Bad Dürkheim
Kinder- und Jugendtheater Speyer spielt „Das Traumfresserchen“ im Haus Catoir
Mit dem Schlafen will es nicht immer klappen - das weiß mancher kleine und große Mensch aus eigener Erfahrung. Wenn man aber wie Prinzessin Schlafittchen im Schlummerland schlaflos bleibt, dann wird Hilfe besonders dringend nötig. 1978 erschien das Bilderbuch von Michael Ende. Den bekannten Stoff bereitet das Kinder- und Jugendtheater Speyer lebensnah und mit einigen Abwandlungen auf. Seine knapp einstündige Darbietung richtet sich an Kinder ab vier Jahren und holt sie sofort ins Geschehen.
An diesem Tag schauen sich etliche kleine Besucher erstmals ein Theaterstück an. Sie sind sichtlich gut darauf vorbereitet. Die einen kommen aus dem Dürkheimer Kindergarten St. Ludwig, die anderen sind mit der Rhein-Haardtbahn aus der Fußgönheimer „Kindertagesstätte Luther“ angereist. Gespannt verfolgen sie alle, ob der König von Schlummerland seiner schlaflosen Tochter helfen kann.
Ein einziger Darsteller
Die Regie von Matthias Folz schneidet die gesamte Handlung auf einen einzigen Darsteller zu: Man sieht Christof Heiner im Wechsel zwischen Erzählen und szenischem Spiel, noch dazu in mehreren Rollen. Es beginnt turbulent im Thronsaal (Bühnenbild: Nicole Schneider).
Der König wird mitsamt dem Traumfresserchen auf der Bühne herum gewirbelt, bleibt schließlich vor dem Publikum sitzen und staunt mit mehrmaligem „boah!“ darüber, wie ihm geschehen ist.
In diesen Rahmen wird die Handlung gepackt und vom glücklichen Abschluss her als Rückblende aufgerollt, indem die gleiche Szene zuletzt nochmals über die Bühne geht. Dazwischen erleben die jungen Zuschauer, wie sehr sich der König um sein Kind sorgt und nach Rettung sucht.
Mal ernst, mal heiter
Mal wird die Stimmung ernst, mal sorgt Christof Heiner für viel Gelächter. Durchweg gelingt es ihm, die Kinder dicht am Handlungsablauf zu halten. Er spielt einen Dialog von König und Doktor, in welchem zwar Fachbegriffe wie die „hyperaktiven Hormone“ fallen, aber helfen kann der Medikus nicht. Es folgt ein Aufruf ans Volk, also an die aufmerksamen Zuschauer. Auch während der weiten Wanderung des Königs werden spontane Kontakte zum Publikum geknüpft. Bei einer Panne mit einem kleinen Zuschauer muss der Darsteller auch mal Trost spenden.
Für Abwechslung sorgen neben dem Feuerwehrmann weitere Personen, die in der Textvorlage nicht vorkommen, die aber die Handlung bereichern. So spielt Christof Heiner mit wechselnder Stimme und Redeweise einen Bankdirektor, einen jonglierenden Zirkuschef und eine geheimnisvolle Kräuterhexe.
Das Klappmaul mag böse Träume
Hilfreich sind die Begegnungen jedoch nicht und der König wird immer ratloser: In leisen, nachdenklichen Momenten erlebt das Publikum, wie er bei winterlicher Kälte nicht nur sein Reisezeug, sondern auch allen Mut verliert. Doch es gibt Rettung dank eines ungewöhnlichen Wesens namens Traumfresserchen.
Dessen Heißhunger auf böse Träume zeigt Christof Heiner mit einer Klappmaulfigur, die er gekonnt handhabt. Im Publikum verfängt sich dabei ein munterer Ohrwurm mit dem Lied vom Traumfresserchen (Musik: Bernhard Speerfechter). Vielleicht hilft das Gute-Nacht-Stück ja künftig dem einen oder anderen, wenn der Schlaf mal wieder ausbleiben sollte.