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Zweibrücken

Treibende Kraft bei Bücherverbrennung

Der ehemalige Leiter der Bibliotheca Bipontina, Hans Woelbing, war vor seiner Zeit in Zweibrücken als Nazi in Dortmund aktiv

von Andreas Ganter

1974 ehrt die Stadt Zweibrücken den ehemaligen Lehrer des Herzog-Wolfgang-Gymnasiums mit der Stadtplakette in Silber. Unser Archivfoto zeigt Oberbürgermeister Helmut Fichtner (SDP) bei der Übergabe der Plakette an Hans Woelbing (rechts).

1974 ehrt die Stadt Zweibrücken den ehemaligen Lehrer des Herzog-Wolfgang-Gymnasiums mit der Stadtplakette in Silber. Unser Archivfoto zeigt Oberbürgermeister Helmut Fichtner (SDP) bei der Übergabe der Plakette an Hans Woelbing (rechts). ( Archivfoto: RHEINPFALZ)

In Zweibrücken ist er bis heute ein angesehener Mann und wurde sogar von der Stadt ausgezeichnet: Hans Woelbing war von 1964 bis 1974 Leiter der Volkshochschule. Außerdem ist ihm der Aufbau der Bibliotheca Bipontina nach dem Zweiten Weltkrieg zu verdanken. Über seine Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg war hier jedoch so gut wie nichts bekannt. Aber: Woelbing war nicht nur ein Nazi, er spielte auch eine wichtige Rolle bei der Bücherverbrennung in Dortmund.

Zweibrücken ehrte den promovierten Pädagogen gleich zweimal: mit der bronzenen Stadtplakette und später mit der silbernen. Die jeweiligen Oberbürgermeister loben in ihren Ansprachen das Wirken Woelbings in der Rosenstadt. Dabei verließen sie sich auf Angaben des ehemaligen Lehrers am Herzog-Wolfgang-Gymnasium – ohne diese zu hinterfragen. Dass in einem von Woelbing verfassten Schriftstück kaum Hinweise auf seine Zeit kurz vor sowie während des Kriegs zu finden sind, machte sie offenbar nicht stutzig.

Woelbing lebte mit seiner dritten Frau in der Trautmannstraße. Zum Haushalt gehörten in Zweibrücken offenbar die zwei Kinder der Gattin aus erster Ehe sowie Woelbings Sohn Hans aus dessen erster Ehe. Der männliche Nachfahre des ehemaligen Bibliothekars, Lehrers und VHS-Leiters starb bei einem Unfall 1952. Er absolvierte eine kaufmännische Lehre in Pirmasens. Die Kopien für die Rechnung des Sargs liegen zusammen mit einem Beihilfe-Antrag des verbeamteten Pädagogen in dessen Personalakte.

Dieses Dokument ist der Schlüssel zur Geschichte Woelbings. Darin finden sich nämlich deutliche Hinweise und Belege auf dessen Wirken in Dortmund und die Rolle, die er in der NSDAP spielte. Dort war er als Hauptstellenleiter für Presse und Propaganda im Amt für Erziehung bei der Gauleitung der Partei. In Zweibrücken verschwieg Woelbing dieses dunkle Kapitel seiner Geschichte aber zeitlebens.

Hier engagierte er sich in zahlreichen Vereinen und war Mitglied in der FDP. Für die Liberalen kandidierte er in den 1950er Jahren für den Landtag und den Bezirkstag der Pfalz – allerdings erfolglos auf hinteren Listenplätzen. Als Bibliothekar der Bibliotheca Bipontina machte Woelbing sich einen Namen. Er verfasste zudem viele Beiträge zur Heimatgeschichte. Bei der Laudatio anlässlich der Verleihung der Stadtplakette in Silber bezeichnete der damalige Oberbürgermeister Zweibrückens, Helmut Fichtner (SPD), das Wirken des „verdienten Pädagogen als ein Beispiel von Hingabe auf dem Felde der Menschenbildung“. Woelbing habe in kultureller und bildungsmäßiger Hinsicht Vorbildliches geleistet, heißt es in einem Artikel von damals.

Die RHEINPFALZ berichtet heute ausführlich über Hans Woelbings Verstrickung ins System der Nationalsozialisten und dessen Rolle bei der Bücherverbrennung in Dortmund, und zwar auf folgenden Seiten: Lokalseite 3, SÜDWEST

 

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