Brüssel RHEINPFALZ Plus Artikel EU will Streamingdienste reglementieren: Mehr Geld für unbekannte Künstler

Die EU will, dass Streamingplattformen ihre Empfehlungswerkzeuge transparenter machen.
Die EU will, dass Streamingplattformen ihre Empfehlungswerkzeuge transparenter machen.

Beim Musik-Streaming sahnen die Stars ab, der große Rest der Künstler geht fast leer aus. Diese Ungerechtigkeit will die EU nun beheben.

Taylor Swift ist die Königin des Musik-Streamings. Fast 27 Milliarden mal wurden ihre Songs aufgerufen, was nicht nur den Ruhm der Sängerin mehrte, sondern wohl auch ihr Bankkonto mit mehreren hundert Millionen Dollar füllte. Zur gleichen Zeit laden unzählige unbekannte Künstler ihre Lieder auf die Plattformen hoch, bleiben jedoch meist wenig gehört und nagen am Hungertuch.

84 Prozent der 14- bis 29-Jährigen in Deutschland streamen laut einer Gema-Erhebung Musik. Es wird mehr Musik gehört, denn je. „Man könnte meinen, mit dieser Entwicklung geht es auch Künstlerinnen und Künstlern besser denn je“, sagt der Grünen-Europaabgeordnete Niklas Nienaß. „Doch das Gegenteil ist der Fall.“

Algorithmen sind das Problem

Diese Ungerechtigkeit kann die EU nicht völlig beheben, will sie aber zumindest lindern. Am Mittwoch wurde dazu ein entsprechender Bericht im Europaparlament mit sehr großer Mehrheit verabschiedet. In dem Bericht wird die EU-Kommission aufgefordert zu prüfen, mit welchen Modellen die Vergütung der Künstler fairer gestaltet werden kann. Die großen Plattformen wie Spotify, Deezer, Apple oder YouTube sollen dazu verpflichtet werden, ihre Empfehlungswerkzeuge transparent zu machen.

Das Problem ist, dass aufgrund des Vergütungsmodells etwa von Spotify die bekannten Künstler mit den meisten Abrufen automatisch das meiste Geld abschöpfen. Musik in Nischen oder mit eher regionaler Bekanntheit sind zum einen aufgrund der Algorithmen von den Suchmaschinen schwer auffindbar, zum anderen werden sie selbst bei starken Abrufzahlen verhältnismäßig schlecht entlohnt. Die Musiker „können somit von ihrer Arbeit nicht leben und kämpfen schlicht um ihre berufliche Existenz“, sagt Nienaß.

90 Prozent der Tantiemen gehen an unter ein Prozent der Künstler

Das Problem sei nicht „die Wertschöpfung, sondern die Verteilung“ des Geldes, betonte Balbina Jagielska, Musikschaffende und Repräsentantin der Akademie für Populäre Musik Polyton. Im Moment werde honoriert, wie oft ein Titel gehört werde. Das habe zur Folge, dass 90 Prozent der Tantiemen an unter ein Prozent der Künstler fließe. „Wir müssen weg von der quantitativen Bewertung, hin zu einer qualitativen Bewertung“, forderte sie.

In dieselbe Kerbe schlug Christopher Annen, Musiker bei der Gruppe AnnenMayKantereit. Es gebe noch nicht „das eine, überzeugende System“ der Abrechnung, räumte er nach der Abstimmung in Straßburg ein. Der Sänger ist aber überzeugt, dass durch ein nutzungszentriertes Vergütungsmodell die Musikszene diverser würde. Die Folge sei natürlich, dass große Künstler etwas weniger verdienten, die kleinen dafür etwas mehr.

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