Zweibrücken
Alexandra Schlemmers Brautmode macht bundesweit Furore
„Geprägt hat mich die Sendung ,Zwischen Tüll und Tränen’“, erzählt Alexandra Schlemmer. Diese Nachmittagsshow auf dem TV-Sender Vox zeigt angehende Ehefrauen, wie sie in Deutschlands Brautmodengeschäften nach ihrem Traumkleid für den schönsten Tag des Lebens fahnden. Eingetaucht in ein pastellfarbenes Fernseh-Universum und unterstützt von Mama, Oma und besten Freundinnen, lassen sich die Bräute in den Läden von Fachkräften der Branche beraten. Diese haben es beim Publikum der Sendung inzwischen selbst zu gewisser Bekanntheit gebracht.
„Was die können, kann ich auch“, ist die junge Unternehmerin überzeugt, die schon als Kind von ihrem eigenen Brautmodengeschäft geträumt hat. Und tatsächlich: Wer das kleine Reich im ersten Stock des Geschäftshauses Hauptstraße 100 betritt, am Schwarzbachufer vis-à-vis des Zweibrücker Standesamts, findet sich in einer romantischen Welt voller blütenweißer Brautkleider und barocker Chaiselongues nebst kleinem Laufsteg wieder. Hier wird Hochzeitsmode gebührend inszeniert.
Nachtschichten mit Eva Lanninger
Tatkräftige Hilfe beim Verwandeln der einst schlichten Büroräume in ein romantisches Heirats-Disneyland erhielt Alexandra Schlemmer von ihrer Freundin und Vermieterin Eva Lanninger. „Zusammen haben wir in vielen Nachtschichten den neuen Boden verlegt, Fensterbänke gestrichen und die Wände tapeziert.“ Lohn der Mühen ist ein zuckersüßes Wohlfühl-Ambiente – und die passende Kulisse für Schlemmers Sieben-Minuten-Video, mit dem sich die gelernte Ergotherapeutin Mitte Oktober per Einspieler auf dem Kölner Wettbewerb präsentierte. Eine Hauptrolle spielten im Finale zwei Brautkleider, die Alexandra Schlemmer zusammen mit dem Saarbrücker Modedesigner Feras Abou Shaar entworfen hat. Models führten die aufwendigen Stücke im Wettbewerb auf dem Laufsteg vor.
Beim bundesweiten Schaulaufen der Heiratsbranche landete Alexandra Schlemmers junges Fachgeschäft auf Anhieb unter den Top Drei; nur um Haaresbreite wurde der Gesamtsieg verpasst. „Im Jahr 2021 hatte dort Vanessa Huber von der ,Villa Engelsbraut’ gewonnen“, schwärmt Schlemmer: „Wer hätte gedacht, dass die kleine Alex beinahe in die Fußstapfen dieser berühmten Frau aus ,Tüll und Tränen’ getreten wäre!“
Veranstalter reagiert schon nach zwei Stunden
Ihre Kundenkontakte pflegt die Zweibrückerin vorwiegend online – über Google Business, Facebook und ihren Instagram-Account. „Mein Publikum will immer die neuesten Beiträge, Filme und Bilderstrecken sehen“, erzählt Alexandra Schlemmer, wie sie vor einem halben Jahr im Laden wieder mal eine ihrer „Nachtschichten“ einlegte, um Fotos fürs Insta-Portfolio zu schießen. „In dieser Nacht flammte auf meinem Account eine Werbung vom Wedding-King-Award auf. ,Bewirb dich jetzt’, hieß es dort. Das war schon fast schicksalhaft, dass ich gleich reagierte und mein Geschäft online vorstellte. Schon zwei Stunden später gab’s auf meinem Handy die Einladung zu einem Zoom-Meeting mit dem Veranstalter.“ Diesen wiederum habe sie mit ihrer Leidenschaft und Begeisterung – und mit ihrer gekonnten Präsentation – im Handumdrehen überzeugt. Was ihr den Ruf nach Köln zum Finale am Sonntag, 16. Oktober, einbrachte.
Man muss schon ganz genau hinschauen, um das Brautgeschäft in jenem Häuserblock am Schwarzbach zu entdecken, der einst die traditionsreiche Zweibrücker Elektrohandlung Lanninger beherbergte. „Wer mich googelt, findet mich aber“, erklärt Alexandra Schlemmer. „Das wichtigste ist aber die Mund-zu-Mund-Propaganda. Meine erste Braut kam im Juni 2021 ins Geschäft, kurz nachdem ich mich über Google Business angemeldet hatte. Zur Anprobe brachte sie mehrere Herzensmenschen mit – und von denen sind einige später selbst als Bräute in meinen Laden gekommen.“
Bei „Tüll und Tränen“ möchte sie mitmachen
Herzensmenschen? So heißen bei „Tüll und Tränen“ jene Begleiterinnen, die der aufgeregten Braut plaudernd bei der Kleiderauswahl helfen und zusammen mit der Glücklichen zwischendurch das ein oder andere Gläschen Sekt schlürfen.
Ganz ähnlich wie in der TV-Show läuft das Geschäft in den Räumen von Alexandra Schlemmer ab. „Andere Kolleginnen hatten zu mir gesagt, das ist doch nur Fernsehen, das ist nicht real. Aber für mich stand von Anfang an fest, dass es bei mir genauso romantisch und liebevoll zugehen soll wie in der Sendung. Ich habe bewiesen, dass das funktioniert.“ Kein Wunder, dass die Zweibrückerin ihre Bewerbung für eigene Auftritte bei „Zwischen Tüll und Tränen“ beim Sender Vox längst abgeschickt hat.
Zuerst die Frage nach dem Budget
Das Gros ihrer Kundschaft kommt aus 50 Kilometer Umkreis ins Brautmodengeschäft. „Ich hatte aber auch schon mal eine Braut aus Bamberg dabei“, sagt Schlemmer. Und erzählt von einer Kindergärtnerin ihres Söhnchens Phil, die sich anderswo schon ihr Brautkleid besorgt hatte, sich dann aber in der Zweibrücker Hauptstraße nach dem noch fehlenden Schleier umsah. „Da hat sie es sehr bedauert, dass sie nicht gleich ihr ganzes Kleid bei mir gekauft hat.“
„Für mich ist es Ehrensache, dass ich jede Kundin zuallererst nach ihrem Budget frage“, betont die gebürtige Kölnerin. Somit stehe von Anfang an fest, was die angehende Braut für ihr Kleid ausgeben möchte. „Ich zeige ihr ganz bewusst kein einziges Modell oberhalb dieses Limits. Schließlich soll später bei der Feier kein Gast ausgeladen oder die Hochzeitssuppe gestrichen werden, nur weil das Brautkleid so teuer war.“