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Freitag, 10. August 2018 Drucken

Sport

Adler: Lampl schon jetzt Bartträger des Jahres

Eishockey: Neuer Adler-Verteidiger Cody Lampl fällt auf

Von Oliver Wehner

Interessante Gesichtstracht: Cody Lampl. (Foto: Kunz)

«Mannheim.»Ihr im Spiel unverzichtbarer Schutzhelm sorgt dafür, das selbst populäre Eishockey-Profis in zivil auf der Straße nicht gleich von allen erkannt werden. Im Fall von Cody Lampl, dem neuen Verteidiger der Adler Mannheim, ist das sicher anders: Dessen imposante Barttracht macht ihn auch außerhalb des Eises unverwechselbar. Ein Mann, der auffällt.

Die etwas Älteren unter den Adler-Fans werden sich vielleicht noch an Yanick Lehoux erinnern und an den beeindruckenden grauen Play-off-Bart, den der Kanadier im langen Eishockey-Frühling 2012 trug. Für diese Saison ist der Bartträger des Jahres im Kader der Mannheim schon auserkoren. „Mein Vater hat immer Bart getragen“, erklärt Cody Lampl und erzählt lachend: „Für mich als Kind sah er aus wie ein dünner Weihnachtsmann. Ich bin in einem Ski-Ort in Idaho aufgewachsen, da trugen alle Männer Bart. So bin ich aufgewachsen. Ihn abzurasieren, stand nie zur Debatte.“

Lampl kam von den Fischtown Pinguins Bremerhaven nach Mannheim. Der Außenseiterklub aus dem hohen Norden schaffte es zweimal in Folge – zur Überraschung vieler Experten – in die Play-offs der Deutschen Eishockey-Liga. Als bei den Teamkollegen da erst die Barthaare zu sprießen begannen, erblühte Hipster Lampl bereits in voller Pracht. Aber natürlich ging’s in Bremerhaven um mehr. „Wir hatten einen außergewöhnlichen Zusammenhalt in der Kabine. Wir haben bewiesen, was mit Teamgeist alles möglich ist“, schwärmt der US-Amerikaner von seiner Zeit beim Liganeuling. Und er ergänzt: „Ich habe hier in Mannheim schon nach wenigen Tagen ein ähnliches Gefühl.“

Bremerhaven – das ist fürwahr eine besondere Geschichte im Leben der Lampls. Die Großeltern von Cody Lampl (32), der einen deutschen Pass hat, wanderten einst in für sie schwierigen Zeiten von hier in die USA aus. „Sie waren Juden und hatten Glück, dass sie das Land damals noch verlassen konnten und in Pittsburgh neu beginnen“, erzählt der Enkel. Dass er dann 2015 in Bremerhaven als Eishockey-Profi anheuerte war reiner Zufall, woher Opa und Oma genau stammten, hatte er zuvor gar nicht gewusst. Was er heute weiß: Nach Jahren seiner Tingelei durch unterklassige US-Profiligen „hat der Wechsel nach Deutschland meine Karriere wieder in Schwung gebracht.“ Davor war es ein hartes Sportlerleben: „Ich musste mich nach jeder Saison einer Operation unterziehen.“

Bei den Pinguins avancierte Lampl dank seiner harten Spielweise zum Publikumsliebling. Als „Blue Collar Player“ bezeichnet man in Nordamerika Typen wie ihn, also Männer, die sozusagen den Blaumann anhaben und richtig schuften. Dazu geht Lampl keiner Konfrontation mit dem Gegner aus dem Weg, weit über 50 Faustkämpfe, so schätzt er, hat er in seiner Karriere schon geführt. Ansonsten aber, das betont Lampl, sei er niemand, der unnötige Strafzeiten wegen Hakens, sonstiger Kleinigkeiten oder gar unfairer Stockfouls anhäufe. Bei aller Defensivarbeit: Gepunktet mit Toren und Assists hat Lampl in Bremerhaven auch, und zwar gar nicht übel. Den Puck sicher aus der eigenen Zone heraus zu führen, das sei seine Stärke. Und Tempo bringt der gebürtige Amerikaner auch mit.

Jetzt will Lampl in Mannheim, wo alles eine Nummer größer ist als in Bremerhaven, Meister werden – da redet er gar nicht um den heißen Brei herum. Und dann möchte er sich ein weiteres Tattoo auf seinem schon üppig „bemalten“ Körper stechen lassen, ein Mannheimer Motiv. Den Wasserturm, den Teamkollege David Wolf bei sich auf der Haut verewigte, hat er sich schon genau angeschaut ...

 

Info

Die Adler bestreiten heute (19 Uhr) beim Schweizer Zweitligisten EHC Olten ihr erstes Testspiel dieser Saison. Der zum Saisonstart grippekranke Marcel Goc trainiert wieder normal mit.