American Football
Markus Schwarz, der Zweibrücker Ex-Kicker mit dem Football-Gen
Im Sofi-Stadium stehen sich diesmal im Kampf um die Vince Lombardi Trophy, den Siegerpokal des Super Bowls, die Cincinnati Bengals und die Los Angeles Rams gegenüber. Geschätzt rund 800 Millionen Zuschauer weltweit schauen das Spiel der Spiele, wenn es um Raumgewinn geht und eine Mannschaft den Football in die Endzone des anderen Teams tragen will.
Einer davon ist Markus Schwarz aus der Zweibrücker Stadtteil Ixheim, der in der Offensive Line des Football-Oberligisten Pirmasens Praetorians spielt. Er feiert bei der Super-Bowl-Party seines Klubs, die der Präsident des FK Pirmasens, Mario Kapila, organisiert hat. „Es war uns wichtig, auch in dieser Situation gemeinsam den Super Bowl zu schauen. Das ist wichtig, auch für uns als Team“, sagt der Chef der Prätorianer, die eine Abteilung des FKP sind. Vielfältig werde auch schon vor dem Finale gefachsimpelt, welcher der beiden Finalteilnehmer die Oberhand behält.
Kürzester Anfahrtsweg zu den Praetorians
Der 35-jährige Schwarz war Fußballer beim SV Ixheim, riss sich das Kreuzband und fand den Weg nicht mehr zurück zu dem Sport, den er 25 Jahre lange mit Freude ausübte. Der frühere Mittelfeldspieler und selbst ernannte SVI-Vorstopper, später auch Innenverteidiger, begann dann im Alter von 30 Jahren mit dem Lieblingssport der Amerikaner. „Ich hatte mich schon immer für Football interessiert“, erzählt Schwarz, der mit Frau, Kind und einem weißen Schäferhund in Ixheim wohnt. 2017 fand er auf einem ungewöhnlichen Weg zum American Football.
Eigentlich war Schwarz nur beim Tanzkurs kurz vor seiner Hochzeit. Doch sein damaliger Tanzlehrer Benjamin Zentz interessierte sich auch für Football. „Wir haben uns dann mal zusammen umgeschaut. Die Saarland Hurricanes sind bei uns in der Nähe und die Praetorians“, erläutert Schwarz weiter. Der kürzere Fahrtweg habe schließlich den Ausschlag für die Pirmasenser gegeben. Zwar blieb Zentz nicht bei den Prätorianern an Bord, doch Schwarz hielt dem Verein die Stange, spielt bis heute in der sogenannten O-Line. „Ohne uns geht nichts. Aber wir werden nirgends erwähnt“, sagt Schwarz, der auch den Quarterback vor Angriffen der gegnerischen Defense schützt.
Nur nur Fernseh-Sport, gerne auch Live-Action
„Ich weiß, das hört sich alles total gegensätzlich an. Ich bin Krankenpfleger, gehe mit meinem Tanzlehrer zum ersten Footballtraining. Das passt alles nicht zusammen“, sagt Schwarz lachend, der seit der Jahrtausendwende jeden Super Bowl geschaut hat.
Football ist aber für ihn nicht nur der Fernsehsport, sondern auch Live-Aktion im Stadion. Neben seinen eigenen Einsätzen schaut er die Saarland Hurricanes in der deutschen Bundesliga GFL und er war auch schon im Stadion in den USA. „2018 habe ich mal ein NFL-Spiel der LA Chargers gegen die Arizona Cardinals gesehen“, erzählt Schwarz. Seine in den USA wohnende Tante Christine sei auch nicht ganz unschuldig daran, dass sich der Praetorians-Akteur mit dem Football-Gen infiziert habe. Denn seine Tante trägt unmittelbar dazu bei, dass Schwarz’ Lieblingsteam die Detroit Lions sind. „Leider ist die Mannschaft nicht sonderlich erfolgreich“, merkt Schwarz an.
Schwarz hofft auf Cinderella-Story
Am Sonntag tingelt Schwarz aber zu seinen Praetorians-Teamkollegen zur Super-Bowl-Party im Bistro am Pirmasenser Stadion Spesbach. „Wir wollen das Spiel zusammen schauen. Dazu gibt’s das typisch amerikanische Essen“, erzählt Schwarz von Chicken Wings und Co. „Diesmal machen wir es eher im Kleinen. Wir haben auch nur bei der Mannschaft nachgefragt, wer mitschauen möchte. Die aktuelle Corona-Lage gibt es nicht her, eine größere Party zu machen“, findet Mario Kapila. Es gibt eine Tipprunde zum Super Bowl, bei dem derjenige den Jackpot gewinnt, der das exakt richtige Ergebnis tippt. „Ich bin Rams-Fan, ich glaube auch, dass die Mannschaft gewinnt, weil sie insgesamt besser aufgestellt ist“, sagt Kapila. Er würde zwar auch dem Überraschungsfinalisten aus Cincinnati den Titel gönnen, setzt aber auf die bessere Offense und Defense seines Herzensklubs.
„Ich glaube schon, dass die Rams gewinnen. Aber die Bengals, das wäre eine richtige Cinderella-Story, wenn sie auch noch den Super Bowl gewinnen“, sagt Schwarz, der dem Außenseiter die Daumen drückt, der noch in jüngster Vergangenheit das schwächste Team der Liga stellte. „Das Schönste ist einfach, dass wir zusammen sitzen und das Spiel zusammen schauen“, ergänzt er.
NFL-Deutschland-Spiel als Team-Event der Praetorians
Ein regelrechtes Geschenk wurde dem Football-Freak erst in dieser Woche auch noch gemacht: Denn die NFL gab bekannt, dass ab der kommenden Saison und noch 2022 Pflichtspiele in München und Frankfurt am Main ausgetragen werden. „Da werden wir ein Team-Event mit unserer Mannschaft planen. Wir werden hinfahren“, kündigt Praetorians-Abteilungsleiter Kapila an. „Als ich das gehört habe, habe ich direkt geschaut, dass ich mich für Karten registrieren kann. Da will ich unbedingt hin“, betont Schwarz, der sich für das Ereignis am Sonntag extra einen Tag Urlaub am Montag genommen hat.
„Der Urlaub gehört einfach dazu. Es ist so ein Hype um das Spiel, so eine besondere Nacht. Das wird jedes Jahr extremer. Was in den USA abgeht, können wir hier gar nicht nachvollziehen“, sagt Schwarz, der sich den Urlaubstag nach dem Super Bowl auch künftig jedes Jahr gönnen will.