Fernsehen
ARD-Serie „Ein Hauch von Amerika“ zeigt die Westpfalz der 1950er-Jahre
„Ein Hauch von Amerika“ kam vor nunmehr rund 70 Jahren in die Region, als die Pfalz zur europäischen Basis der US-amerikanischen Streitkräfte ausgebaut wurde und über 100.000 US-Soldaten und ihre Familien ein neues Zuhause in Orten wie Kaiserslautern, Ramstein-Miesenbach, Landstuhl oder Baumholder fanden. Vorab zu sehen beim Ludwigshafener Festival des deutschen Films, kehrt „Ein Hauch von Amerika“ nun als TV-Sechsteiler zurück, abzurufen ab dem 24. November in der ARD-Mediathek und im Ersten zu sehen von 1. bis 8 Dezember.
„Willkommen in Kaltenstein“, heißt die erste, 45-minütige Episode: Kaltenstein ist der fiktive, westpfälzische Schauplatz der sogenannten Mini-Serie. Hier bewirtschaftet Familie Kastner – Vater Heinrich, Mutter Luise, Sohn Vinzenz und Tochter Marie –ihren kleinen Kartoffelacker, als gleich in den ersten Filmminuten eine Bombenexplosion ihren Hund in den Tod reißt und kaum später ein US-Panzer ihre Ernte über den Haufen fährt. Ihr wohlhabenderes Gegenmodell bieten die Strumms, Friedrich, der Bürgermeister des Ortes, seine Gattin Anneliese, Tochter Erika und der Sohn Siegfried, der in Folge 3 aus russischer Kriegsgefangenschaft heimkehrt. Die kleine Stadt, in der sie leben, mit den hellen, kalksteinernen Fassaden ihrer Häuser, sieht etwas mehr nach Frankreich als nach der tatsächlichen Pfalz aus.
Nicht in der Pfalz gedreht
„Schauplatz der Geschichte ist das Gebiet zwischen Kaiserslautern, Landstuhl, Ramstein, Hahn und Bitburg“, erklärt Claudia Gerlach-Benz, neben Manfred Hattendorf die zuständige Redakteurin des federführenden Senders Südwestrundfunk (SWR). Hauptdrehort der Serie und verantwortlich für den Gesamteindruck, den das Städtchen Kaltenstein macht, war jedoch das nordrhein-westfälische Stolberg, kurz vor Aachen und damit nahe der belgischen und holländischen Grenze gelegen. Der zentrale Zwiebelturm im Briefstempel, der wiederholt im Vorspann zu sehen und sozusagen das Gesicht des Ortes, wenn nicht der ganzen Serie bildet, ist der Turm von St. Lucia in der Stolberger Altstadt.
Gedreht wurde noch an weiteren Orten in Nordrhein-Westfalen, darunter auch in Köln, während in der Pfalz überhaupt nicht gedreht wurde, nur im Hunsrück und gar im nachbarbundesland, hier ging es vor allem um die militärische Szenerie. So drehte man in der Straßburg-Kaserne in Idar-Oberstein und fand das Wohnhaus von Colonel Jim und seiner Frau Amy McCoy im Heidelberger Patrick-Henry-Village.
Vorbild Baumholder
Das Vorbild des Serienschauplatzes und damit das wahre Kaltenstein wiederum ist offensichtlich das Garnisonsstädtchen Baumholder nördlich der Pfalz, im Kreis Birkenfeld, wie ein „Ein Hauch von Amerika – Die Doku“ zeigen wird, die am 8. Dezember im Anschluss an die letzte Episode (und ab 24. November in der ARD-Mediathek) zu sehen ist. „Die Kreisstadt hat Anfang der 1950er Jahre eine ähnlich explosive Entwicklung wie unsere fiktive Kleinstadt Kaltenstein durchgemacht: Aus einem 2500-Seelen-Dorf wurde fast über Nacht eine Stadt mit über 30.000 US-Soldaten“, vergleicht auch Gerlach-Benz die Orte.
„Der schnelle Reichtum und der Einzug des ,American Way of Life’ lösten in Baumholder einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel aus. All das erleben wir auch in unserem fiktiven Ort Kaltenstein“, bestätigt und ergänzt die Kölner Produzentin Simone Höller von der FFP New Media.
Dabei ist Kaltenstein am Ende „Kein Ort zum Leben“, so der Titel der abschließenden Episode, über die an dieser Stelle jedoch noch nicht zu viel verraten werden sollte.