Judo
JC Zweibrückens Judoka kämpft sich mit getapten Ellenbogen zur Medaille
Nein, die Fahrt war nicht das reinste Vergnügen. Das gibt Stephan Hahn, Judotrainer des 1. JC Zweibrücken, offen zu. Über 900 Kilometer einfach, erst von Zweibrücken nach Saarbrücken, dann via Köln nach Frankfurt/Oder. Samstags hin, sonntags gekämpft bei den deutschen Meisterschaften der U21-Judoka – und danach das Ganze noch wieder am selben Tag zurück. „Wir waren erst um 2 Uhr zu Hause“, verrät Hahn. „Wir“ – das waren in diesem Fall der Coach, die JCZ-Kämpferin Joya Blöcher, die an ihrem Trainingsort Köln eingesammelt wurde, und ihr Papa, den Hahn zuvor noch in Blöchers Heimatort Saarbrücken abgeholt hatte. Die extrem weite Anreise hat sich aber gelohnt: Joya Blöcher gewann in der Gewichtsklasse bis 48 Kilogramm – ein bisschen unerwartet – die Bronzemedaille. „Aber zurecht“, sagt Hahn zur ersten Medaille der jungen Frau bei deutschen Meisterschaften.
Harmonisches Team
Etwas unerwartet kam der Treppchenplatz der 19-jährigen Judoka, die seit einigen Jahren am Bundesstützpunkt in Köln trainiert und lebt, für ihren Heimtrainer Stephan Hahn aus zwei Gründen. „Sie hat Gewicht gemacht, im vergangenen Jahr noch in der Klasse bis 52 Kilogramm gekämpft. Als Trainer sieht man das Gewichtmachen nicht so gern, weil man Bedenken hat, dass Kraft verloren geht“, sagt Hahn dazu. Außerdem hatte sich sein Schützling vor sechs Wochen bei den Dutch Open in den Niederlanden ein Band im linken Ellenbogen angerissen und danach vier Wochen Pause machen müssen. Noch bei den südwestdeutschen Meisterschaften in Siershahn im Westerwald vor 14 Tagen war sie nur auf die obligatorische Waage gegangen und froh gewesen, dass der Wettkampf mangels Teilnehmerinnen ausfiel.
„Die Ärzte hatten ihr jetzt aber grünes Licht für den Wettkampf gegeben, der Ellenbogen war getapt. Vielleicht war sie technisch dadurch ein bisschen eingeschränkt, in den Kämpfen hat man das aber nicht gemerkt“, stellte Hahn fest. Was ihn überraschte, ihm aber besonders gut gefiel, war der „tolle Fitnesszustand“ seiner Athletin im Feld der 15 Teilnehmerinnen. „Sie hat wirklich in der Zeit der erzwungenen Pause auf der Matte prima an sich gearbeitet“, lobt Hahn.
Nur starke Gegnerinnen
Der gute Fitnesszustand war auch notwendig im sehr ausgeglichenen Teilnehmerfeld, „ohne eine einzige wirklich schwache Gegnerin“ (Hahn). In Runde eins lieferte Blöcher einen guten Auftaktkampf gegen Gina Paltins aus Nordrhein-Westfalen, den die für Rheinland-Pfalz startende Blöcher mit einer Wertung Vorsprung nach vier Minuten für sich entschied. Im Achtelfinale unterlag sie dann nach zwei Minuten vorzeitig durch Ippon Anais Cosima Hoeps aus Köln, die sie von ihrem Trainingsstützpunkt her kennt.
In der Trostrunde drehte Joya Blöcher dann aber richtig auf. „Sie hat sich da in allen Kämpfen an die vorgegebene Linie gehalten“, sagt Hahn zufrieden über das Athletinnen-Trainer-Verhältnis. Auch wenn er zugibt, dass die „Alltagsarbeit“ im Training natürlich die Coaches an den Stützpunkten bestreiten. Blöcher besiegte erst in einem sehr engen Kampf die starke Mitfavoritin Hannah Frobenius aus München nach 4:09 Minuten im Golden Score mit einer guten Fußtechnik, dann Roza Agumava aus dem sächsischen Rodewisch. Im Duell der beiden „Linksrum-Kämpferinnen“ (Hahn) – beide stehen mit dem linken Fuß vorne – zeigte sie hier nach Ablauf der Kampfzeit einen kreativen Wurf nach rechts. Nach 4:46 Sekunden war der Kampf per Golden Score beendet.
Im Kampf um Platz drei gegen die Lokalmatadorin Charlotte Nettesheim kam Joya Blöcher dann nicht wirklich gut zurecht, zeigte sich beeindruckt von Gegnerin und anfeuernder Kulisse. Sie war ständig davor, eine Wertung zu kassieren, schaffte dann aber doch 45 Sekunden vor dem Ende eine eigene Wertung mit einem Hüftwurf. „Joya hatte schon zwei Bestrafungen, die dritte und damit der Kampfverlust drohte. Aber irgendwie hat sie das dann ins Ziel gerettet“, betonte Trainer Hahn stolz.
Braunbach auf Platz sieben
Der zweite Zweibrücker Kämpfer Till Braunbach war direkt von seinem Trainingsort am Stützpunkt Stuttgart nach Brandenburg gereist. Der dynamische, recht offensive Kämpfer landete im Feld der 27 Teilnehmer in der Klasse bis 66 Kilogramm auf Platz sieben. Braunbach wurde in Frankfurt/Oder von seinen Stützpunkttrainern betreut, aber auch Hahn konnte immer wieder hinschauen. „Manchmal tut er sich keinen Gefallen damit“, sagt er beispielsweise zur offensiven Herangehensweise Braunbachs, mit Blick auf die Niederlage in Runde eins nach gerade mal 22 Sekunden gegen Alexander Gottfried aus Halle. In der Trostrunde besiegte der 19-Jährige dann nacheinander Glen Knoll aus Hamburg nach 55 Sekunden, Luka Gognadze (Burg) nach 25 Sekunden sowie Martin Muhl (Bremen) nach 1:18 Minuten, alle per Ippon.
Nach dem Erfolg gegen Vlad-Damian Russu im Golden Score unterlag Braunbach dann dem Bayern Maximilian Felde nach einer kleinen Konzentrationsschwäche, obwohl er eigentlich den ganzen Kampf gemacht hatte. „Er hat sich selbst tierisch geärgert. Aber er hat sich gut entwickelt“, urteilt Stephan Hahn.
Für beide Zweibrücker Kämpfer geht es vom 23 bis 27. März nun international weiter: für Blöcher beim stark besetzten Thüringen-Pokal für U18- und U21-Kämpfer, für Braunbach beim Pendant für männliche Konkurrenzen, den Bremen Masters.