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Familien-Ausstellung: Die Uhls aus Speyer in Frankfurt
Die Mail von Christian Uhl, ob das denn was sei, seine Schau mit Tochter Helene. In Frankfurt. Beim Werkbund Hessen. Titel „Natur“. Sie kam vor Wochen. Jetzt sind Uhl und Uhl noch im Aufbau begriffen. Auf dem Boden der Werkbund-Ladengalerie in der Nähe der Schirn liegen Bilder zum Aufhängen aus.
Christian Uhl, der Künstler aus Speyer, trägt offensiv Glatze und rote Hosen. Tochter Helene ein sanftes Lächeln im Gesicht. Ein staunend-hintergründiges Freudestrahlen. An der Wand, der Kauz auf dem Gemälde, der durchdringend schaut, sein linkes Auge , seltsam eingetrübt. Daneben sind stilisierte Blumen zu sehen, gerahmt, sie sprießen optimistisch vor einem blassgrünen Hintergrund. Die sehr unterschiedlichen Bildwelten der beiden Uhls sind „russisch“ nebeneinander gehängt.
Kauz und wilde Wiese
Er, Vertreter der freien, sie Praktikerin der angewandten Kunst, zu der auch schon mal Schaufensterdesign gehört, Hochzeitskarten, Kinderbuch-Illustrationen, die surreale Schwarz-weiß-Illustration „Der Angler“, die sie für das Mainzer Café „Das Nest“ entwickelt und auf dem ein Männerkörper in Anzug mit Fliege einen Kopf hat, der aus einem Karpfen besteht. „Wilde Wiese“, das oben erwähnte Bild, erzählt Helene Uhl, sei ursprünglich eine Illustration für die „Stadtbienen“ gewesen, ein gemeinnütziges Sozialunternehmen, das unter anderem Imkerkurse anbietet (im April und Mai in Fischbach bei Kaiserslautern). Ob Christian Uhls Kauz daneben, ausgepreist für 6000 Euro, auf dem Kunstmarkt verkauft wird, ist dagegen ungewiss.
Helene Uhl sagt, weshalb sie sich dafür entschieden habe, Kunst zu machen, die weniger ins Offene zielt, habe bestimmt auch damit zu tun, dass es damit leichter falle, Geld zu verdienen. Das habe sie an ihrem Vater gesehen. Er räumt ein, dass ihm für die lukrative Kunstkarriere „vielleicht“ – ein wenig – an Ehrgeiz fehlen könnte. Sie nickt vorsichtig zustimmend. „Mir geht es gut damit“, sagt er dann aber noch.
Wer denn die Idee gehabt zu der gemeinsamen Ausstellung? Sie, Helene. Der Vater jetzt, wirkt leise stolz. Die 35-jährige selbstständige Grafikdesignerin ist, noch nicht allzu lange her, Mutter geworden. Vielleicht eine gute Zeit für die – nun - Frankfurterin, noch einmal die eigene Speyerer Herkunftsgeschichte zu überdenken – und die neu sich einstellende Äquidistanz. Außerdem ist sie Mitglied im Werkbund Hessen, der den Schauraum zur Verfügung stellt.
Der Verein ist einer der Werkbünde des 1907 von dem Architekten Hermann Muthesius, dem Politiker Friedrich Naumann und dem Designer Henry van de Velde gegründeten Werkbundes. Ziel, „im Zusammenwirken von Kunst, Industrie und Handwerk“ die gewerbliche Arbeit zu nobilitieren und zu „einschlägigen Fragen“ geschlossen Stellung zu beziehen. Christian Uhl dagegen organisiert sich seit 35 Jahren als freischaffender Künstler selbst.
Der melancholische Wal
„Jahrgang 1956, Studium an der Kunstakademie Karlsruhe. Lebe und arbeite in Speyer“, mehr steht nicht zu ihm auf seiner Homepage. Mitgliedschaften in Künstlervereinigungen, sind keine verzeichnet. Unter der Rubrik „denken“ auf seiner Netzseite macht er sich seine eigenen philosophischen Gedanken.
„Kunst sollte brauchbar sein“, der Satz ist ziemlich am Anfang einer 1993 beginnenden Zeitleiste verewigt. Er klingt, recht überlegt, gar nicht so weit weg von dem, was Tochter Helene so macht. Auch die Auftragskunst, die er verfertigt, die Porträts, die Wunschkunst und die „Stundenbilder“, die er auf Bestellung und anhand von Foto-Vorlagen malt und für 126 Euro je Bild verkauft, sie unterscheiden sich programmatisch kaum von den Illustrationen, die Helene Uhl für ihre Kunden erstellt. Vice versa gibt es auf der Netzseite von ihr auch freie Kunst zu kaufen, Unikate. Der Wal, der auf ihrem Bild zwischen leicht sauer und eher melancholisch wirkt zum Beispiel, Tinte auf koloriertem Papier, gerahmt, ist schon weg. Viele ihrer Arbeiten werden erst digitalisiert, um sie dann weiter zu bearbeiten.
„Stilistisch“, sagt sie, „ist mein Werk divers“, die Natur der rote Faden. An manchen Tagen sei das Gefühl, nichts ändern zu können fast beängstigend stark. Er sagt: „Die Natur, unser Lebensraum braucht uns nicht. Wir hingegen müssen uns schleunigst umorientieren“. Kunst ändere nichts, nur der Mensch könne das, sagt er. Sie, dass es darum ginge, im Kleinen etwas zu bewegen.
Orca mag auch Hai
Kunst sei nun mal sein Beruf, das, was er mache. Sie bestimme nicht sein ganzes Denken. Er will das merkbar nicht überhöhen. Sie schaut ihn doch etwas skeptisch an. Ob das so stimmt? Für sie dagegen ist klar und unternehmerisch wichtig, dass sie ihre Kunst vor allem verkaufen muss.
Mit ihren Arbeiten hegt sie Absichten von anderen. Auf seinen jüngsten, sehr bunt-expressiven Werken, zu denen der anfangs erwähnte Kauz gehört, ist die Tierwelt sich selbst überlassen, Adler, Gans, Vögel, Fische, Albatrosse, Enten, Meise, Falken. Mit altmeisterlicher Attitüde gemalt – Uhl ist Könner – kristallisieren sie sich aus abstrakten Farbwirbeln heraus. „Die Technik“, beschreibt er sein Verfahren, „muss so perfekt sein, dass man an ihr nicht hängenbleibt“.
„Orca mag auch Hai“ heißt eines seiner Gemälde an der Werkbundwand, das nicht nach Freundschaft aussieht, weil der Schwertwal darauf den „kopfstehenden“ Hai in die Bauchgegend rammt – im abstrakten Bildgrund, rotes Gekräusel. Christian Uhl erklärt dazu, dass – nach anderthalb Jahrzehnten – „realistischem“ Malen“ jetzt bei ihm wieder mehr Leben ins Bild käme, „unkontrollierter“ aus dem „Handgelenk“.
Was ihr, Helene Uhl, wichtig ist, sie hat sich auf „naturbezogene Themen“ spezialisiert – Insektenschutz, Hochwasserrisikomanagement, nachhaltige Ernährung“. Ihre Kundschaft, die Guten. Sie wolle mit ihrer appellativ-schönen Kunst „sensibilisieren“, das „Gefühl der Naturverbundenheit wiederherstellen, kritisch sein, ihre Hoffnung, dass Menschen Dinge verändern. Jetzt schaut der Papa sie mit einem wissenden Blick an, der zwischen Bewunderung und einer höheren Einsicht schwankt.
Paradies Atelier
Wie ist es denn nun gewesen als Tochter eines Künstler-Papas? Sie sagt: „Toll“. Als Kind sei das Atelier eine Art Paradies gewesen. Ganz leicht, mit der Kunst in Berührung zu geraten. Jetzt, sagt sie, würde ihr Vater manchmal sogar sie etwas fragen, etwa wenn es um grafische Dinge gehe. Er sagt: „Das stimmt.“ Sie sagt, sie sei allerdings sehr ungeduldig. Und er? Schmunzelt.
Ungewohnt und seltsam sei das, jetzt so neben ihrem Vater zu stehen, auf gleicher Ebene, erzählt sie. Vor zehn Jahren hätte sie sich das noch nicht vorstellen können. Er schon, sagt sein Gesicht. „Ich bin gespannt“, sagt er zum Abschluss, was das gemeinsame Ausstellen mit dem Tochter-Vater- und dem Vater-Tochter-Verhältnis mache. Sie hat noch was richtig zu stellen. Alles gut und schön, sagt sie dann, aber ihre Kreativität habe sie doch und wider dem offensichtlichen Erwarten wahrscheinlich hauptsächlich von der Mutter geerbt. „Hast du ihr das auch gesagt?“, sagt er, ziemlich weich geworden.
Die Ausstellung
„Natur. Uhl und Uhl“, bis 17. März im Werkbund Hessen, Weckmarkt 11, Frankfurt. www.deutscher-werkbund.de