Sportsfreunde RHEINPFALZ Plus Artikel Ausgedehnte Radtouren sind für Anke Knoll eine Art Therapie

Auch in Zweibrücken schwingt sich Anke Knoll immer gerne auf ihr geliebtes hellgrünes Fahrrad.
Auch in Zweibrücken schwingt sich Anke Knoll immer gerne auf ihr geliebtes hellgrünes Fahrrad.

An diesem Wochenende ist sie auf dem 260 Kilometer Fulda-Radweg unterwegs. Dass die 57-jährige Contwigerin immer wieder in den Sattel steigt, hat auch was mit einer sehr schweren Phase in ihrem Leben zu tun.

Zum Gesprächstermin kommt Anke Knoll mit dem Fahrrad – natürlich. Bei der Terminabsprache hatte sie das – nach kurzem Blick auf die gute Wettervorhersage – schon angedeutet. Und von Contwig nach Zweibrücken ist es für die 57-Jährige, gemessen an sonstigen Tagesetappen bei ihren häufigen Wochenendtouren, ohnehin nur ein Katzensprung.

Himmlische Ruhe auf dem Rad

Sie kommt allerdings mit ihrem geliebten hellgrünen Fahrrad und reiner Muskelkraft durch die Allee geradelt, gar nicht mit ihrer neuesten Errungenschaft. Gerade hat sich Anke Knoll nämlich ein E-Bike angeschafft. Das will die Lehrerin in Altersteilzeit, die seit zwölfeinhalb Jahren an der Grundschule in Wallhalben arbeitet, künftig vor allem für den Schulweg nutzen. „Das sind 18 Kilometer einfach, und ich muss schon morgens um 7 Uhr da sein. Da komme ich mit dem E-Bike einfach schneller durch“, sagt Knoll. Für ihre Touren will sie das E-Bike aber, so lange es geht, noch in der Ecke stehen lassen.

„Mein Lebensmotto war schon immer: Bewegung ist die beste Medizin“, sagt Knoll und verweist auf den „Dreikampf“, den sie schon jahrelang betreibt – Laufen, Radfahren, Tennis spielen. Jede Sportart hat aus ihrer Sicht Vorzüge. „Ich laufe immer die gleiche Strecke, das ist monoton. Da kann ich herrlich abschalten und muss an nichts denken“, sagt sie. Am Tennis liebt die frühere Oberliga- und Verbandsliga-Spielerin den Wettkampfgedanken und in einer Mannschaft zu spielen. Derzeit schlägt sie für den TC Blau-Weiß Maxdorf auf. „Wir sind aus der 1. Regionalliga der Damen 50 abgestiegen, wollen aber wieder hoch“, sagt sie ehrgeizig. Ihre alte Position 15 in der deutschen Rangliste der Damen 55 will sie auch wieder erreichen.

Nach Krebsdiagnose ging erst mal nur Radfahren

Und das Radfahren? Das hat sich verändert, sagt sie. Früher hätte sie als Familie mit ihrem Mann und den drei inzwischen erwachsenen Söhnen Philipp, Johannes und Mathias normale Radtouren gemacht. Inzwischen ist sie, vor allem am Wochenende, allein unterwegs. „Da muss ich auf niemanden Rücksicht nehmen und habe meine Ruhe“, sagt sie. Beim Großziehen ihrer drei Jungs sei früher immer genug los gewesen. „Für mich hat das was von Freiheit und Abenteuergeist“, sagt sie dazu, wenn sie sich mit dem Auto („Mit der Bahn ist das zu unsicher“) auf den Weg macht, das Rad im Kofferraum. „Ich hab’ es immer dabei. Selbst nach einem Tennisturnier wird nicht ausgelaufen, sondern ausgeradelt“, erzählt sie.

Dass sie in ihrem eigenen „Sport-Dreikampf“ zwischenzeitlich dem Rad klar den Vorzug gegeben hatte, hat mit einer schweren Phase in ihrem Leben zu tun. Im Jahr 2018 wurde bei Anke Knoll ein bösartiger Brustkrebs diagnostiziert. „Das war ein Zufallsbefund und kam wie aus heiterem Himmel. Es war ein Hammerschlag für mich, ich hab’ erst mal nur geweint“, erzählt sie. Als sie aber im Krankenhaus mal eine junge Frau gesehen habe, die sehr positiv mit ihrer Krankheit umgegangen sei, war das „wie ein Augenöffner für mich“. Nach einer Chemotherapie, Operation und Bestrahlung habe sie daher so schnell wie möglich versucht, wieder Sport zu treiben. Ihr Onkologe habe das sehr unterstützt, Bewegung sei der Genesung sehr zuträglich.

Akribische Vorplanung und Abenteuergeist

„Während der Chemotherapie ging aber Tennisspielen nicht. Und Laufen oder spazieren gehen konnte ich auch nicht, weil ich Probleme mit einer Sehnenreizung im Fuß hatte“, berichtet Anke Knoll. Und der Kampfgeist fürs Tennis war erst mal weg, den hatte sie für den Kampf gegen ihre Krankheit gebraucht. Da sei das Rad die einzige Alternative gewesen, „ich hab’ verstärkt auf einer Seite in die Pedale getreten“, weiß sie noch.

Stillleben mit Fahrrad: Eine ihrer Radtouren führte Anke Knoll aus Contwig auch nach Frankreich.
Stillleben mit Fahrrad: Eine ihrer Radtouren führte Anke Knoll aus Contwig auch nach Frankreich.

Inzwischen plant sie ihre Touren akribisch voraus. Das Rad ist voll gepackt, aber gewogen hat sie das Gepäck noch nie. Die Route wird bei Google Maps rausgesucht, ein Fahrrad-Navi-Gerät hat sie auch. Sie fährt meist rund 100 Kilometer am Tag, „aber ohne groß ins Schwitzen zu kommen“. Es sei schön, nicht fremdbestimmt zu sein. Sie schaue lieber mal um sich: „Ach, ist das ein schöner See. Und wie hat der eigentlich sein Vorgarten?“, erzählt sie. Das Ziel sei, abends im Hotel anzukommen. Schlechtes Wetter schreckt sie dabei nicht, höchstens Tiefschnee oder Glatteis.

Fast einen Unfall mit Peter Maffay gehabt

Kurioses hat sie auf ihren Touren auch schon erlebt. Mal fuhr sie 92 Kilometer am Stück nur durch Regen, mal wurden es 115 Kilometer und neun Stunden im Sattel, weil alle Hotels vor Ort besetzt waren und sie immer weiterfahren musste. Oder sie geriet in die Dunkelheit und musste sich mit Krämpfen in den Oberschenkeln durch stockfinsteren Wald vorwärtskämpfen – und kam doch noch an. Und am Starnberger See wäre sie beinahe mal mit Peter Maffay zusammengerasselt, „der war mit einem Rad mit Kinderanhänger unterwegs“, bemerkt sie lachend.

Für die Zeit, wenn sie mal nicht mehr arbeitet, hat Anke Knoll auf dem Rad noch Großes vor. „Deutschland mal von Ost nach West und von Nord nach Süd durchqueren. Oder umrunden. Und danach mal ins Ausland“, sagt sie begeistert. Und vielleicht will sie anderen Frauen in der Krebsnachsorge auch mit ihrer eigenen Geschichte Mut machen, sie an die Hand nehmen und zum Sporttreiben bewegen. „Durch die Krankheit habe ich einen entspannteren Blick aufs Leben. Ich bin dankbar, dass ich wieder so viel Lebensfreude empfinden darf“, sagt Knoll. Das Fahrrad hilft ihr dabei.

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