Speyer
Vereinsheime verwüstet und ausgeräumt: Haftstrafen für Einbrecher-Trio
Man merkte den drei jungen Männern eine gewisse unaufgeregte Routine an, was Strafverfahren angeht. Alle drei wurden aus der Haft heraus vorgeführt: Zwei sitzen zurzeit in der Jugendstrafanstalt Schifferstadt, einer in der Jugendstrafanstalt Wittlich, wohin er nach der Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Speyer am Montag zurückgebracht wurde. Alle drei räumten die Taten ohne Umschweife ein, was dem Gericht längere Beweisaufnahmen ersparte.
Angeklagt waren die drei heute 19, 20 und 22 Jahre alten Männer – zwei sind Brüder – aus der Domstadt einer ganzen Anzahl von Einbruchsdiebstählen, die sie in den Jahren 2022 und 2023 teils gemeinschaftlich, teils einzeln begangen haben. Für alle drei war es nicht das erste Mal, dass sie mit dem Gesetz in Konflikt gerieten, vor Gericht standen und schließlich auch verurteilt wurden.
So erhielt der 20-Jährige, den die Ludwigshafener Anwältin Gabriele Haas verteidigte, eine Strafe von einem Jahr und sechs Monaten. Der 19-Jährige bekam ein Jahr und zwei Monate. Der 22-Jährige, bei dem vorhergegangene, aber noch nicht verbüßte Verurteilungen eingerechnet werden mussten, muss für drei Jahre und zwei Monate ins Gefängnis. Die beiden Letztgenannten wurden vom Speyerer Anwalt Andreas Flory und von der Mannheimer Anwältin Miriam Haas verteidigt.
Vereinsheime ausgeräumt
Die Liste der vorgeworfenen Taten ist lang: Auf das Konto des 20-Jährigen gehen demnach vier gemeinschaftliche Einbruchsdiebstähle, drei davon verbunden mit erheblichen Sachbeschädigungen. Dazu kommt eine Körperverletzung vor dem Bauhof am helllichten Tag, entsprechend deutlich hatte die Überwachungskamera das Geschehen festgehalten.
Im März 2022 war der junge Mann in eine Bar in der Martin-Greif-Straße eingedrungen und entwendete mehrere Messer und Medikamente, alles zusammen im Wert von 50 Euro. Im Juli desselben Jahres brach er ins Vereinsheim des FV Dudenhofen ein, hebelte mit einem Brecheisen eine Zwischentür auf und entwendete 300 Euro sowie Spardosen. Der Sachschaden im dreistelligen Bereich überstieg die Beute bei Weitem.
Im selben Monat gab es einen Einbruch in ein Schulzentrum in Speyer, auch hier war der Schaden in Höhe von 6000 Euro durch Aufhebeln mehrerer Türen weitaus größer als die Beute von 500 Euro. Ebenfalls im Juli 2022 hatte der 20-Jährige mit einem weiteren Täter das Vereinsheim des Angelsportvereins in Berghausen heimgesucht. Die Beute hier: 300 Euro. Der Sachschaden: 2000 Euro.
Judomaxx verwüstet
Der 19-Jährige und der 22-Jährige sollen sich im April 2023 gemeinsam mit einer Eisenstange Zutritt zum Judomaxx verschafft haben, wo sie die Gipskartonwand eines Büros durchschlugen, die Überwachungsanlage zerstörten, eine Bürotür aufbrachen und schließlich ein Mobiltelefon im Wert von etwa 100 Euro mitgehen ließen. Zugleich richteten sie einen Schaden von etwa 10.000 Euro an.
Zudem drang im vergangenen November der Jüngere mit zwei Mittätern in ein Vereinsheim in der Friedrich-Ebert-Straße ein, indem er eine Fensterscheibe einschlug. Aus einer Geldkassette wurden 50 Euro gestohlen, wobei ein Sachschaden von etwa 5000 Euro entstand.
Kiffen statt Schulbesuch
Die Lebensläufe der drei nun Verurteilten ähneln sich stark: Keiner von ihnen besitzt einen Schulabschluss, weil sie der Schule sehr oft ferngeblieben waren. Dementsprechend hat auch kein Mitglied des diebischen Trios eine Berufsausbildung. Mit etwa zwölf Jahren fingen die Heranwachsenden an zu kiffen – zunächst gelegentlich, mit etwa 15 oder 16 Jahren war daraus ein täglicher Konsum in nicht unerheblicher Menge geworden. Kokain kam als Rauschmittel hinzu, zumindest gelegentlich.
Die Eltern, von denen einige im Zuschauerraum saßen, hatten zwar früh um Hilfe beim Jugendamt ersucht, aber dieses soll nach den Angaben der Angehörigen „nicht wirklich hilfreich“ gewesen sein darin, die drei in den Griff zu bekommen. Auch Drogenberatung und entsprechende Therapien waren im besten Falle nur kurzzeitig erfolgreich, wie in der Verhandlung deutlich wurde.
Auffallend war, wie gering die Zeitabstände zwischen einer Entlassung aus der Haft und erneuten Straftaten jeweils gewesen sind. Trotz ihrer Jugend haben alle drei bereits eine lange Täterkarriere hinter sich. Vor Gericht beteuerten sie unisono, sich in Haft nun ernsthaft um eine Suchttherapie und eine Ausbildung bemühen zu wollen. Die Strafen schienen ihnen offenbar angemessen. „Wir haben es verdient“, meinte einer.