Museen
Bester Platz: Könige und Monster in Speyer
Museumsdirektor Alexander Schubert stellte die Vorstellung des neuen Programms für sein Haus unter das Motto „Am besten Platz und am richtigen Ort“. Und das gelte nicht nur für die große Landesausstellung über die Habsburger im Mittelalter, die ab Herbst wenige Meter vom Grab von König Rudolf von Habsburg eröffnet werden wird. Es gelte auch für die im September angesetzte Neueröffnung des Dom- und Diözesanmuseums, das nun unter der Überschrift „Kreuz und Krone“ noch näher am Dom und in einer Krypta-ähnlichen Atmosphäre in neuen Räumen zu sehen sein wird.
Es gilt auch für die Ausstellung über den bayerischen König Ludwig I., dem – wie Schubert betonte – jeder Pfälzer im Grunde jeden Tag auf irgendeine Weise begegne. Die Speyerer sowieso, denn allein das Ypsilon im Stadtnamen verdanken sie dem Monarchen mit seiner Vorliebe für das Griechentum und für unsere Region.
Die Rückkehr des Grüffelo
Am richtigen Ort, das ist auch ein gutes Stichwort für den Grüffelo. Das Monster aus dem Buch von Julia Donaldson und Axel Scheffler ist im Speyerer Museum fast schon heimisch. Zweimal war er Thema, zuletzt in einer eigens ihm gewidmeten Schau. Die hatte in den ersten Wochen großen Zulauf, konnte in der Pandemie aber nicht mehr eröffnet werden. Nun wird ab Dezember der Grüffelo zurückkommen.
Der bisherige Domschatz, der zuletzt im sanierungsbedürftigen Neubau zu sehen war, ist nach längerer Pause ab 19. September endlich wieder zu sehen. Nun im Dom- und Diözesanmuseum „Kreuz und Krone“.
Domkapitular Peter Schappert und Sammlungsleiterin Sabine Kaufmann stellten gestern die Neukonzeption vor. Das Dom- und Diözesanmuseum ist nun im Untergeschoss des Westflügels im Altbau und erzeugt allein durch die Räume die Imagination eines sakralen Raums und erinnert – wie schon gesagt – an die Raumwirkung der Krypta. Die Ausstellung wurde neu konzipiert und wird einige bisher noch nicht gezeigte Exponate bringen, so einen Wandteppich aus ehedem St. Ludwig in Speyer oder ein Altarbild aus Landstuhl. Drei Bereiche wird es geben, einer von ihnen zur Bistumsgeschichte von der Spätantike bis zur Gegenwart, einer mit Glanzstücken des Domschatzes, wie dem Lehrbach-Kelch, und einer mit Heiligenskulpturen aus verschiedenen Kirchen des Bistums. Schon mal zu sehen war eine Monstranz, die aus Mitteln der Paramentenkasse geschaffen wurde, die Bischof Damian Hugo von Schönborn eingerichtet hatte, um hochwertiges liturgisches Gerät im Bistum anschaffen zu können.
Dreiteilig wird auch die Landesausstellung „Die Habsburger im Mittelalter – Aufstieg einer Dynastie“ sein, die am 16. Oktober eröffnet wird. Kuratorin Simone Heimann stellte das Konzept der großen historischen Ausstellung vor, deren Thema bisher in dieser Weise noch nicht in den Blick genommen wurde. Der Bezug zu Speyer ist, wiewohl die Habsburger ihre Wurzeln in der Schweiz und dem heutigen Elsass haben, ganz stark. Rudolf von Habsburger, mit dem die Linie der habsburgischen Könige und Kaiser beginnt, kam zum Sterben nach Speyer und ist im Dom begraben. „Der letzte Ritter“ Kaiser Maximilian I., mit dem die Ausstellung endet, wollte für Speyer ein großes Kaiserdenkmal schaffen. Es wurde nie hier realisiert, wird aber in virtueller Form ab Oktober am geplanten Ort eine anschauliche Form bekommen.
750 Jahre nach der Thronbesteigung König Rudolfs geht es zunächst um den „Kampf um die Krone“. Dann unter dem Titel „Im Schatten des Thrones“ darum, wie die Habsburger auch ohne Königs- oder Kaiseramt ihre Landesherrschaft mit Verträgen und Heiratspolitik ausbauten. Der dritte Teil „Rückkehr auf den Thron“ widmet sich dem Aufstieg des Hauses Habsburg zum Kaiserthron und zur Macht in Europa während der Regentschaft von Maximilian I.
Gezeigt werden in Speyer wertvolle Dokumente, darunter die „Goldene Bulle“ aus dem 14. Jahrhundert. Aber nicht nur. Es gibt auch eine Ritterrüstung von Kaiser Maximilian zu sehen oder einen Olifanten aus dem Kloster Muri in der Schweiz. Natürlich wird es einen reich bebilderten Katalog zur Ausstellung geben.
Nicht nur ein Y für Speyer
Wie gesagt, als Familienausstellung kommt der Grüffelo wieder: in neuen Räumen und mit neuen Ideen. Mehr Wald kommt vor– und dem Grüffelo-Kind wird auch mehr Aufmerksamkeit geschenkt, wie Cathérine Biasini vom Jungen Museum betonte. Da, wo die erste Grüffelo-Schau war, ist dann das Dom- und Diözesanmuseum, so dass das Monster jetzt in die oberen Räume des Museumsbaus wandert. Auch ein kleines Ausstellungskino wird es nun geben. Die Eröffnung ist am 11. Dezember.
2023 zum 175. Jahrestag des Thronverzichts von König Ludwig I. von Bayern wird ihm eine Ausstellung im Historischen Museum gewidmet sein. Diese wird natürlich auch seine Affäre mit Lola Montez thematisieren, die ein Grund für seine Demission war. Vor allem aber wird deutlich werden, wie viele von ihm initiierte Bauwerke und sonstige Zustände in der Pfalz noch heute von den Entscheidungen dieses kunstsinnigen Monarchen herrühren. Das Ypsilon in Speyer ist nur eine davon.