Speyer
Stadtleben: Üble Attacke und adventliche Genüsse
„Superbauer“: Plötzlich berufsunfähig
Michael Bauer ist kein Mann für hinter den Kulissen. Der Schrotthändler und Entrümpler mit eigenem Unternehmen in Speyer tritt gerne als „Superbauer“ auf und beschenkt Kinder, wie zuletzt zum Nikolaustag. In den sozialen Medien berichtet er darüber ebenso wie kürzlich über einen ganz besonderen Fund in der Speyerer Altstadt, als er bei einer Haushaltsauflösung einen komplett erhaltenen historischen Friseursalon entdeckte.
Zuletzt waren Bauers Nachrichten bei Facebook jedoch bedrückter als sonst: Ende voriger Woche war sein Lastwagen mit Kran in Otterstadt in Flammen aufgegangen und komplett zerstört worden. Schaden laut Polizei: 20.000 Euro. Bauer ist untröstlich: Mit dem Vorfall sei er „von heute auf morgen berufsunfähig“. Der Lkw sei seine Existenzgrundlage. Er brauche ihn für alle seine Transporte und habe keinen zweiten. Erst vor acht Wochen habe er sein früheres Fahrzeug durch das weiße, genau auf seine Zwecke angepasste Schmuckstück ersetzt.
Dass auch einiges an Werkzeug ein Raub der Flammen wurde, sei das kleinere Übel, sagt Bauer. Er habe den neuen Wagen noch nicht abbezahlt gehabt. So bleibe ihm nun nichts anderes übrig, als auf Geld von der Versicherung zu warten. Dass es für einen Ersatz reicht, bezweifelt er sehr. „Und es ist derzeit sehr schwierig, an einen Lkw zu kommen, vor allem an einen mit Kran, wie ich ihn benötige“, so Bauer. Der 43-jährige Familienvater und Unternehmer geht von Brandstiftung aus und hat auch einen Verdacht. Die Kripo ermittelt. Ein Lichtblick vor einem ansonsten traurigen Weihnachtsfest sei da der Zuspruch, den er seit der Tat erhalte. Konkret hat etwa sein Freund Claudio Cantali, der wie er bei speziellen Anlässen im Superhelden-Kostüm auftritt, eine Hilfsaktion initiiert. Die Details stellt er auf seiner Facebook-Seite „Spiderman – ein Herz für Kinder“ vor.
Woogbach: Privater Weihnachtsmarkt
Hannelore Gürtler liebt Weihnachtsmärkte, ganz besonders den in Speyer. Regelmäßig hat sie ihn mit Familie und Freunden besucht. Bis die Pandemie diesem Vergnügen 2020 ein jähes Ende bereitet hat. „Wenn es keinen Weihnachtsmarkt in der Stadt gibt, baue ich mir einen“, hat sich die Speyererin gedacht – und die Idee auch gleich in die Tat umgesetzt. Auch in diesem Jahr glitzert und strahlt ihr Garten wieder adventlich. Nicht nur Gürtler ist der Meinung: Er ist eine gute Alternative zum 2021 zumindest zeitweise wieder angebotenen Markt in der Innenstadt. Eine Woche Arbeit und auch etwas Geld habe sie investiert für ihren eigenen Weihnachtsmarkt, sagt sie. Das Schmücken habe sie stets unterbrechen müssen, wenn ihre Hände klamm geworden seien.
Es hat sich gelohnt. Sterne und Augen leuchten im Garten am Woogbach. Ein „echter“ Weihnachtsmarkt-Besuch in der Stadt sei ihr vor allem für ihre 92-jährige Mutter zu riskant gewesen, erklärt Gürtler. Inzwischen hat sie einige Stehtische angeschafft für gemütliche Abende mit Familie und Nachbarn bei Glühwein sowie Bratwurst. „Mit Abstand und jeweils maximal drei oder vier Besuchern ist unser Weihnachtsmarkt vor Corona-Ausbrüchen sicher“, betont die Urheberin. Sie ist sich sicher: „Die Eingeladenen genießen den Advent im meinem Garten mehr als gedacht.“
Ehrensache, dass auch in ihrem Haus alles auf Weihnachten eingestellt ist. Die von der Mutter vor Jahrzehnten selbst hergestellte Krippe ist möbliert und mit Tiroler Naturfiguren ausgestattet. Drinnen und draußen glänzt und duftet es bei Gürtlers nach Weihnachten. Ihr Weihnachtsmarkt habe in der Pandemie für mehr Lebensfreude gesorgt und gegen Vereinsamung gewirkt, ist sie überzeugt.
Gürtler will den privaten Markt auch künftig – unabhängig vom Virus-Geschehen – in der Adventszeit aufbauen. Eine weitere Entscheidung ist gefallen: „Er bleibt bis zum 9. Januar“, kündigt sie weitere gemütliche Treffen im Garten über den Jahreswechsel hinaus an. „Wie sonst beim Weihnachtsmarkt in der Stadt.“
Freundinnen: Jeden Tag auf dem Weihnachtsmarkt
Was wurde diskutiert über den Weihnachtsmarkt in Speyer! Er war gut besucht und ist nun seit Samstag beendet. Etliche Stammbesucher vermissen ihn schon. Vier Freundinnen haben sich zum Beispiel mit einem Brief bei der Redaktion gemeldet: Sie wollen der Oberbürgermeisterin und den Schaustellern des Weihnachtsmarktes dafür danken, dass sie trotz aller Widrigkeiten und Einschränkungen ein attraktives Angebot auf die Beine gestellt haben. Als Beleg legen sie ein Foto von sich auf dem Markt bei.
Elisabeth Walter berichtet quasi als Sprecherin der vier Damen, dass diese gemeinsam auf ein stolzes Alter von 250 Jahren kommen. „Keine Selbstverständlichkeit“ sei ein Weihnachtsmarkt in diesem Jahr, sagt Walter.
Sie und ihre Freundinnen hätten das Angebot genossen – und das jeden Tag, wie sie betonen. Sie hätten sich jeweils zwischen 13 und 15 Uhr auf dem Markt getroffen. „Am Tag, an dem das Foto aufgenommen wurde, sind zwei von uns noch Schlittschuh gefahren“, berichtet Walter. Und noch eines ist ihr wichtig: Die Masken hätten sie nur zum gemeinsamen Glühweintrinken abgenommen.