Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Suche nach einer neuen Bleibe für die Bipontina beginnt

Zweibrückens ganzer Stolz: Schilder am Schloss weisen zu Bipontina und Rosengarten.
Zweibrückens ganzer Stolz: Schilder am Schloss weisen zu Bipontina und Rosengarten.

Die rund 15.000 alten Pergamente, Handschriften und Druckzeugnisse der Bibliotheca Bipontina stehen jetzt in einem Spezialdepot. Das Versprechen, dass die Schätze nach Zweibrücken zurückkehren, glaubt nicht jeder.

„Gesundheitsamt weg, Finanz- und Katasteramt weg, Flughafen und Schnellzug-Anschluss weg, das evangelische Krankenhaus. Ich befürchte, dass Zweibrücken jetzt auch noch die Bibliotheca Bipontina genommen wird.“ Pfarrer Bernhard Bonkhoff aus Homburg ist der Rosenstadt seit Jahrzehnten verbunden. Und der Bipontina, deren historische Altbestände aus Herzogszeiten seit August zur Pflege und zum Restaurieren ausgelagert wurden.

Bernhard Bonkhoff
Bernhard Bonkhoff

Bonkhoff treibt die Sorge um, dass das literarische Zweibrücker Erbe nicht nur, wie angekündigt, zwei Jahre lang wegbleiben wird. „Wir müssen da am Ball bleiben.“ Der 70-jährige Geschichtsforscher besucht die Bipontina seit 55 Jahren. „Ich habe sogar noch einen Benutzerausweis für ihren ehemaligen Standort auf dem Wacken. Meine Dissertation, Bücher und wissenschaftlichen Arbeiten hätte ich ohne Zugang zur Bipontina in Zweibrücken nie schreiben können.“

„Niemand will Zweibrücken etwas wegnehmen“

Annette Gerlach leitet das 2004 gegründete Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz. Die oberste Hüterin des schriftlichen Erbes im Bundesland beteuert, dass niemand den Zweibrückern die Bipontina wegnehmen wolle. „Die Ängste kann ich gut verstehen“, sagte sie am Donnerstag zur RHEINPFALZ. „Es hat sich aber nichts daran geändert, was ich zusammen mit Oberbürgermeister Wosnitza am 29. November auf einer Pressekonferenz in Zweibrücken gesagt habe: Die Altbestände der Bipontina müssen dringend klimatisiert gelagert, gereinigt und viele davon restauriert werden.“ Gerlach erinnert an ihren damaligen Hinweis, dass die Schriftdokumente zwei Jahre lang fachgerecht verwahrt und gepflegt würden. Um dann nach Zweibrücken heimzukehren – an einen geeigneteren Ort als die bisherigen Räume im Helmholtz-Gymnasium. Die Stadtverwaltung hat zugesichert, nach einer neuen Stätte für die Bipontina zu suchen. Nach Gerlachs Worten sind die wertvollen Bestände übrigens nicht nach Speyer, sondern zur Firma Schempp in Kornwestheim bei Stuttgart gebracht worden. Das sei ein erfahrener Dienstleister, der auf die Bestandserhaltung von Archiven spezialisiert ist.

Annette Gerlach
Annette Gerlach

„Inzwischen ist alles in Kornwestheim angekommen“, berichtete Gerlach, dass sie selbst zwei Tage lang beim Verpacken der Schriftstücke geholfen habe. „Das Allerwichtigste ist, dass die Bücher jetzt klimatisiert stehen. Da sollte sich der Großteil in zwei Jahren erholen. Es geht nicht anders. Wir als zuständige Behörde müssen ja auch unserer Verantwortung gerecht werden.“

„Die Pergamentbände haben alle ihren Schlag weg“

Annette Gerlach bestätigt die gravierenden Schäden, die ein Gutachter vielen der jahrhundertalten Bände als Folge zu trockener, unklimatisierter Lagerung bescheinigt. „Zum Beispiel haben die Pergamentbände alle ihren Schlag weg.“

Den Vorwurf, dass die historischen Schriftstücke in Zweibrücken unsachgemäß gelagert wurden, mag Pfarrer Bernhard Bonkhoff nicht unkommentiert stehen lassen. „Ein Hygrometer und ein Barometer waren hier immer in Betrieb. Übrigens hatte Speyer all die Jahre die Fachaufsicht inne und auch regelmäßig nach dem Rechten geschaut.“ Haben die Bipontina-Altbestände in Zweibrücken Not gelitten? Ja, gibt Bonkhoff zu: „Aber nur, weil sie in einem Betonbau untergebracht waren. Das ist ungeeignet.“ Der evangelische Geistliche weist auf die Bedingungen hin, zu denen etwa „die zweite Bipontina“ in der Bayerischen Staatsbibliothek Bamberg verwahrt werde: Das, so Bonkhoff, sind Schriftstücke aus dem Fundus des 1793 niedergebrannten Homburger Residenzschlosses Karlsberg. Diese Bücher, einst von Christian von Mannlich gerettet, lagern heute nahe beim Bamberger Dom in einem Haus, das aus dem natürlich klimafreundlichen Material Sandstein errichtet wurde. „Noch kurz vor Corona hatte ich eine Exkursion dorthin geleitet“, sagt Bonkhoff. „Damals gab es in Bamberg eine Sonderausstellung mit alten Beständen der Zweibrücker Herzöge.“

Bonkhoff denkt über Weiße Kaserne nach

Für den Pfarrer liegt es auf der Hand, dass die Zukunft der Zweibrücker Bipontina-Schätze nur hier in der Rosenstadt liegen könne – und zwar in einem Sandsteingebäude. „Die Weiße Kaserne dürfte ideal dafür sein“, verweist Bernhard Bonkhoff auch auf deren hochwassergeschützten, höher gelegenen Standort. „Eine Unterbringung im Mannlichhaus ginge dagegen nicht“, meint der Geistliche. „Die hölzernen Zwischendecken dort könnten das Gewicht nicht tragen.“

Bliebe die Bipontina weg, verlöre Zweibrücken damit auch eine einzigartige Forschungsbibliothek. „Dann kann hier kein Student mehr alte Handschriften für die Doktorarbeit aus dem Tresor holen.“

„Und warum soll überhaupt Zweibrücken die Klimaanlage für die neuen Räume kaufen?“, fragt Bernhard Bonkhoff abschließend. „Das ist doch gar nicht Sache der Stadt, sondern des Landes Rheinland-Pfalz als Eigentümer. Eigentlich hätte die Stadt dem Land die Miete für die Räumlichkeiten in Rechnung stellen müssen.“

x