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Samstag, 02. Juni 2018 Drucken

Sport

„Hier bei Löwen gab es nicht die letzte Feier“

Interview: Trainer Nikolaj Jacobsens positiver Ausblick

Realist: Nikolaj Jacobsen.

Realist: Nikolaj Jacobsen. ( Foto: KUNZ)

«Mannheim.»Mit dem Heimspiel gegen den SC DHfK Leipzig in der ausverkauften SAP-Arena beschließen die Rhein-Neckar-Löwen morgen (15 Uhr) die Handball-Bundesliga-Saison. Es wird vermutlich Platz zwei werden. Trainer Nikolaj Jacobsen erklärt, warum das so kam – und wie es weitergeht.

Herr Jacobsen, mit ein bisschen Abstand: Haben Sie das fast sichere Aus im Titelrennen verwunden?

Nun, als ich am Freitagvormittag direkt nach der Niederlage gegen Melsungen mit dem Videostudium von Friesenheim begonnen habe, war das nicht der schönste Moment. Die Enttäuschung wird lange im Körper sitzen, man hat es ja am Anfang im Spiel gegen die Eulen in den Augen und an der Körpersprache gesehen. Es hilft ja nichts, wir bekommen diese Spiele nicht zurück, insofern freue ich mich, dass die Mannschaft gegen Friesenheim in der zweiten Halbzeit befreiter gespielt hat. Bei einigen war dann auch ein Lächeln im Gesicht.

 

Die SG Flensburg erwartet im letzten Spiel Frisch Auf Göppingen – glauben Sie an ein Wunder?

An ein Wunder glauben, das kann man ja immer, aber ich glaube nicht daran. Wir wissen ja, wie die Halle dort am Sonntag aussehen wird. Und Göppingen hat einige Verletzte. Wichtig war, mit dem Eulen-Spiel ein wenig Licht in den Tunnel zu bekommen und sich für die Champions League zu qualifizieren.

 

Die Analyse läuft. Warum hat ihr Team vermutlich den Titel verpasst?

Wir müssen einsehen, dass wir besonders in den Rückrunde nicht gut genug gespielt haben. Seit Gedeón Guardiolas Verletzung. Und Kim Ekdahl du Rietz konnte in den letzten vier Wochen fast nur Abwehr spielen. Es war Pech für uns, dass viele Spiele nach hinten geschoben wurden. Mit so einer eng besetzten Truppe. Es hat weh getan, drei Sekunden vor Schluss in Erlangen den Ausgleich zu kassieren. Wir haben gegen Melsungen verloren, eine Partie, in der wir gedacht haben, dass wir viele Dinge richtig gemacht haben. Leider konnten wir in der zweiten Halbzeit keine Tore erzielen. Aber: Es war keine Schiedsrichter-Entscheidung schuld, es war gar nichts, wir waren am Ende der Saison nicht gut genug. Man muss in dieser Liga 34 Spieltage lang ein hohes Niveau halten, das konnten wir nicht.

 

Wie motivieren Sie ihre Mannschaft für das Spiel gegen Leipzig?

Die Halle ist ausverkauft, einige Spieler verlassen uns, sie werden auch versuchen, einen guten Tag zu haben. Wenn sich etwas in Flensburg ergeben sollte, müssen wir bereit sein.

 

Die Mannschaft ist fast drei Jahre lang von Sieg zu Sieg geeilt, wie wird sie mit dem Rückschlag umgehen?

Wenn wir in den Spiegel schauen, dann müssen wir sagen: Wir waren nicht gut genug. Es gibt im Sport Gewinner und Verlierer. Und selbst wenn es weh tut, bin ich stolz auf die Saison. Wir haben uns für die Champions League qualifiziert, wir haben den Supercup und den Pokal gewonnen. Wir werden noch einige Zeit enttäuscht sein. Der Pokalsieg hat uns ein bisschen geschadet mit Blick auf die Meisterschaft. Keine Mannschaft ist je mit so einem großen Druck nach Hamburg gefahren, auch weil Kiel und Flensburg nicht dabei waren. Freude wie bei einer Meisterschaft war es hinterher nicht, es war eher Erleichterung. Danach ist die Luft ein wenig rausgegangen. Und wir haben die Luft nicht wieder reingekriegt.

 

Ist es jetzt vielleicht sogar gut, dass vier, fünf neue Spieler kommen?

Nein! Ich glaube, Ihr Medien übertreibt das auch. Es tut weh, gut zu sein. Aber lieber dieses Schmerzgefühl zu spüren, statt nie die Chance zu haben, irgendetwas zu gewinnen. Das Leben bei den Rhein-Neckar-Löwen geht gut weiter – wenn ich auf die Mannschaft im nächsten Jahr schaue und in die Zukunft. Ich bin fest überzeugt, dass es nicht das letzte Mal war, dass es hier etwas zu feiern gibt.

In der Champions League!

Es ist schwer für eine deutsche Mannschaft, nach Köln zu kommen, habe ich gesagt, und dazu stehe ich. Die Franzosen haben acht Spiele weniger als wir, sie fangen viel später an. So lange das so ist, muss man viel Glück haben, um das Final Four zu erreichen. Wir werden auch nächste Saison Samstag-Sonntag-Spiele haben. Oder wir werden donnerstags in Melsungen spielen und samstags um 15 Uhr in Skopje. Wir können mit allen mithalten, aber es ist schwierig, Erster oder Zweiter in der Gruppe zu werden. | Interview: udo Schöpfer