Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Waldsee: Sänger sammeln Weihnachtsbäume

Da fliegt der Baum: Acht Sammelcontainer haben die Sammler vom MGV voll gemacht.
Da fliegt der Baum: Acht Sammelcontainer haben die Sammler vom MGV voll gemacht. Foto: Christine Kraus

Samstagmorgen 9.30 Uhr in Waldsee: Eine Gruppe Sänger des MGV Eintracht steht bereit zum Einsammeln ausgedienter Christbäume, ausgerüstet mit Arbeitshandschuhen und teilweise Warnwesten. Dieses Mal bei Kaiserwetter, wie Harry Schwabe bemerkt, und nicht bei Eiseskälte wie im vergangenen Jahr.

Koordinator Ulli Mach hat die Wege der Gruppen auf einem Plan genau eingezeichnet, ebenso die Standorte der Container und andere Sammelplätze. Der Vereinsvorsitzende Heribert Seibel kommt mit Enkel Dominik – mit 14 Jahren der jüngste Helfer – im Pkw mit vollgeladenem Anhänger vorbei. Jedes Team hat seine Route, die meisten zu Fuß, andere mit Auto und Anhänger. Ivo Scholze, Harry Schwabe, Uli Schilling und Claus Guttenberger beginnen in der Altriper Straße. Da geht’s noch einfach: Die Bäume liegen vor dem Hoftor, Scholze klingelt, bekommt den erbetenen Obulus sowie noch eine Flasche Wein obendrauf und strahlt.

Schwieriger wird es, als die Gruppe sich einem der Neubaugebiete nähert. Harry Schwabe grummelt: Da liegt ein Baum vor einem Mehrfamilienhaus. Kein Hinweis, wer ihn abgelegt hat, kein Obulus am Baum befestigt. „Soll ich da jetzt alle rausklingeln?“, fragt er. Nein, der Baum bleibt liegen, denn die Spielregeln sind klar kommuniziert: Die Sänger sammeln die Bäume gegen besagten Obulus – wie viel das ist, entscheiden die Ex-Baum-Besitzer selbst. Das Geld in einem Tütchen ins Geäst zu hängen, hatte in den vergangenen Jahren seine Tücken. Vor den Baumsammlern kamen fremde „Geldsammler“.

Kleine Stärkung von Anwohnern

Daher ist Variante zwei zu bevorzugen: Die Bäume liegen so, dass man sie zuordnen kann, also vor einem Einfamilienhaus, oder es steht auf einem Zettel, wo die Sänger klingeln müssen. Noch etwas finden die Sänger weniger toll: wenn Leute versuchen, ihre alten Bäume aus dem Garten oder gar einen Baum aus dem vergangenen Jahr, so zu entsorgen oder die Bäume einfach selbst in die Container werfen, wenn keiner hinsieht.

Aber das sind Einzelfälle. Einige Anwohner bieten eine kleine Stärkung an, außerdem gibt es feste Anlaufstellen, wie Uli Schilling berichtet. „Vormittags werden wir in einer Garage versorgt, nachmittags kehren wir in einem Partykeller ein.“ Und zwischendurch gibt’s im Alten Rathaus Mittagessen. Dafür verlässt Ivo Scholze die Gruppe und lässt sich von Koordinator Ulli Mach zum Supermarkt fahren, um dann die Brotzeit vorzubereiten. Mach ist sozusagen das Mädchen für alles. Er ruft Horst Reichwein, der mit Sohn Sebastian die Container einsammelt, die Bäume an der Sommerfesthalle in die Großraumcontainer der Firma Zeller umlädt und die Container am nächsten Platz aufstellt. In der Zwischenzeit kehrt Mach den Platz sauber. Abends treffen sich alle noch einmal zum Hähnchen-Essen und Feiern im Alten Rathaus. „Verhungern tun wir sicher nicht, aber am Abend sind wir schon kaputt“, erklärt Uli Schilling.

Wie lange die Eintracht schon die ausgedienten Christbäume einsammelt, wusste von den befragten Sängern keiner mehr so genau. Man einigte sich untereinander auf mindestens 42 Jahre, vielleicht auch deutlich mehr. Die Bilanz 2020: acht Sammelcontainer voller ausgedienter Christbäume, genauso viele wie im vergangenen Jahr, 26 fleißige Helfer, zwei mehr als das letzte Mal.

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