Speyer
Speyer: Martin Eckrich stellt seiner Arbeiten zum „chinesischen Weg“ in der Städtischen Galerie aus
Aus seinen beiden Aufenthalten im vergangenen Jahr und von Februar bis April 2019 in der südchinesischen Stadt Ningde hat der Künstler die Ausstellung entwickelt.
Der Schifferstadter Künstler Martin Eckrich hat das Reich der Mitte entdeckt. Aus seinen beiden Aufenthalten im vergangenen Jahr und von Februar bis April 2019 in der südchinesischen Stadt Ningde hat er die Ausstellung „Der chinesische Weg“ für die Speyerer Städtische Galerie entwickelt. Sie beleuchtet alle Aspekte einer fremden Welt.
„Wow“, entfährt es dem Betrachter beim Anblick der schrillen, komischen, bizarren und tiefernsten Szenen, die Eckrich in allen Ausstellungsräumen meisterlich inszeniert. Seine Geschichten aus der chinesischen Gegenwart sind komisch und erschreckend, sie erzählen vom Alltag, von Religiosität, Überwachung, Sexualität oder dem Umgang mit Sterben und Tod. Eckrich folgt keinem Klischee, beurteilt nicht.
Alles ist ernst gemeint
„Alles ist ernst gemeint, obwohl es nicht immer so aussieht“, sagt er. In rund 250 ganz unterschiedliche Zeichnungen, Installationen, Gemälden und Objekten zeigt der Künstler eindrucksvolle Porträts, Landschaften, Straßen- und Tempel-Szenarien, Sonnenanbeter, Tanzende oder Drachen-Darstellungen. Sie seien sämtlich im Atelier in Ningde entstanden, betont er. Eckrichs Bilder hängen an den Wänden und von roten Fäden gehalten frei im Raum. Sie bilden ein Labyrinth, weisen den Weg, halten den Blick stets fest.
Anfang und Ende des chinesischen Wegs bilden zwei beeindruckende Frauen-Holzskulpturen. Die „Vogelfrau“ und die „Windfrau“. Erstere ist weihnachtlich geschmückt, der Kopf steckt im geöffneten Vogelkäfig. Aus dem Kopf der Windfrau ragen Ventilatoren, die bei ihr offensichtlich Kopfzerberechen auslösen. Mit den Skulpturen betont Eckrich das Körperliche, Sexualität, Verlangen bis zur Erlösung.
Chinesen feiern die Feste wie sie fallen, egal welchen religiösen Ursprung sie haben, erklärt Eckrich den Weihnachtsschmuck, der in der Ausstellung immer wieder zu finden ist und den geschmückten Tannenbaum. „Sie machen das, weil sie es schön finden“, ist Eckrichs Antwort auf das Phänomen.
Erlebnis für alle Sinne
Als Gastprofessor hat der Schifferstadter chinesischen Kunststudenten europäisches Kunstverständnis näher gebracht und dabei selbst viel gelernt über Leben und Kunst in China. Entstanden sind daraus beispielsweise Gewächse aus der Erde zum Licht oder Installationen, die ständige Überwachung symbolisieren. Kameras seien für Chinesen kein Problem, vielmehr dienten sie ihrem Schutz, beschreibt Eckrich die positive Einstellung zur Rund-um-Kontrolle. Er selbst habe sich nicht wirklich frei gefühlt, erklärt er entsprechende Zeichnungen. Vergessen wird er seine chinesischen Impressionen nicht. In Eckrichs China einzutauchen, ist ein Erlebnis für alle Sinne.
Kritisch setzt sich der Künstler mit Abfall und fehlendem Umweltschutz-Gedanken in China auseinander.
Bunt und begeisternd
Die Ausstellung ist bunt, grell, überbordend, faszinierend, begeisternd. Um sie in sich aufzunehmen braucht der Betrachter Zeit. Am Besten schaut er mehrmals in die Städtische Galerie. Dann kann er auch Eckrichs Skizzenbücher lesen, hölzerne, tönerne und malerische Details entdecken, dem Gesamtkunstwerk des chinesischen Wegs im eigenen Tempo nachspüren und dem Chinesen zuschauen, der am Ende den ganzen Dreck wegfegt.
Ausstellung
Vom 16. August bis 22. September in der Städtischen Galerie, Kulturhof Flachsgasse 3, Speyer. Geöffnet donnerstags bis sonntags zwischen 11 und 18 Uhr. Eröffnung ist am Freitag, 16. August, 18 Uhr. Einführung: Detlof Graf von Borries. Es gibt eine Performance von Martin Eckrich und Lömsch Lehmann: „Der Monolog des alten Weisen“ aus der gleichnamigen chinesischen Oper.