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Freitag, 23. Februar 2018 Drucken

Olympia-Tagebuch

Koreaner lieben Karaoke

Olympia-Tagebuch: Ein Liederzimmer kann stundenweise gemietet werden

Von

Elisabeth Schlammerl

Busfahren ist bei Olympischen Spielen ein notwendiges Übel, um von einem Wettkampfort zum nächsten zu kommen. Die Ausstattung des Transportmittels ist dabei zweitrangig, wichtig wäre nur eine wintertaugliche Bereifung, um bei aufkommendem Schneefall nicht ins Schlittern zu geraten. Über dieses kleine Detail verfügen die hiesigen Busse leider nicht, weshalb in der ersten Woche einmal spät abends kurzerhand der Shuttledienst eingestellt worden ist, dafür gibt es ein buntes Lichtspiel als Deckenbeleuchtung, bestickte Plüschvorhänge – und eine Klopapierrolle in einer Halterung neben der Tür oder etwas versteckt in der Gepäckablage. Manchmal ist auch noch der Schaltknüppel mit Glitzerstoff ummantelt.

Wer sich schon einmal außerhalb der olympischen Zone in Korea bewegt hat und da vielleicht öffentliche Verkehrsmittel benutzt hat, weiß, dass hier nicht alle Busse so ausstaffiert sind. Und extra dekoriert für die Spiele wurden sie auch nicht. Einer der wenigen Busfahrer, dessen Englischkenntnisse über die üblichen Höflichkeitsfloskeln hinausgingen, hat für Aufklärung gesorgt. Das Organisationskomitee habe die Busse bei einem Veranstalter für Karaoke-Touren gemietet, erzählte er. Normalerweise fahren damit koreanische Rentner-Gruppen durch die Gegend und vertreiben sich auf dem Weg von einem Ort zum anderen die Zeit mit Singen. Die koreanische Art der Kaffeefahrt also.

Koreaner lieben Karaoke, das sie Norae-bang nennen, was übersetzt Liederzimmer heißt. Denn dieser Zeitvertrieb findet gewöhnlich nicht, wie man vermuten würde, in Kneipen und vor fremden Publikum statt, sondern in separaten Räumen, die an geschlossene Gruppen ein oder mehrere Stunden vermietet werden – oder eben in Bussen, die aber sollen vor allem von älteren Koreanern bevorzugt werden. Einfache Räume sind schon für knapp zehn Euro die Stunde zu haben, etwas extravagantere mit Minibar und eigener Toilette können das Fünffache kosten. Selbstverständlich kann man auch kleine Snacks und Getränke ordern.

Die Räume sind entweder wie die aufgemotzten Diskotheken der achtziger Jahre ausgestattet oder wie moderne Clubs. Manche haben ein bestimmtes Motto, für das es auch entsprechende Kostüme auszuleihen gibt.

Kurios ist die Uhr, auf der anzeigt wird, wie lange der Raum noch gemietet ist. Manchmal springt sie plötzlich ein paar Minuten zurück. Diese kostenlose zusätzliche Zeit heißt Seobiseu, Service, und wird meistens dann gewährt, wenn die sangesfreudige Gruppe ordentlich bechert. Die Ausrede, der Lieblingssong zum Nachsingen sei nicht dabei, greift hier nicht. Die Karaoke-Anlage bietet eine riesige Auswahl von Liedern aus allen Generationen und Ländern.

Neben diesen sehr seriösen Norae-bangs gibt es auch ein paar zweifelhaftere Etablissements, in denen spärlich bekleidete Damen bedienen – und vielleicht nicht nur das.

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