72. Berlinale
Ein Gefühl von Festival
Der Mensch schätzt ja Verlässlichkeit. Selbst Berlinale-Journalisten. Und tatsächlich hat diese 72. Ausgabe trotz Omikron ein vertrautes Festivalgefühl verströmt. Ja, es waren etwas weniger Stars und weniger Kollegen angereist. Doch allzu sehr hat das nicht gestört, sondern vielleicht sogar die Konzentration auf die Filme erhöht.
Und es war ein starker (Wettbewerbs-)Jahrgang mit nur einem Ausfall. Im Zentrum: Geschichten, die sich übers Private ins Politische weiten können. Und Filme, die zurückschauen, ohne nostalgisch zu wirken. Dass nicht alle Juryentscheidungen überzeugen, ist ebenfalls typisch für ein Festival wie die Berlinale.
Die Sicherheitsvorkehrungen für die Journalisten indes ließen nichts zu wünschen übrig: Auch Geboosterte benötigten tägliche Tests, die Kinosäle boten viele freie Sitze, alle hielten sich an die FFP2-Maskenpflicht auch am Platz. Und das neue Online-Buchungssystem sorgte dafür, dass kein langes Anstehen nötig war. Bei den Publikumsvorstellungen ging es teils enger zu: An einen vollen Friedrichstadtpalast muss man sich erst wieder gewöhnen.