Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Er hat den Dreh raus

Nostalgie auf dem Januarblatt: Das Parkbräu-Turm und die Häuser wurden im Sommer abgerissen.
Nostalgie auf dem Januarblatt: Das Parkbräu-Turm und die Häuser wurden im Sommer abgerissen.

Er ist der fleißigste Zweibrücker Bildende Künstler in diesem Jahr: Jürgen Rinck (54). Nun hat er einen Kalender für 2021 mit Zweibrücker Motiven herausgebracht. Die kunstvollen Fotos zeigen die Stadt so, wie man sie noch nicht kennt: total verdreht. Dabei passiert oft das, was man aus dem Fußball kennt: Das Runde kommt ins Eckige. Die Überraschung liegt in den Objekten. Über die kann man rätseln.

„Im Frühling, an einem schönen Tag, war ich in der Stadt unterwegs. Da habe das Raiffeisensilo gesehen und mit dem Smartphone fotografiert“, erzählt der Zweibrücker Fotokünstler Jürgen Rinck, wie es zu dem kalender kam. Das spektakuläre Abrissszenario mit dem hohen hellen Trum und den fragilen rotweißen Kran hat er fotografiert. Und dann gleich noch weitere markante Bauwerke in der Innenstadt. Das Raiffeisensilo steht nicht mehr, der Parkbräu-Turm wurde inzwischen auch abgerissen. Nostalgie pur.

Natürlich hat Rinck - der im Sommer immer mit dem Rad auf Fototour durch Deutschland oder Europa geht und danach Ausstellungen auf dem Rinckenhof veranstaltet sowie Aktionen mit anderen Künstlern - nicht einfach nur so fotografiert, sondern schon gezielt „mit viel Luft ums Gebäude“, damit man Platz hat für Verfremdungen. So kommen die Höhen voll zur Geltung, wären die unterem Teile der Bauwerke zusammengerollt werden. Dabei hilft dem Künstler eine App namens Tiny Planet (kleiner Planet), für die besonderen Farben, Strukturen und Randeffekte eine andere (Hipstamatic) – als Tipp für alle, die es ihm nachmachen wollen.

So geht ein Foto durch vier, fünf Instanzen, bis es do verdreht ist, dass die Betrachter schon mal in Raten bringt. Das Schloss und die Karlskirche erkennt wohl jeder sofort. Aber ist die wie eine aufgeschnittene Birne aussehende Frucht im Monat April nun das Petrihaus oder ein andere Gebäude in der Herzogstraße? So einfach ist das nicht. Und wo genau in der Bismarckstraße steht noch mal das seltsame Haus mit Dachgauben, die wie eine Zackenwehr das Bauwerk beschützen? Und das Haus mit dem Minifunkturm – was soll denn das sein? Die Villa Schwinn kommt als dicker beiger Wurm mit spitzem Turm statt rundlichem Kopf daher. Ein Haus in der Kaiserstraße ähnelt eine r Schnecke, das Hilgardhaus einen Seeigel-Effekt. Ganz bizarr aufgefaltet ist ein Haus in der Fruchtmarktstraße. Farbkontraste sorgen immer wieder für Erstaunen. Doch besonders wirkungsvoll ist die einzige Schwarz-weiß-Arbeit: Die Alexanderkirche, am Nardini-Krankenhaus vorbeifotografiert steht wie eine Eins auf einer Art Fußball – und das gleich doppelt, so dass man denkt, dass sie sich bewegt. Ein Gebäude ist übrigens falsch beschriftet - eigentlich nicht absichtlich, aber für die Betrachter ist das eine zusätzliche Herausforderung und ein Spaß.

Zweibrücken gerollt“, so der Titel, ist einer von vier Kalendern, die Rinck für 2021 herausbringt, die anderen sind größer und normal: ohne Verdrehung und Verfremdung, allerdings nicht auf Zweibrücken bezogen und etwas für Spezialisten.

Infos

  • Jürgen Rinck: „Zweibrücken gerollt - Deux-Ponts roulé“, Kalender 2021, 13 Blätter, Ringbuchheftung, Din-A5, 7,50 Euro. Erhältlich bei irgendlink.de
  • Jürgen Rincks weitere Kalender für 2021: „Zu/Closed“ (vermauerte Türen und Fenster), 13 Blätter, Din-A4, zwölf Euro – „Waldleiter“ (Hochsitze in der Landschaft), 13 Blätter, Din-A4, zwölf Euro – „Moorlander“ (Schlammspuren auf Wegen und in der Natur), 13 Blätter, Din-A4, zwölf Euro.
Die Alexanderskirche und ihr neuer kleiner Bruder.
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 Titel: das Schloss mit einem plötzlich runden Schlossplatz.
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Jürgen Rinck
Jürgen Rinck
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