Kreis Bad Duerkheim
Freinsheim: Ehrenbürgerwürde für Gottfried Nisslmüller
Von seinem Einsatz für die Stadt Freinsheim ist viel bekannt. Schließlich erhielt Gottfried Nisslmüller dafür am Freitag, einen Tag vor seinem 82. Geburtstag, die Ehrenbürgerwürde. Dass sich Nisslmüller bereits seit Längerem mit einem solchen Titel eines anderen Ortes schmücken kann, wussten die meisten Besucher im voll besetzten Von-Busch-Hof noch nicht.
Als „prägende Figur in Freinsheims jüngster Geschichte“ bezeichnete Stadtbürgermeister Matthias Weber (FWG) den Geehrten. „Der überwältigende Zuspruch zeigt, dass die Entscheidung richtig war“, meinte Weber beim Blick in den Saal.
Als „Glücksfall“ hatte es zuvor Laudator Willi Simon bezeichnet, dass Nisslmüller 1972 gebeten wurde, für das Amt des Verbandsbürgermeisters zu kandidieren. Der gebürtige Lichtenberger und spätere Wormser habe vorgehabt, nur drei bis vier Jahre zu bleiben. Es wurden fast 20 Jahre daraus – bis das SPD-Mitglied als Landrat nach Germersheim wechselte. „Nisslmüller war kein Verwalter, für die Stadt Freinsheim war er ein Gestalter“, betonte Simon, der vor einem Jahr vorschlug, Nisslmüller die Ehrenbürgerwürde zu verleihen. Im August hatte der Stadtrat zugestimmt.
Nisslmüllers Vision für Freinsheim
Welche Entwicklung die Stadt in Nisslmüllers Amtszeit nahm, schilderte Simon anhand vieler Beispiele aus der ersten Stadtsanierung. Eines davon war der Von-Busch-Hof mit Bürgersaal und Restaurant. Fritz Kausch – ein weiterer Ehrenbürger Freinsheims – hatte der Stadt das Anwesen gestiftet. Dass der Restaurantleiter Volker Gilcher wurde, habe ebenfalls der Verbandsbürgermeister eingefädelt. Nisslmüller habe eine Vision gehabt, die er mit den städtischen Bürgermeistern Adolf Bibinger und Klaus Bähr – Letzterer erhielt vor zehn Jahren die Ehrenbürgerwürde – in die Tat umsetzte.
Mit Hilfe des Ingenieurbüros Rittmannsperger und Kleebank, Nisslmüllers Kontakten zu Landes- und Bundespolitikern und seinem Gespür für erhaltenswerte Gebäude sei aus Freinsheim ein touristisches Kleinod geworden, dessen Erhalt eine Herkulesaufgabe sei, betonte Simon, der frühere Vorsitzende des Verkehrsvereins und jetzige Beigeordnete der Stadt (FDP).
Privat rasch Nägel mit Köpfen gemacht
Auch privat habe Nisslmüller schnell Nägel mit Köpfen gemacht. Im Sommer 1976 lernte er „seine Ortrud“ kennen und heiratete sie noch im November des gleichen Jahres. Als Gymnasiallehrerin habe seine Frau die große Aufgabe gemeistert, vier Kinder an der Seite ihres Mannes großzuziehen, hob Simon hervor.
Das Publikum sang Nisslmüller unter Begleitung der Band Immergrün ein Ständchen: Zu „You are the champion of Freinsheim“ wurden die zu Taschenlampen umfunktionierten Smartphones in die Höhe geschwenkt.
Auch Ehrenbürger in Scheibenhard
Er werde seine vorbereitete Rede nicht halten, sagte Nisslmüller wohl auch aus Rücksicht auf seine Enkelkinder im Publikum. Er begrüßte unter den Besuchern auch Francis Joerger. Der Bürgermeister des französischen Scheibenhard habe ihm seine erste Ehrenbürgerwürde 2002 verliehen, verriet er. Sehr gefreut habe er sich über Simons Vorschlag, dass er Ehrenbürger von Freinsheim werden solle. „Ich bedanke mich beim Stadtrat, beim Bürgermeister und bei allen, die mich unterstützt haben.“ Ohne die politische Macht hätte er nichts gestalten können. Zu „Wind of Change“ von den Scorpions verließ er nach einem Verweis auf sein Geburtsdatum, den 9. November, unter viel Beifall die Bühne.