Pop
Ein Abschiedsgeschenk: Das letzte Album von The Jazz Butcher
Der Engländer, der sich The Jazz Butcher nannte, „Jazz-Schlachter“, veröffentlichte seine ersten Platten schon in den 1980er-Jahren. Seitdem sind ein Dutzend davon erschienen. Platten voller funkelnder Hits, kleine, weil unentdeckten Hits. Fish und sein Kompagnon Max Eider, der Protagonist der 1982 in Oxford gegründeten Band The Jazz Butcher, gelang es auf Alben wie „A Scandal in Bohemia“ oder auch „Big Planet Scarey Planet“, einem veritablen Glanzstück aus dem Jahr 1989, den Kultstatus der Gruppe zu formen. Doch mehr als ein paar Tausend Alben konnten sie nie verkaufen.
Das jetzt von Pat Fish, Max Eider, Peter Crouch, Tim Harries und Dave Morgan in Lee Russells „Dulcitone“-Studio in Northamptonshire aufgenommene und postum veröffentlichte Album „The Highest in the Land“ ist das erste Werk nach zehn Jahren. „My hair’s all wrong / My time ain’t long / Fishy go to Heaven, get along, get along“, singt Fish in „Time“, den eigenen Tod vorwegnehmend. Auch die anderen Stücke sind Beweise der Schönheit und Dringlichkeit dieser klassischen Indie-Pop-Musik, der immer wieder ein Hauch von Jazz, gelegentlich auch Blues innewohnt.
Wie aus der Zeit gefallen
Wunderbare Balladen sind zu hören, „Sea Madness“ oder „Never Give Up“: Gitarren, samtige Orgeln, Geigen, alles verpackt in eine musikalische Grundstimmung, die ganz aus der Zeit gefallen ist. Bands wie Prefab Sprout oder Felt, auch das Werk von Edwyn Collins sind in Hörweite, aber es ist auch ein ganz unkompliziertes Country-Pop-Stück wie „Running on Fumes“ auf dem Album zu finden, auf dem Fish vom Brexit und von toten Musikern erzählt: „Lenny and Bowie and Prince all gone.“
Bis zu seinem Tod gelang es dem 1957 in London geborenen Dandy, ein ewiger Geheimtipp zu bleiben – und das, obwohl einige seiner Platten sogar bei Alan McGees Erfolgslabel „Creation Records“ veröffentlicht wurden, wo Bands wie Oasis und Primal Scream zu großmäuligen Britpop-Stars wurden. Das mag daran liegen, dass der melancholisch-elegante Sound von The Jazz Butcher schon immer, nun ja, anders war. Man höre etwa „Amalfi Coast May 1963“ – eine instrumentale, wehmütige Ode an die Vergangenheit und Schönheit der italienischen Küste.
Ein sehr englisches Lebensprojekt
Wer The Velvet Underground, Syd Barrett, Kevin Ayers, Miles Davis und Stan Getz zu seinen prägenden Vorbildern zählt, der will nicht unbedingt schnelle Karriere in der Popmusik machen. Und so war es auch: „Als wir mit The Jazz Butcher angefangen haben, ging es auf jeden Fall darum, eine Außenseiterrolle einzunehmen. Wir hatten auch nie vor, Profimusiker zu werden. Wir haben wenig erwartet und viel bekommen“, resümiert Pat Fish. Dieses eigenwillige, stets wundervoll ironische, sehr englische Band- und Lebensprojekt ist mit dem letzten Album nun zu einem würdigen Ende gekommen.
Info
The Jazz Butcher: „The Highest In The Land“; Tapete Records 2022.