Kultur RHEINPFALZ Plus Artikel Das Glück gepackt: Mario-Adorf-Biografie kommt ins Kino

Mario Adorf an der Nähmaschine seiner Mutter, die damit den Unterhalt für beide verdiente.
Mario Adorf an der Nähmaschine seiner Mutter, die damit den Unterhalt für beide verdiente. Foto: COIN FILM

Film der Woche: Die Dokumentation „Es hätte schlimmer kommen können – Mario Adorf“ porträtiert den beliebten Schauspieler.

Nach Essen, Ludwigsburg, Augsburg, München, Berlin und Hamburg reist Mario Adorf dieser Tage, um die Dokumentation „Es hätte schlimmer kommen können“ vorzustellen, die ihn porträtiert. Das heimatliche Rheinland-Pfalz lässt der mittlerweile 89-Jährige auf seiner Kinotour aus – es sei ihm verziehen. Schließlich ist der Film selbst schon ein schönes Geschenk an seine Fans.

Mario Adorf trällert noch immer unter der Dusche und geht optimistisch in den Tag, verriet er vor wenigen Tagen dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Fit ist er also noch, auch wenn er sich in seiner Heimat dieses Jahr rar machte: Die Premiere von „Es hätte schlimmer kommen können“ beim Festival des deutschen Films Ende August in Ludwigshafen ließ er seinen Regisseur Dominik Wessely allein bestreiten.

Wessely fängt in „Es hätte schlimmer kommen können“ die Persönlichkeit des großen Schauspielers indes äußerst charmant und erhellend ein. Er führt Adorf zurück an entscheidende Orte – etwa ins Eifelstädtchen Mayen, wo er aufwuchs. Und er lässt ihn sich an prägende Momente erinnern, so an die Strenge der Mutter, über die Adorf beim Werkelkn an ihrer bei ihm noch eingelagerten Nähmaschine spricht.

Seiner Heimat Rheinland-Pfalz verbunden

Nach der Jugend in Mayen zog es ihn zunächst gar nicht so weit weg: In Mainz studierte er zwei Jahre, jobbte im Bimsabbau, spielte Studententheater. Mayen und Mainz sieht er nach wie vor als prägend an, obwohl er länger in Rom, St. Tropez und München lebte. „Rheinland-Pfalz ist doch meine Heimat, da komm ich her“, sagte er bei der Uraufführung des Films in Berlin. Vor allem der Dialekt bedeute ihm viel: „Ich habe ihn immer hochgehalten, die Bindung zur Heimat ist die Bindung zur Sprache. In Deutschland sind ja leider viele Dialekte sehr vernachlässigt worden.“ Und so singt er im Film denn auch bei der Fahrt durch strahlende Rapsfelder vom „Mayener Jung“.

Auch die Pfalz hat für Adorf indirekt eine große Rolle gespielt: Es war der aus Zweibrücken stammende Regisseur Peter Fleischmann, der einst Volker Schlöndorff überredet hatte, Adorf in „Die Verlorene Ehre der Katharina Blum“ zu besetzen, sagt Adorf im Film. Da hatte der Schauspieler zwar schon mit Größen wie Robert Siodmak gearbeitet und war Star des italienischen Actionkinos gewesen, ganz zu schweigen von Winnetou. Doch er galt als Vertreter von „Opas Kino“, das der Neue Deutsche Film bekämpfen wollte, wie Margarethe von Trotta im Film zu Adorf sagt. Schlöndorff war offenbar angetan und besetzte ihn auch in „Die Blechtrommel“. Die Doku verschweigt hier allerdings, dass zuvor schon zwei andere Vertreter des Neuen Deutschen Films Adorf besetzt hatten: Roland Klick, den Adorf im Gespräch als wichtigen Förderer nennt, und der Hunsrücker Edgar Reitz in „Die Reise nach Wien“ (1973).

Das alte Bewerbungsschreiben kommt ans Licht

Sein Schauspielerleben hatte in München begonnen. Der Film zeigt Adorf daher auch bei einem Besuch der Otto-Falckenberg-Schule, wo er ausgebildet wurde. Als Überraschung wird ihm sein altes Bewerbungsschreiben präsentiert, das im Satz „Ich muss Schauspieler werden“ mündete: Selbstbewusst war er schon früh, vielleicht auch etwas anmaßend, aber niemand nahm ihm das krumm. „Man muss lernen, das Glück zu packen“, lautet denn auch sein Lebensmotto. Und Adorf hat Glück gehabt, kann er zufrieden zurückblicken.

Auf der Bühne, an der alles begann: Mario Adorf in München.
Auf der Bühne, an der alles begann: Mario Adorf in München. Foto: Coin Film
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