Speyer
Wildherz: Neue Doku von Speyerer Regisseurin Caro Lobig feiert Kinopremiere
Frau Lobig, bei Magie der Wildpferde haben Sie ja bereits mit Simone Hage zusammengearbeitet. Wildherz ist nun eine Weiterführung und ein neues Abenteuer zugleich. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine junge Frau wie Simone Hage in den Mittelpunkt ihres Films zu stellen?
Simone hat schon auf der Kino-Tour unserer Doku Magie der Wildpferde Hunderte Kinobesucher bewegt und viele zu Tränen gerührt in persönlichen Gesprächen. Ihr offenes, lebensfrohes Wesen inspiriert die Menschen auf tiefer Ebene, sodass viele ihr eigenes Leben hinterfragen. Dieser Effekt ist etwas Großartiges, das ich als Filmemacherin nutzen möchte, um noch mehr Menschen zu ermutigen, nach Erfüllung im Leben zu streben. Daher hat es sich angeboten, tiefer in das Thema Sinnsuche einzusteigen und Simone zwei Jahre zu begleiten auf ihren Abenteuern, durch die Hochs und Tiefs ihres Lebens.
Wie beschreiben Sie die Protagonistin?
Simone ist mutig, offen, großherzig, lebensfroh, spontan und stark begeisterungsfähig. Sie lebt im Moment und möchte ihre Lebenszeit sinnvoll nutzen, Tieren und Menschen helfen und viele Erfahrungen machen.
Denken Sie, dass Simone eine Ausnahme ist oder dass es noch junge Menschen gibt, die auch solche weite Reisen mit Pferden unternehmen wollen?
Es gibt sicherlich sehr viele Menschen, die Simones Wanderritte mit Pferden bewundern, die sagen: ,Das würde ich auch gern machen...’, nur danach folgt oft ein großes ,Aber’. Simone motiviert die Menschen dazu, Wünsche einfach mal umzusetzen, und aufzuhören, Ausreden zu suchen oder immer nur vernünftig zu sein und Pläne auf ,später’ zu verschieben. Denn auch ohne Pferde: Jeder hat doch diese persönlichen Visionen. Simone lebt ganz vieles davon aus, trotz Zweifeln und Ängsten – die wir im Film ebenso zeigen wie die glücklichen Momente.
Gab es Momente während des Drehs, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?
Simone hat sich dazu entschieden, ihren treuen Wanderritt-Begleiter auf vier Pfoten, den Border Collie Jack, abzugeben. Sie konnte ihm nicht gerecht werden, da er sehr temperamentvoll ist und mit zu viel Action überfordert. Das war wahnsinnig emotional und es sind viele Tränen geflossen. Aber es zeigt auch, dass Tierhaltung viel Verantwortung nach sich zieht und dass der Weg der persönlichen Weiterentwicklung damit zu tun hat, ehrlich zu sich zu sein und harte Entscheidungen zu treffen.
Simone gerät im Film an einen Punkt, an dem sie zweifelt, ob es richtig ist, was sie macht. Ich denke jedoch, dass es ihr im Blut liegt, eine Nomadin zu sein. Was meinen Sie dazu?
Ihr Herz wird sicherlich immer fürs Reisen, Abenteuer erleben, neue Menschen kennenlernen schlagen. Aber natürlich hat sie auch die Sehnsucht nach einem Zuhause, nach Sicherheit, Beständigkeit, Geborgenheit. Das ist absolut menschlich. Momentan pendelt sie zwischen ,der weiten Welt’ und ihrem Zuhause in Bayern. Ihre größte Herausforderung ist es, beides in ihrem Leben zu vereinen. Und am Ende des Films erkennt sie, wie ein Weg aussehen könnte, mit ihrem Herzensruf umzugehen.
Zwanzigjährig denkt Simone darüber nach, eine Ausbildung als Coach zu absolvieren. Was ist daraus geworden?
Das verraten wir hier besser nicht, da diese Frage am Ende des Films beantwortet wird.
Beim Zuschauer wird das Interesse geweckt, wie es mit Simone weitergeht. Wird es eine Fortsetzung geben?
Das ist nicht geplant. In Magie de Wildpferde (auf DVD erhältlich auf catamaranfilms.de) ist ja der gesamte Wanderritt von Simone von Bayern bis hoch an die Ostsee zu sehen. Wildherz erzählt die Geschichte ab der Grenzüberquerung mit den Pferden von der Ostsee nach Dänemark. Und wer nach dem Film jetzt mehr wissen möchte, kann Simone natürlich auf Instagram verfolgen (@simone.hage) oder sich auch auf Bonusmaterial und weiterführende Interviews mit Simone freuen, die wir in den nächsten Wochen veröffentlichen auf Facebook („Wildherz – Der Film“).
Zur Sache: Wildherz
In ihrem dritten Film stellt Caro Lobig keine Pferde in den Mittelpunkt, sondern eine junge Frau, Simone Hage. Sie ist auf der Suche nach sich selbst und lebt ihre Träume. Der Dokumentarfilm, produziert von Caro Lobig und Timo Lendzion, wurde in Deutschland, Dänemark, Spanien, Ibiza und Portugal gedreht.
Bereits in der vorangegangenen Doku, Magie der Wildpferde, spielte Simone Hage eine Hauptrolle. Auch in Wildherz kommen Pferde vor. Simone kauft zwei ehemalige polnische Wildpferde und reitet mit einer Freundin 1000 Kilometer von Bayern an die Ostsee. Dort verabschiedet sie sich von ihrer Freundin und reitet weiter nach Dänemark. Auffällig ist Simones Hages ansteckende Fröhlichkeit, mit der sie über ihre Erlebnisse berichtet. Sie strahlt fast immer.
Freiheit auf Pferderücken
Mit dabei ist auch Border Collie Jack, den Hage ebenso wie die beiden Pferde ins Herz geschlossen hat. Jack wird sie jedoch tränenreich abgeben, weil er bei einer befreundeten Familie besser aufgehoben ist. Hage ist sich ihrer Verantwortung für die Tiere bewusst. Sie lebt eine Weile auf einem Hof in Dänemark, hilft dort in Haus und Hof mit. „Familie weiß man erst dann zu schätzen, wenn man weit weg ist“, meint sie. Die junge Frau macht sich auf den Rückweg nach Bayern, plant jedoch, im nächsten Jahr wieder nach Norden zu reiten. Sie wird nachdenklich, fast traurig. „Wo will ich hin? Soll ich eine Ausbildung machen? Was treibt mich an?“, fragt sie sich. Klar wird ihr, dass Freiheit im Kopf entsteht. „Am Strand entlang zu reiten, da fühle ich mich frei“, sagt sie.
Zuhause in Bayern kommt ihr Vater zu Wort. Alexander Hage hat andere Ansichten als seine Tochter, er macht sich Sorgen um die Zwanzigjährige. „Keine Generation war so frei wie die heutige“ meint er. Mutter Margot Hage ist skeptisch, ob ihre Tochter bleiben wird. „Simone hat in den letzten fünf Jahren Dinge gemacht, von denen sie ihr ganzes Leben zehren wird“, sagt sie. Direkt nach der Schule habe sie sich selbständig gemacht.
Sehnsucht nach der Ferne siegt
Ihre Mutter hat Recht, Simone Hage macht sich wieder auf den Weg, der sie nach Andalusien führt. Sie hilft Natalie, die dorthin ausgewandert ist, für Kost und Logis. „Wichtig ist mir, von anderen Menschen zu lernen und wenn ich dafür noch so viele Ställe ausmisten muss. Ich habe mich bewusst für eine freiere Lebensweise entschieden“, betont sie. Die 20-Jährige arbeitet als Pferdetrainerin und Fotografin. Eine Frau, die in Portugal lebt, nimmt Kontakt mit ihr auf, lädt sie ein. Also fliegt Simone Hage nach Portugal. „Ich arbeite gerne mit Menschen, daher wäre eine Ausbildung zum Coach für mich richtig“, erklärt sie. Sie lässt sich von zwei Frauen coachen. Es wird ihr klar, warum sie so häufig lächelt, warum sie manchmal auch Wut und Zorn verspürt. Simone hat ihren neuen Weg gefunden.
Info
Der Film Wildherz läuft in Speyer am Sonntag, 1. November, 17 Uhr, im Theaterhaus. Kinotickets gibt es unter www.theaterhaus-speyer.de