Kulturkolumne
50 Zeilen Pop: Nash Albert entführt nach Georgien
Ein wilder Ritt ist das schon. Gleich das erste Stück von Nash Alberts zweiten Solo-Album „Yet“ (erscheint am 28. Januar) entpuppt sich als drei Lieder in einem. Auf eine sanfte Mädchenstimme folgt Crossover-Rock, dazwischen gibt es Mitsumm-Pop. Songs wie „Betting My Fate“, „Autumn Rain“, „Sun Rise“ oder „I Won’t Look Back“ wiederum zeigen Albert als Singer-Songerwriter-Größe. An Leonard Cohen lässt sich bei seiner Stimme denken, an den späten Bowie, auch an Lou Reed.
„Liebe, Frieden, Großmut“
Nash Albert ist in Deutschland weitgehend unbekannt, in Moskau aber war er einst ein Untergrund-Star. Ursprünglich aber ist er Georgier. Und mit „Yet“ kehrt er zu seinen Wurzeln zurück: der heimischen Folk-Musik. Das Album ist auch in einem Studio entstanden, das an der Darialschlucht liegt, ein Nadelöhr an der Grenze zu Russland. Die neue Single „Lost In Jersulam“ wiederum führt im Video in die Hauptstadt Tbilisi. Drei Mönchsfiguren mit Fackeln – es mögen auch Militaristen sein – ziehen darin durch eine tempelartige Anlage. Kriegerisch veranlagt aber ist Albert keineswegs. Er wolle „Liebe, Frieden und Großmut verbreiten“, sagt der Georgier. Das sei das Wichtigste in der heutigen Zeit.
Salamandra nicht ganz verschwunden
Mit Musik hatte Albert schon als Teenager, noch in der Sowjetunion begonnen, als die Perestroika-Jahre bereits Freiheit verhießen. Salamandra hieß seine erste Rockband. Mit ihr versuchte er sich ab 1991 auch fünf Jahre in den USA, bevor er doch nach Moskau zurückkehrte. Eine enthemmte Stadt damals, erinnert er sich. Blast hieß seine neue Band, für die er auch Produzenten-Hilfe bei Killing Joke erhielt. Jetzt aber ist Nash Albert solo unterwegs, alte Freunde aus Salamandra-Zeiten helfen aus. Und „Yet“ lässt durchaus staunen. Tim Palmer, der schon mit U2, Bowie, House Of Love, Him oder Cure arbeitete, produzierte das Album, das in keine Schublade passt und vielleicht etwas zu viel will. Dennoch hinterlassen gerade Alberts Stimme und die folkloristische Note bleibenden Eindruck.