Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Steigende Baupreise: „Die Kunden müssen sich in Geduld üben“

Mit Holz fing es an: Mittlerweile sind viele Baustoffe knapp.
Mit Holz fing es an: Mittlerweile sind viele Baustoffe knapp.

Report „Wohnen in Speyer“ (5): Seit Monaten schießen die Preise für Holz und andere Baumaterialien in die Höhe. Für Handwerker und ihre Auftraggeber bedeutet das lange Wartezeiten und kaum Planungssicherheit. Auch in Speyer sind davon Bauprojekte betroffen.

„Ende vergangenen Jahres hat es mit den Holzpreisen angefangen, mittlerweile zieht es sich über alle Materialien“, sagt Dachdeckermeister Thomas Kleinböhl aus Waldsee, der auch Vorsitzender des Vereins Speyerer Handwerkstradition ist. „Das fängt an beim Austausch von Dachfenstern, wenn dann keine Rollläden verfügbar sind.“ Er spricht von Lieferzeiten von bis zu zwölf Wochen, wo man zuvor Materialien entweder sofort oder in Ausnahmefällen erst nach acht bis 14 Tagen vom Händler bekommen hat.

Der Grund: „Der US-amerikanische und asiatische Markt zahlen andere Preise an Sägewerke“, erklärt Kleinböhl. „Für den europäischen Markt lohnt es sich dann nicht, das Maß umzustellen.“ Wegen der Materialknappheit könne er nicht mehr flexibel planen. Alle Liefertermine seien unter Vorbehalt, für Bauprojekte könne er erst in die konkrete Planung gehen, wenn das Material bei ihm auf dem Hof steht. „Da müssen sich die Kunden in Geduld üben. Uns sind die Hände gebunden.“ Zur Zeit könne er Kunden keine Angebote machen. „Wenn ich heute ein Angebot zur Dachsanierung mache, hat es morgen keinen Wert mehr.“

Wichtige Rohstoffe fehlen

„Die Kunden sind abgeschreckt“, sagt auch der Speyerer Bauunternehmer Wolfgang Seiler. Sein Betrieb leidet vor allem darunter, dass Kies als Grundlage für Beton fehlt, „von Holz gar nicht zu sprechen. Das wird in rauen Mengen ins Ausland exportiert.“ Was in Deutschland an Baumaterial zur Verfügung steht, sei meist importiert. „Von Qualität sind wir einen Schritt abgerückt.“

Er nennt ein Projekt in Dudenhofen als Beispiel: Dort wartet er auf Material, um die Terrasse auszubauen. „Einfache Betonpalisaden gab es früher in jedem Baumarkt.“ Überhaupt komme es momentan auf den Baustellen oft zu Verzögerungen, weil Arbeitsschritte nicht erledigt werden können. „Dann stehen Sie da und warten.“

Die Baumaterialknappheit beschäftigt die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewo ebenso. Deren Bauprojekt in der Kurt-Schumacher-Straße, wo das ehemalige Gemeindezentrum St. Otto abgerissen wird und durch drei Gebäude mit 40 bis 45 Wohnungen und einer Tiefgarage ersetzt werden soll, droht teurer zu werden. „Wir sind schon in der Grundrissplanung. Eigentlich wollten wir in diesem Jahr noch den Bauantrag stellen und im kommenden Jahr mit dem Bau starten“, sagt Gewo-Geschäftsführer Oliver Hanneder.

25 Prozent höhere Kosten

Ursprünglich waren für das Projekt – laut Hanneder eines der größten der Gewo – 18 Millionen Euro eingeplant, jetzt könnte es um bis zu vier Millionen Euro teurer werden, vermutet der Geschäftsführer: „Wir gehen über alle Gewerke von 25 Prozent mehr aus.“ Unter Umständen müsse die Maßnahme neu kalkuliert werden. „Im Außenanlagenbereich ist die Situation nicht so krass wie bei Heizung, Sanitär und Holz. Da müssen wir noch mal genau analysieren, inwieweit wir die Mieten halten können“, so der Geschäftsführer. Falls nicht, gehe es darum, einen Weg zu finden, die Förderbedingungen der Geldgeber noch mal zu verbessern. Andernfalls müsse das Unternehmen überlegen, „ob wir sagen, das Projekt ist uns so viel wert, dass wir in der Anfangszeit Verluste in Kauf nehmen.“

Es müsse wieder mehr für den deutschen Markt in Deutschland produziert werden, findet Bauunternehmer Seiler. „Da muss die Politik mal einschreiten.“ Kleinböhl sieht es ähnlich: „Wir dürfen nicht mehr so stark vom Ausland abhängig sein.“ Um dem Rohstoffmangel entgegenzuwirken, müssten auch mehr Baustoffe aus Recyclingmaterial oder Naturprodukten wie Muschelkalk verwendet werden.

Die Serie

Bauen und Wohnen wird immer teurer. In Speyer ist der Markt seit Jahren angespannt. Gerade bei Wohnungen im unteren Preissegment übersteigt die Nachfrage das Angebot bei Weitem. Dieser RHEINPFALZ-Report beleuchtet die Probleme, Perspektiven und Lösungsansätze.

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