Fernsehen
Neuer Vater: Interview mit dem Grünstadter Schauspieler Helgi Schmid
Die Serie heißt „How To Dad“. Hätten Sie einen Übersetzungsvorschlag?
Eine Super-Frage (überlegt) ... Vielleicht „Wie man Vater ist“. Das würde insofern gut passen, als es in unserer Serie nicht nur darum geht, wie man sein Kind erzieht, sondern vor allem darum, was für ein Vater man ist. Um um das Selbstbild der vier Männer und das Bild, das sie von den anderen haben.
Wie war das Zusammenspiel mit den anderen Väter-Darstellern?
Wir saßen vier Wochen lang jeden Tag miteinander im Stuhlkreis in diesem Ballettvorraum und mussten uns aufeinander eingrooven. Dabei geholfen haben vorbereitende Proben. Und die Tatsache, dass wir nicht einzelne Szenen gedreht, sondern immer versucht haben, ganz große Bögen zu spielen. Jede Folge ist im Prinzip eine große Plansequenz, eine halbe Stunde ohne große zeitliche Schnitte. Irgendwann hatten wir den Rhythmus gefunden, so wie auch die Dads in der Serie mehr und mehr zueinanderfinden.
Können Sie Ihre Rolle genauer beschreiben?
Roman ist der jüngste der vier Väter. Ein absoluter Optimist. Er denkt positiv. Andere würden sagen, manchmal denkt er gar nicht. Er sieht das Gute in den Menschen, und im Gegensatz zu den anderen freut er sich jeden Mittwoch aufs Neue, die Väter wiederzusehen. Wir erfahren, dass sein Kind nicht unbedingt geplant war. Dennoch liebt er seine Tochter Lily über alles und genießt jede Sekunde mit ihr. Die beiden begegnen sich auf Augenhöhe. Sobald er allerdings Verantwortung übernehmen muss, scheitert Roman gnadenlos. Das fängt schon beim sinnvollen Packen der Balletttasche an.
Haben Sie vorab das israelische Original gesehen?
Nein, das habe ich nicht. Ich wusste, dass es das gibt, aber wir sollten uns davon nicht beeinflussen lassen. Zugegeben, ich habe heimlich danach gegoogelt, wurde aber nicht fündig. Mehr als eine Inspiration wäre es aber für mich auch nicht gewesen. Sobald man ein Konzept adaptiert, entsteht meist ein ganz eigenes, anderes Produkt.
Ähnlich war es damals bei „Professor T.“, einer belgischen Serie, die wir fürs ZDF adaptiert haben. Eine Eins-zu-Eins-Kopie funktioniert schon allein deswegen nicht, weil der Humor hier in Deutschland ein ganz anderer ist als in Israel. Die Drehbücher, die Inhalte sind angepasst an die gesellschaftliche Situation hier. Die Grundidee wurde übernommen, der Rest ist komplett neu.
Spiegeln sich in „How To Dad“ Ihre eigenen Erfahrungen als Vater?
Heutzutage gehen die Eltern meistens beide arbeiten und teilen sich die Erziehung und Verantwortung für ein Kind viel gerechter auf, als das früher der Fall war. Ich glaube, das ist etwas, in das wir Väter noch reinwachsen müssen, sich in verschiedenen Situationen bewusst für das Kind zu entscheiden und für sich klarzuhaben, dass das auch in Ordnung ist. Ich habe selbst schon erlebt, dass ich gesagt habe: „Das geht nicht, ich kann das nicht machen, ich habe ein Kind daheim“, und mir dann gesagt wurde: „Ja, was ist mit deiner Frau?“ Als ob es ganz selbstverständlich wäre, dass ich als Mann natürlich die Arbeit priorisiere vor meinem Kind.
Das ist auch genau das, was ich an „How To Dad“ so spannend finde. Dass diese Zwänge hier immer wieder angesprochen werden und dargestellt wird, wie sich das Bild der Väter allmählich verändert oder an der Realität scheitert.
Auch als Vater wächst man in seine Rolle hinein und muss lernen, damit umzugehen. Sich fragen: Kann ich diesen Job jetzt machen? Kann ich das mit der Familie vereinbaren? Wem mute ich dabei wie viel zu und wie viel mute ich mir selbst zu? Man muss natürlich auch effektiver werden, da man auf einmal weniger Zeit hat für bestimmte andere Dinge. Das sind alles Fragen, die mich in den letzten Jahren auch persönlich beschäftigt haben. Insofern war es ein Geschenk, jetzt eine Serie zu drehen, die sich auf humorvolle Art und Weise damit auseinandersetzt.
Die Regie führte Jakob Lass, der dafür bekannt ist, dass er sehr viel improvisiert. War das auch hier der Fall?
Ja, und hier war es insofern besonders, weil wir eigentlich schon ganz tolle Drehbücher hatten. Ich habe mich zuerst gefragt, wo da überhaupt Platz ist zum Improvisieren. Aber Jakob ist seinem Stil treugeblieben und hat uns große Freiheiten gelassen, uns immer wieder dazu aufgefordert, die Szenen aufzubrechen. Auch wenn es schon super geschrieben war, bemerke ich in der Serie die Momente, die plötzlich durch Improvisationen noch lebendiger werden.
Haben Sie ein Beispiel?
Alle Szenen mit den Kindern hatten wahnsinnig viele Impro-Elemente, und ab Folge 3 ist auch unter den Vätern mehr Improvisation eingeflossen. Die Figuren sind etabliert, wir waren mehr und mehr im Groove und haben uns öfters vom Text gelöst, um „Umwege“ zu fahren: kleine Momente oder Wortwechsel, die so nicht geplant waren, aber das Ganze bereichern.
Lisa Bitter, die die Ludwigshafener „Tatort“-Kommissarin Johanna Stern verkörpert die Mutter Ihrer Tochter.
Ja, sie dabei zu haben, war toll. Ich kenne sie noch aus Stuttgart, als sie ganz frisch ans Staatstheater gekommen ist und ich dort noch im letzten Jahr in der Schauspielschule war. Wir haben in der Serie nur kurze Momente miteinander, aber dank ihrem feinen Spiel erzählen sie so viel über die Beziehung der beiden.
Sie haben mit „One Night Off“ ja bereits erste Erfahrungen mit Streamingformaten gemacht.
Ja, der Film ist nach wie vor auf Amazon Prime abrufbar. Spannend, wie sich das geändert hat im Vergleich zu einmaligen Ausstrahlungen. Auch jetzt mit dieser Produktion, die ja nicht im linearen Fernsehen gezeigt wird, sondern als reine Mediathek-Produktion an den Start geht. Das entspricht nicht nur mehr den Sehgewohnheiten der Zuschauer – ich schaue, wann ich will –, sondern ist auch für mich ein gutes Gefühl: Eine Sendung wird nicht einmal gezeigt und verschwindet dann aus der Aufmerksamkeit. Da die Leute jederzeit darauf zugreifen können, bekommt man immer wieder kleine Rückmeldungen. Bei „One Night Off“ merke ich gerade: Der Film wird besonders in Brasilien oder in Spanien geguckt. Nächsten Monat ist vielleicht ein anderes Land dran. Man merkt, er lebt weiter. Er wird weiter abgerufen und gesehen, und das ist schön.
Wissen Sie, welche Abrufzahlen „How To Dad“ braucht, um eventuell fortgesetzt zu werden?
Das weiß ich nicht. Die Serie ist sehr gut geworden, sie ist abgeschlossen und funktioniert so, wie sie ist. Wenn viel positives Feedback kommt, werden die Verantwortlichen hoffentlich darüber nachdenken, ob man noch eine zweite Staffel dranhängt. Lust hätte ich, mein Erfahrungsschatz ist noch lange nicht ausgeschöpft.
Termin
„How To Dad“ ist ab 10. Juni in der ARD-Mediathek abrufbar.