Winterbach RHEINPFALZ Plus Artikel Dokumentarfilmerin Margaret Ruthmann gestorben

Abschied von Margaret Ruthmann (1943−2022).
Abschied von Margaret Ruthmann (1943−2022).

Die Zweibrücker Autorin Margaret Ruthmann ist tot. Sie starb am vorigen Dienstag im Alter von 79 Jahren auf dem Herrenwalderhof bei Winterbach. Erst in diesem Herbst war der fünfte Band ihrer Ausflugstipp-Reihe „Burgenwandern“ erschienen. Zuvor hatte sie vor allem als Dokumentarfilmerin fürs Fernsehen gearbeitet.

Betroffenheit und tiefe Trauer. Es gilt das journalistische Lebenswerk einer geschätzten und enorm produktiven Kollegin zu würdigen. Zugleich heißt es Abschied zu nehmen von einer liebenswerten, verlässlichen, gescheiten, hilfsbereiten, über Jahrzehnte so engen wie treuen Freundin, Kameradin und Seelenverwandten.

Sie war eine bodenständige Westpfälzerin, die nach vielen Wanderjahren zur heimatlichen Sickingerhöhe zurückgekehrt war. Die weit gereiste Globetrotterin konnte mit ansteckender Begeisterung von vielen Abenteuern berichten, die sie von den Dreharbeiten für ihre Fernsehreportagen mitgebracht hatte. Fast immer im Schlepptau hatte sie ihren Kamera- und späteren Ehemann Gerd Tockan (1943−1999), mit dem sie lange in Berlin lebte. Erst im Ruhestand ließ sie sich im Haus ihrer Großmutter auf dem Herrenwalderhof nieder.

160 Filme fürs Fernsehen

In vier Jahrzehnten hat sie rund 160 Dokumentationen und Features fürs Fernsehen produziert. An ihren Filmen lässt sich studieren, warum die Reportage unter Journalisten als „Königin der Stilformen“ gilt: Sie lässt in ein Ereignis eintauchen, hält durch einen dramaturgischen Bogen die Spannung aufrecht und vermittelt zugleich alle Nachrichten und Hintergründe, die zur Meinungsbildung der Betrachter(innen) notwendig sind. „Fernsehen bildet“, sagte Margaret Ruthmann. „Und zwar besonders diejenigen, die Fernsehen machen.“

Die Kaufmannstochter aus Zweibrücken begann 1968 beim damaligen Südwestfunk, nachdem sie ihr Rüstzeug in mehreren Zeitungsredaktionen erworben hatte. Danach arbeitete sie für verschiedene ARD-Sender, das ZDF und den deutsch-französischen Kulturkanal Arte.

Heimatverbundene Globetrotterin

Mit der Kamera – und mitunter im Segelboot ihres Mannes – reiste Margaret Ruthmann rund um den Globus, skizzierte „Schauplätze der Weltliteratur“, drehte Reiseberichte über Alaska und Jamaika, Kroatien und die US-Südstaaten, Madeira und die Faröer. Sie interviewte Serienkiller und Bankräuber, vermittelte die Seelenpein von Notfallhelfern, dokumentierte eine der ersten chirurgischen Geschlechtsumwandlungen im Saarland und porträtierte Landwirte auf Brautschau, lange bevor das Thema in spekulativen „Unterhaltungs“-Sendungen marktschreierisch ausgeschlachtet wurde.

Ihre einfühlsam-dezenten Porträts des „Verbrecherdorfs“ Neumühle und des Pfälzer Polizistenmörders Bernhard Kimmel machten überregional Furore. Der Film, den sie für ihren „wichtigsten und engagiertesten“ hielt, obwohl er ihr „auch den meisten Ärger eingebracht hat“, war 1987 die ZDF-Doku „Ramstein: US-Waffenlager in Europa“.

Wanderbücher über die Pfalz

Im Rentenalter tauschte sie Filmkamera, Mikrofon und Schnittpult gegen Wanderschuhe, Fotoapparat und Schreibmaschine ein. Auf Schusters Rappen startete sie durch zum „Burgenwandern“. Für die fünf Bände der Buchreihe hat sie 170 historische Gemäuer besucht, abgebildet und beschrieben – fast alle Burgen links des Rheins von Basel bis Grünstadt. „Ich muss gar nicht weit reisen, um schöne Landschaften und Sehenswürdigkeiten zu entdecken“, sagte sie.

Erst im Oktober stellte sie die jüngste Novität der Reihe vor, diesmal über „Burgenwandern an Nahe, Glan und Alsenz, im Pfälzer Bergland und im Hunsrück“. Weitere Leseabende waren geplant. Am dritten Adventssonntag saßen wir in Winterbach zusammen, weil sie ihre „liebsten Menschen“ um sich scharen wollte. Es war ein schöner Abend, ausgelassen, angeregt, lustvoll und lustig. Zwei Tage später war sie tot.

Sie hat sich eine Seebestattung gewünscht. Tschüß, Margret, ich werde dich sehr vermissen. „Moi Wedder end gode Fahrt!“

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