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Mittwoch, 12. Juni 2019 Drucken

Zweibrücken: Kultur Regional

Chaplin und Chopper

Zweimal Charlie Chaplin, eine Nana à la Niki de Saint Phalle, eine Szene aus dem Arbeitsamt – in der Ausstellung „Bilder aus der Haft“ ragen die Kunstobjekte hervor, die sich mit der Welt draußen befassen.

Ein Gefangener schreit seine Wut heraus und bricht die Gitterstäbe auf: „Ne bis in idem“ (nicht zweimal in derselben Sache) hat Andrei aus dem Gefängnis in Kumla (Schweden) sein aus Metall geschweißtes 75 Zentimeter hohes Kunstobjekt betitelt. Es ist im Zweibrücker Oberlandesgericht (Schloss) zu sehen.

Ein Gefangener schreit seine Wut heraus und bricht die Gitterstäbe auf: „Ne bis in idem“ (nicht zweimal in derselben Sache) hat Andrei aus dem Gefängnis in Kumla (Schweden) sein aus Metall geschweißtes 75 Zentimeter hohes Kunstobjekt betitelt. Es ist im Zweibrücker Oberlandesgericht (Schloss) zu sehen. ( Foto: thof)

Die 17 Skulpturen im Zweibrücker Schloss sind zugänglicher als die rund 80 Gemälde, denn die Motive sind einfacher. Sie stammen aus dem ersten der drei Wettbewerbe, zu denen der gemeinnützige Verein Art and Prison bislang weltweit aufgerufen hatte. Skulpturen im Knast zu gestalten, ist zeitraubend und aufwendig – und sie kommen oft zerbrochen an, erzählt Cornelia Schmidt-Harmel von Art and Prison, die Kuratorin der großen Zweibrücker Ausstellung.

Das trifft auf das große Metall-Objekt von Andrei aus dem schwedischen Gefängnis im Kumla nicht zu. Dass er seinem typischen Gittermotiv, dem „Schrei“ von Munch nachempfunden, den Titel „Ne bis in idem“ gab, deutet darauf hin, dass er wohl zweimal für dieselbe Sache verurteilt wurde (was in Deutschland nicht möglich ist). Im selben Gefängnis entstand ein Motorrad aus Eisen, filigran gelötet, poliert: ein Chopper, offenbar der Traum des dort inhaftierten Alexander, wenn er wieder raus ist.

Fast nur an das Leben draußen, an das Positive denken inhaftierte Jugendliche. Da gibt es einen Charlie Chaplin aus bemaltem Ton von León aus Spanien, und einen ganz dünnen aus Metall von Domenico aus Italien, der an Giacometti erinnert, eine dralle grüne Nana, eine Gemeinschaftsarbeit aus der JVA Schwäbisch Gmünd aus Drahtgestell, Gipsbinden, Fliesenkleber und Acrylfarbe. Seepferdchen und Delphine aus weißen Muscheln und Keramik stammen aus Albanien und zwei Personen im Gespräch in einem pastellfarbenen Büroraum „Arbeitsamt“ aus der Jugendwerkstatt der JVA Bremen.

Ausstellung

„Bilder aus der Haft“, Wanderausstellung des Vereins Art and Prison in Zweibrücken. Erster Teil: Schloss/Oberlandesgericht, Schlossplatz 7, Objekte und Gemälde, Montag-Donnerstag 9-16 Uhr, Freitag 9-13 Uhr: zweiter Teil: Stadtmuseum, Herzogstraße 9-11 Gemälde, Grafiken, Dienstag 10-18 Uhr, Mittwoch-Sonntag 14-18 Uhr. |adi