72. Berlinale RHEINPFALZ Plus Artikel Der deutsche Film „Der Passfälscher“ läuft abseits des Wettbewerbs

Bei der Arbeit: Louis Hofmann als Cioma Schönhaus in „Der Passfälscher“.
Bei der Arbeit: Louis Hofmann als Cioma Schönhaus in »Der Passfälscher«.

Nur zwei deutsche Filme und eine Koproduktion mit der Schweiz haben es in den Berlinale-Wettbewerb geschafft. „Der Passfälscher“ mit dem als künftiger Star gefeierten Louis Hofmann musste mit der Reihe „Special“ vorlieb nehmen.

Ein deutscher Film über das Überleben von Juden im Berlin anno 1942/43: Das klingt gewichtig. Doch die Drehbuchautorin und Regisseurin Maggie Peren setzt auf verschmitzten Humor. Ihre Hauptfigur Cioma Schönhaus geht stets mit einem Lächeln durchs Leben, scheinbar angstfrei.

Und so kicherte sie sich mit Hauptdarsteller Louis Hofmann auch durch die Premiere im Friedrichstadtpalast. Der 24-Jährige trug dazu Hemd und Hose in Tweed: die Zeitreise in die 1940er hat er ordentlich verinnerlicht. Acht Monate hatte er sich auf die Rolle vorbereiten können, und habe Schönhaus’ „Strahlen, seine Leichtigkeit und das Lebensbejahende, das er hatte“, ins Zentrum seines Spiels bringen wollen, erklärte er zuvor der Presse.

Der echte Cioma Schönhaus (1922-2015) hatte seine Erinnerungen 2004 aufschreiben lassen, Maggie Peren arbeitete seit 2013 an der Verfilmung – und konnte ihn noch treffen. Der verspielte Ton des Films, der so manchen – auch jüdischen – Journalisten bei der Berlinale etwas bitter aufstieß, könnte also im Sinne des Vorbilds ein.

Peren blickt zurück auf wenige Monate. Ihr Cioma Schönhaus sitzt zunächst allein in einer viel zu großen Wohnung, die Eltern wurden offenbar kürzlich deportiert. Er setzt auf kleine Tricks, um sich den Alltag zu erleichtern: etwa eine gefälschte Erlaubnis, um als Jude mit dem Bus zur Arbeit in der Waffenfabrik fahren zu dürfen. Dann wird er, der auf der Kunstgewerbeschule war, von einem Mitglied der Bekennenden Kirche gebeten, Kennkarten für Juden zu fälschen. Der blonde Schönhaus lässt sich dazu einen Nazihaarschnitt verpassen und geht schon mal in Soldatenuniform zum Tanz, wo er sich verliebt – in eine Jüdin.

Peren und Hofmann zeichnen Schönhaus als pfiffige Spielernatur, die in brenzlicher Lage stets in die Offensive geht. Allerdings wirkt der Film durch diese komödiantische Note doch zu leichtgewichtig. Sie habe sich die Entscheidung, kein Bangen und Zweifeln zu zeigen, nicht leicht gemacht, sagt Peren. Aber es sei ihr wichtig gewesen, Schönhaus nicht als Opfer zu zeigen.

Gute Tarnung ist alles: Cioma Schönhaus (Louis Hofmann, rechts) und sein bester Freund Det (Jonathan Berlin) gehen in marineunif
Gute Tarnung ist alles: Cioma Schönhaus (Louis Hofmann, rechts) und sein bester Freund Det (Jonathan Berlin) gehen in marineuniformen aus.
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