmarkt.

Das größte Weinfest der Welt ist für die Dürkheimer Winzer nicht nur eine wichtige Einnahmequelle, sondern auch eine gute Werbeplattform. Wenn beides wegfällt, muss nach Alternativen gesucht werden.

Allein an 15 Schubkarchständen wird normalerweise Wein der Winzergenossenschaft Vier Jahreszeiten ausgeschenkt. „Wenn fast jeder der rund 650.000 Wurstmarktbesucher einen Schoppen Wein trinkt, dann ist klar, dass es hier um eine größere Menge geht, die wir jetzt anderweitig verkaufen müssen“, sagt Vertriebsleiter Rüdiger Damian, ohne genauere Zahlen nennen zu wollen. Dabei sei man aber nicht in Zugzwang, die nicht auf dem Wurstmarkt abgesetzten Mengen als Fasswein vermarkten zu müssen. „Wir haben schon im Frühjahr umstrukturiert, damit dies nicht passiert“, betont Damian. Weil eine Absage des Wurstmarktes absehbar gewesen sei, habe man auf eine eigene Wuma-Füllung mit eigener Etikettierung verzichtet und die Weine in den normalen Verkauf genommen. „Die Ernte des 2019er Jahrgangs war auch relativ klein. Wäre es eine normale, mittlere Ernte gewesen, hätten wir uns genauer überlegen müssen, was wir tun“, so Damian, der bereits das Jahr 2021 im Blick hat. Merken werde die Winzergenossenschaft mit Sicherheit die Einschränkung bei den Faschingsfeiern.

Statt Wuma-Abfüllung spezielle Weinpakete

Ebenfalls gut im Geschäft auf dem Wurstmarkt ist die Ungsteiner Winzergenossenschaft. Laut Geschäftsführer Gerd Freiermuth habe man aber Rieslinge und Rosé in Literflaschen sowieso im Sortiment und die würden nun eben an Privatkunden, Fachhändler oder Gastronomiebetriebe verkauft. Auf eine extra Abfüllung vor dem Herbst habe man aber verzichtet. „Hervorragend“ sei die Nachfrage nach den extra zum Wurstmarkt zusammengestellten Weinpaketen mit „Home-Schobbe“-Dubbegläsern gewesen. Trotzdem rechnet Freiermuth am Ende mit einem Umsatzminus von fünf bis sechs Prozent: „Wir kommen aber mit einem kleinen blauen Auge davon.“ Sehr gut entwickle sich im Herbst das Geschäft mit der Gastronomie. „Ich hoffe, dass dies so bleibt und die Leute sich später auch trauen, sich im Inneren aufzuhalten.“

Eine „feste Größe“ ist der Wurstmarkt seit mehr als 30 Jahren in der Geschäftsbilanz des Weinguts Jüllich. „Das tut schon weh“, sagt Gerd Jüllich zu den Folgen der Absage, die hoffentlich im nächsten Jahr nicht wieder nötig sei. Alternativen seien sehr begrenzt. „ Wir können ja nicht ständig einen Ausschank machen“, betont er.

„Eine zweite Absage wäre sehr hart“

Jüllich bedauert, dass nicht alle Wurstmarkt-Winzer einen Schubkarchstand auf eigenem Gelände aufbauen konnten. Leider seien diese Pläne der Stadt wieder verworfen worden. „Richtig gut“ ist laut Jülich das Hoffest in Pfeffingen gelaufen. „Das hat trotz Corona-Auflagen gut funktioniert“, freut sich der Winzer. Ein Jahr ohne Wurstmarkt tue jedoch weh. „Eine Absage kann man mal verkraften, eine zweite wäre sehr hart“, betont Jüllich, der nach alternativen Absatzwegen für Liter-Rieslinge und Rosé sowie Gewürztraminer Spätlese sucht. „Wir werden vermehrt Kunden anschreiben und schauen. Wir sind noch in der Findungsphase.“ Jüllich hofft nun auf ein Weihnachtsgeschäft ohne Corona-Turbulenzen. Fahrten zu den Kunden in ganz Deutschland hat er fest eingeplant.

Um Alternativen für seinen Schubkarchstand hat sich auch der Ungsteiner Winzer Michael Wolf bemüht. Er hat am ersten Wuma-Wochenende eine Herbst-Lounge auf dem Platz vor dem Kelterhaus in Ungstein veranstaltet. „Wegen des Straßenlärms haben wir aber davon abgesehen, noch ein weiteres Wochenende dranzuhängen.“ Wolf hat sich lieber auf Weinproben in seinem Weingut konzentriert. „Es sind ja trotz der Wurstmarkt-Absage viele Touristen da.“ Wegen der frühen Weinlese habe er die vielen Anfragen aber gar nicht alle bewältigen können.

Hoffen auf Weihnachtsmärkte

Problemlos sei auch die Weinpräsentation im Frühjahr im Freien verlaufen. Deswegen plant Wolf auch wieder Tage des offenen Weinkellers im November. Umsatzeinbußen verzeichne er wegen des fehlenden Wurstmarkts keine. „Es wird mehr online bestellt und auch ab Hof verkauft.“ Wolf hofft jedoch, dass nicht die Weihnachtsmärkte in Erfurt und Bad Hersfeld abgesagt werden, wo sein Weingut vertreten ist.

Seit zwölf Jahren hat das Leistadter Weingut Hanewald-Schwerdt ein Weindorf-Zelt auf dem Wurstmarkt. Jedoch machen laut Winzer Stephan Schwerdt die Umsätze dort nur einen kleinen Teil in der gesamten Geschäftsbilanz aus. „Wir haben auch treue Privatkunden“, betont er. Man habe das Weingut nicht so sehr „auf Veranstaltungen ausgelegt“. Nicht zu unterschätzen sei jedoch der Werbefaktor des größten Weinfestes der Welt. „Und hier haben wir schon überlegt, was wir machen können, um weiter wahrgenommen zu werden.“ So wird laut Schwerdt ein Wein aus Leistadt in einem Weinpaket der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu finden sein. Außerdem beteiligt sich das Weingut bei internationalen Weinpreisen.

x