Handball
Zweibrücker Spielgemeinschaft: Alte Rivalen SV 64 und VTZ machen gemeinsam weiter
Künftig geht es gemeinsam weiter statt gegeneinander. Der SV 64 Zweibrücken und die VTZ Saarpfalz bilden in der Saison 2023/24 – von den Männern bis zum kleinsten Jugendteam – eine Spielgemeinschaft: die SG SV 64/VT Zweibrücken.
Rückblende: In den 1990er Jahren trafen die übermächtige VT Zweibrücken als Regionalligist und der „kleine“ SV 64 Zweibrücken nur einmal im Jahr aufeinander – beim SV-Dreikönigsturnier. Dort lieferten sich die Männer teils erbitterte Schlachten. Nach und nach holten die SV-Löwen in der Hierarchie auf, stiegen selbst in die Oberliga auf, dann sogar in die Dritte Liga. Dort spielte (nie zur gleichen Zeit) auch die VTZ zeitweise, die sich nach dem Wechsel in den Handball-Verband Saar 1999 in VTZ Saarpfalz umbenannte. In den Jahren danach kam es in der Oberliga zwischen den ersten beiden Herrenteams mehrfach zu brisanten Stadtduellen – stets in einer gut gefüllten, oft sogar ausverkauften Westpfalzhalle.
Diesmal schnell Nägel mit Köpfen gemacht
Die letzte echte Annäherung zwischen den beiden rivalisierenden Vereinen gab es im Jahr 2009, aus einer Zusammenarbeit wurde damals aber nichts. Diesmal hat es geklappt: Etwa seit dem Jahreswechsel saßen Verantwortliche der Vereine in zwei Vierer-Delegationen mehrmals zusammen, die Initiative ging von der VTZ aus. Eile war geboten, denn wenn es mit der Spielgemeinschaft klappen sollte, mussten die Meldungen der Teams für die überregionalen Klassen bis zum Stichtag am 31. März raus.
Der Jahresbeginn war daher für die Vorstände Martin Grub und Pascal Wenzel, Beisitzer Winfried Tänzer (und in Vertretung Peter Stauch) sowie Teammanagerin Christina Fischer (alle VTZ) und andererseits den Vorsitzenden Jürgen Knoch, seinen Stellvertreter Steffen Gillner, Beisitzer Marco Dobrani und Abteilungsleiter Jürgen Kroner (alle SV 64) eine „sehr intensive Zeit“, wie Pascal Wenzel es nennt. Zehn Meetings (intern und gemeinsam) seien es sicher gewesen, so Wenzel.
Bei weiblicher A- und B-Jugend „beschnuppert“
Die Gespräche seien sehr kooperativ und freundlich verlaufen, sagt Jürgen Kroner. Der 58-jährige Maschinenbau-Ingenieur führt weiter aus: „Wir saßen zusammen, weil wir das machen wollen.“ Der 46-jährige IT-Berater Wenzel, der dem VTZ-Vorstand seit 2009 angehört, erklärt dazu: „Jeder wollte das, jeder sieht die Notwendigkeit dieses Schritts, und wir haben nach Lösungen gesucht.“ Zu den Gründen für die Bildung der neuen Spielgemeinschaft verweist Wenzel darauf, dass sich seit der Corona-Pandemie die Gesamtsituation verändert habe. Der Handballsport erlebt gerade, wie andere Sportarten auch, einen Mitgliederschwund. Anders als noch im Jahr 2009 müssten Klubs zudem für eine Spielgemeinschaft keinen neuen Verein gründen, sondern die Beteiligten können eigenständig bleiben. Die Spielgemeinschaft für die männliche C-Jugend zur neuen Saison sei ohnehin beschlossene Sache gewesen. „Bei der weiblichen A- und B-Jugend gibt es das bereits eine Weile, da hat man sich ja auch schon beschnuppert“, unterstreicht Wenzel.
Derzeit 19 Mannschaften (drei Herren-, zwei Frauen-, 14 Jugendteams) bringt der SV 64 in die neue Konstruktion mit ein, sieben Mannschaften (zwei Herren-, fünf Jugendteams) sind es bei der VTZ. Nach dem Willen der Verantwortlichen sollen die Trainer Klaus-Peter Weinert und Frauen-Coach Rüdiger Lydorf, die beide schon für die neue Spielzeit zugesagt haben, die Oberliga-Truppen der neuen SG führen. Die VTZ soll den Trainer der Saarlandliga-Mannschaft der Herren stellen, Stefan Bullacher soll Jugendkoordinator bleiben.
Mitglieder beiderseits sehen Idee positiv
Der Anfang ist also gemacht, ein „Letter of Intent“ (eine Bereitschaftserklärung) ist laut Jürgen Kroner formuliert. „Jetzt muss noch vieles in Form gegossen werden“, sagt Pascal Wenzel. Wie soll der Spielausschuss aussehen und heißt er überhaupt so? Termine beim Steuerberater, juristische Unterstützung, und wie werden Trainingszeiten neu verteilt?
Die Resonanz auf den Beschluss zum Bilden der Spielgemeinschaft war positiv. Beide Vereine hatten am Sonntag jeweils auf einer eigenen Versammlung ihre Mitglieder informiert. „Es war eine angenehme Atmosphäre, es waren auch viele Eltern da. Auf einer Skala von 1 bis 10 ordne ich das bei 8,5 ein“, sagt Wenzel. „Auch bei uns wurde das sehr, sehr positiv aufgenommen. Es gab kritische Nachfragen, aber einmal auch Applaus, als wir gesagt haben, dass wir uns wirklich wünschen, dass das funktioniert“, stellt Kroner fest.