Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Großer Andrang bei bestem Wetter: So liefen die Weinbergnächte (mit Bildergalerie)

Ins Laserlicht getaucht waren am Freitag und am Samstag die Weinberge zwischen Bad Dürkheim, Leistadt, Ungstein und Kallstadt.
Ins Laserlicht getaucht waren am Freitag und am Samstag die Weinberge zwischen Bad Dürkheim, Leistadt, Ungstein und Kallstadt.

Bad Dürkheim im Probierfieber: Am Freitag und Samstag pilgerten mehr als 11.000 Menschen zu den Weinbergnächten und spazierten durch die illuminierten Wingerte. Das trockene und milde Wetter sorgte für Hochbetrieb zwischen Römerkelter, Rittergarten und Michelsberg. Unsere Autorin war das erste Mal dabei und schildert ihre Eindrücke.

Wie gewohnt hatte die Kurstadt auch diesmal im Vorfeld der Weinbergnächte nicht gekleckert: Werbeprosa versprach ausgewählte Weine, Spitzenweine, Premiumweine in atemberaubender Atmosphäre – kurz: ein Wow-Erlebnis. Dass das Format „zieht“, verriet der Vorverkauf. Schon Wochen zuvor waren alle jeweils 5500 Tickets für beide Tage ratzeputz weg.

„Warum wohl?“, dachte sich die Schreiberin, und machte sich als Erstbesucherin mit naivem Blick, aufnahmebereiten Antennen und gezücktem Stift auf den Weg. Einchecken auf dem Wurstmarktplatz. Mit Weinpass, Lageplan und Stielgläschen geht es bergauf ins Gelände. Erster Eindruck: Völkerwanderung in Zeitlupe. In beiden Richtungen sind Scharen von Besuchern unterwegs: Pärchen, Gruppen, Familien mit lichterketten-geschmückten Kinderwagen, beleuchtete Vierbeiner. Fulminante Lasertechnik der Grünstadter Firma Planwerk durchpflügt den Luftraum über den Weinbergen. Sky-Beamer, Farbfächer und Lichtsäulen überkuppeln das Szenario, schaffen einen virtuellen Dom.

Iglu-Zelte als Anlaufpunkte

Mitten in den Weinbergen sind Dutzende weißer Iglu-Zelte leuchtende Anlaufpunkte für die Pilgerschaft auf dem Sechs-Kilometer-Rundkurs zwischen Michelsberg, Spielberg und Weilberg. Station eins, Alte Stadtgärtnerei, dem ersten von 17 Standorten, an denen 28 Winzer insgesamt 112 Weine zum Verkosten einschenken. Kulinarische Vielfalt bieten 21 Essensstände mit pfälzisch deftigen und mediterranen Speisen.

Im Schein einer LED-illuminierten Schneckenspirale und zu dezenter Lounge-Musik kredenzt Markus Lange, Kellermeister beim Weingut Pflüger, den ersten Schluck. Der Sauvignon Blanc ist ein aromatisch-fruchtiger Auftakt. Entlang Glühbirnen-heller Rebzeilen geht es weiter zum Rittergarten. Hier hat sich eine frohe Runde aus der Westpfalz festgequatscht: Hanne, Nicole und Iris aus Merzalben, Pirmasens und Thaleischweiler-Fröschen hängen wie Groupies am Stand des Bioweinguts Zumstein und huldigen dem lieblichen Portugieser vom Dürkheimer Nonnengarten. „Es liegt an den Erdbeer-Aromen“, sind sich die drei Freundinnen einig. Für ein Fläschchen des Lieblingsweins haut das Trio einen kompletten Weinpass auf den Kopf.

Ouvertüre zur Entdeckungstour

Am Ausschank von Weingut Darting ist der trockene Muskateller der Hit, doch es lockt auch der Premiumtropfen, ein Rotwein-Cuvée aus Spätburgunder und Cabernet Cubin von 2018 mit schöner Reife im Glas. Er ist die Ouvertüre zum Entdecken weiterer Wow-Weine. Probier-Gelüste erwachen, machen mutig. Sensorische Sinneserweiterung. Die Winzer als Hohepriester der Geschmacksbildung verfolgen hier ganz bestimmt einen Kulturauftrag. Und so landen unter anderem ein lieblicher Gewürztraminer (Mesel), ein trockener Auxerrois (Dambach) und der „3 Reben rosé“ (Schmitt) in homöopathischer Dosis im Glas.

Treffpunkt Trockenmauer am Michelsberg.
Treffpunkt Trockenmauer am Michelsberg.
Antike trifft Gegenwart: das römische Weingut am Weilberg.
Antike trifft Gegenwart: das römische Weingut am Weilberg.
Blick von Pfeffingen Richtung Spielberg.
Blick von Pfeffingen Richtung Spielberg.
Ausschank im Iglu-Zelt.
Ausschank im Iglu-Zelt.
Hochbetrieb am Samstag.
Hochbetrieb am Samstag.
Die Besucher strömen durch die Weinberge.
Die Besucher strömen durch die Weinberge.
Blick von Kallstadt Richtung Bad Dürkheim.
Blick von Kallstadt Richtung Bad Dürkheim.
Unterwegs zwischen Pfeffingen und Ungstein.
Unterwegs zwischen Pfeffingen und Ungstein.
Blick vom Spielberg Richtung Annaberg.
Blick vom Spielberg Richtung Annaberg.

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Richtung Ungstein geht es zur Römerkelter, nächtliches Hügelpanorama in grünen Lichtwellen. Leuchtschrift auf den Hanglagen verheißt die frohe Botschaft von „Weinbergnacht“ und „Wurstmarkt“. Hecken erstrahlen regenbogenbunt. An der „Via Appia“ zum römischen Weingut ragen drei Pilze in die Landschaft.

Spät schlägt die Stunde der Roten

Der nächtliche Genusswandel von Stand zu Stand fördert Begegnungen. Etwa an der Richtstätte: Beim Weingut Grauer outet sich Gerd Kübler als Freund des Pfalzweins. Sein Stammweingut hat der Baden-Württemberger in Bad Dürkheim bereits gefunden, doch die Weinbergnacht lässt sich der Tourist nicht entgehen. Man schmeckt und philosophiert: Nach einem lieblich-fruchtigen Spätburgunder-Rosé tanzt eine neun Jahre alte Riesling-Auslese auf dem Gaumen.

Spät schlägt die Stunde der Roten: Animierte antike Togaträger wandeln virtuell zwischen römischen Säulen, digitales Mauerwerk türmt sich auf und bröckelt im Minutentakt und gerade mal ist die Hälfte des Rundwegs geschafft. Auf dem Steinacker hat das Weingut Hauer seinen Premiumwein, den 2018er „Große Sau(se)“. Die Fusion von Mythos und Dornfelder im Barrique ist leider die letzte Offenbarung, denn schon ist es 23 Uhr und die Stände werden geschlossen. Fazit: In drei Stunden ist die Genussmeile unmöglich zu schaffen, und so müssen ab Weilberg alle weiteren Stationen vertagt werden.

Der Organisator zieht Bilanz

Am Sonntag zieht Marcus Brill, Chef des Organisationsteams, Bilanz. Er sei „super zufrieden“ mit den beiden Abenden. Besucher hätten sich vor allem von der Lichtshow begeistert gezeigt. Allerdings sei der Andrang „an der Grenze gewesen“, sagt Brill. Etwa 2000 bis 3000 Menschen pro Abend seien zusätzlich zu den 5500 Weinpass-Inhabern unterwegs gewesen, schätzt Brill. Dafür habe vor allem das gute Wetter gesorgt. „Bei zwei Grad und Nieselregen kommt kaum jemand zusätzlich“, sagt Brill. „Wir werden uns intern über die Besucherlenkung Gedanken machen“, kündigt er an, betont aber auch: „Wir verbieten ungern etwas.“

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