Kunst
Folgen Sie (nicht) dem Ballon: Über die Banksy-Schau in Heidelberg
17 Euro können Sie unter der Woche sparen und 18 Euro am Wochenende, wenn Sie nicht hingehen! So viel muss man ausgeben, um – voraussichtlich ab Samstag, wenn die Notbremse zurückgenommen wird – eine Ausstellung zu sehen, in der kein Originalwerk zu sehen ist.
Denn Banksy, der anonyme Künstler, hat nichts mit den Ausstellungen in aller Welt zu tun, die sich um ihn drehen. Und er würde es garantiert nicht gutheißen, dass man Geld zahlen muss, um seine Kunst zu sehen, denn er prangert genau das an.
An drei Orten (fast) das Gleiche
Die aktuelle, rein kommerzielle Schau heißt: „The Mystery of Banksy – A Genius Mind“ und ist zeitgleich in drei Städten zu sehen: in München (bis 4. Juli), Berlin (bis 15. September) und Heidelberg (bis 12. September). Überall mit denselben Sachen. Wenn nichts echt ist, ist alles möglich.
Allein die Größe der Hallen, in der sich das Mysterium ausbreitet, sorgen dafür, dass doch nicht alles überall ganz gleich aussieht. Auch könnte die Geschicklichkeit der Fälscher – früher nannte man sie Kopisten – und die Kante der verwendeten Sprühschablone dafür sorgen, dass die kleinen Ratten in Heidelberg nicht ganz so makellos sind wie in München. Denn nicht mal vor Banksys Badezimmer mit Rattendekor und schiefem Spiegel überm Waschbecken haben die Ausstellungsmacher Halt gemacht und es als Raum in Raum nachgebaut – mit nobler roter Absperrkordel davor, damit sich niemand aufs Klo setzt. So zumindest sieht es in der Berliner Schau aus, die seit 15. April läuft.
Gut gemachte Fakes
In Heidelberg wird es nicht anders sein, denn schließlich gibt es nur gut gemachte Fakes zu sehen: nachgemalt, nachgebaut, aus dem Zusammenhang gerissen. Banksy würde sich nie darüber beschweren, schließlich fragt der Street Art-Künstler ja auch nicht die Eigentümer, wenn er sich Wände nimmt und seine nachdenklichen, witzigen Botschaften aufsprüht.
Die Schau, die sich völlig zu Recht „unauthorized“ (nicht autorisiert) nennt, zeigt über 100 Reproduktionen. Vom Polizeihelm mit integrierter Discokugel, die sich über Autoritäten lustig macht, über das Mädchen mit von Tränengas zerstörten Augen bis zur Videowand, auf der man eine Versteigerung eines Banksy-Werks verfolgen kann. Zum Glück folgt die Auswahl keinem zeitlichen oder örtlichen roten Faden, so dass man beim Betrachten nichts falsch machen kann. Und netterweise wird man nur mit einer einzigen Tafel zu Banksys Leben und Arbeitsmethode gestört, sie ist in Gold gefasst. Rebellen sehen anders aus. Ihre Kunst auch.
Das wahre Mysterium
Banksy-Drucke sorgsam gerahmt an die Wand gehängt, sind so ziemlich das Gegenteil von dem, was der berühmte ungewöhnliche Künstler will. Vor allem: Er sprüht immer nur ein einziges Werk. Die Fülle der Ausstellungsstücke allein macht seine Kunst schon klein, der „Banksy Photo Point“ gibt ihr den Rest. Das ist eine Wand mit roten Herzluftballon, vor der sich die Besucherin stellen und fotografieren soll. Dabei wird ohnehin schon ständig fotografiert in der Schau. Das ist das wahre Banksy-Mysterium!
Wer sehen will, was Banksy will und macht, sollte einfach auf seine Webseite banksy.co.uk gehen und nachschauen. Das ist besser und billiger. Nur eins muss man den Marketingexperten dieser ebenso kommerziellen wie unnötigen Heidelberger Schau lassen: Sie haben keine normalen Ausstellungsplakate in der Stadt aufgehängt, sondern seit Monaten wild plakatiert – mit dem Schriftzug „#Follow the Balloon“ plus dem Mädchen mit dem roten Luftballon (dem Bild, das sich kurz nach der Versteigerung selbst vernichtete) und geschredderten Papierstreifen am unteren Rand. So ein Plakat zu klauen, würde Banksy sicher autorisieren.
Die Ausstellung