Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Sorgenkind Waldboden: Wenn der Vollernter bleibende Eindrücke hinterlässt

Speyerer Stadtwald nahe des Brennholzplatzes: Totholz bleibt liegen, so dass die Nährstoffe wieder in den Waldboden gelangen kön
Speyerer Stadtwald nahe des Brennholzplatzes: Totholz bleibt liegen, so dass die Nährstoffe wieder in den Waldboden gelangen können. Andernorts droht hingegen eher eine Überdüngung.

Waldboden ist „Boden des Jahres 2024“ – und ein Sorgenkind. Überdüngung, Schadstoffeinträge und Verdichtung sorgen dafür, dass er seine Funktion häufig nicht mehr ausreichend erfüllen kann. Auch in Speyer macht sich der Einfluss des Menschen bemerkbar – im Schlechten wie im Guten.

Liest man die lange Liste möglicher Gefährdungen des Waldbodens, die Martin Greve von der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz diese Woche im „Media-Tor“ bei der städtischen Reihe „Wald der Zukunft“ vorgelegt hat, es könnte einem angst und bange werden um den Untergrund der heimischen Wälder: Versauerung, Nährstoffanreicherung, Schwermetalle, organische Schadstoffe, per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS, sogenannte Ewigkeitschemikalien), Humusabbau, Erosion, Verlust an Boden-Biodiversität, Versiegelung und Verdichtung. Keine Frage, der Waldboden steht unter Stress.

Bei Sandböden, die im nördlichen Speyerer Stadtwald überwiegen, spielt die Befahrung bei der unerwünschten Bodenverdichtung eine gewichtige Rolle, wie Greve erklärt. Versuche in Merzalben (Kreis Südwestpfalz) zeigten demnach auch nach 30 Jahren noch eine schlechtere Durchlässigkeit betroffener Flächen für Wasser und Luft sowie eine ausbleibende Regeneration aufgrund des geringen Tonanteils. Zumindest bei Durchwurzelung und mikrobieller Besiedlung seien keine Schäden feststellbar, fügte der Experte hinzu.

Was die Folgen der Befahrung angeht, trifft es sich gut, dass der Speyerer Stadtrat jüngst den Verzicht auf den Einsatz schwerer Maschinen (Vollernter) beschlossen hat.

Totholz bleibt im Wald liegen

Beim Nährstoffhaushalt des Waldbodens sei ein Gleichgewicht anzustreben, betonte Greve. Das schreibe für den Staatswald, der rund 25 Prozent der Wälder im Land ausmacht, eine 2017 erlassene Richtlinie vor. Kommunen und Privatwaldbesitzer seien gut beraten, sich an diesem Prinzip zu orientieren, auch wenn es für diese nicht bindend sei, erklärte der Fachmann.

Der neue Leiter des Forstreviers Speyer, Simon Henrich, sagte, dass er die Kronen gefällter Bäume in der Regel im Wald belasse. Dadurch sowie durch die Ausweisung sogenannter Biotop-Bäume, die in fortgeschrittenem Stadium Totholz bilden, halte sich der Entzug von Biomasse und Nährstoffen durch die Holzernte in engeren Grenzen. Wobei der nördliche Stadtwald pro Fläche deutlich weniger Holz aufweist als die Wälder im Landesdurchschnitt.

Inwiefern umgekehrt der Eintrag von Nährstoffen wie Stickstoff und Phosphor über die Luft – Quellen sind vor allem die Landwirtschaft und der Straßenverkehr – zur Überdüngung der Waldböden führen, ist in Bezug auf Speyer nicht erforscht, wie Greve im Gespräch mit der RHEINPFALZ ausführt: „In Dudenhofen untersuchen wir bereits seit einigen Jahrzehnten die Verhältnisse an mehreren Standorten.“ Die Anregung der Speyerer Umweltdezernentin Irmgard Münch-Weinmann (Grüne), auch den Stadtwald in das Forschungsprogramm aufzunehmen, begrüßte der Experte.

Zwischen Nährstoffarmut und Überdüngung

Laut Greve sind die Böden im Raum Speyer überwiegend der mittleren und der zweithöchsten von fünf Vulnerabilitätsstufen zuzuordnen. Diese Stufen bezeichnen das Ausmaß der Anfälligkeit für Nährstoffverluste und Humusverarmung. An einigen Standorten, so der Fachmann, sei eine Kalkung des Bodens als Gegenmaßnahme ratsam. Denn niedrige pH-Werte verringerten die Verfügbarkeit vieler Nährstoffe für Pflanzen. Jedoch sei gerade der geringe Nährstoffgehalt des Bodens an Standorten wie den Sanddünen zwischen Speyer und Dudenhofen aus naturschutzfachlicher Sicht zu begrüßen, betonten Jürgen Walter und Christoph Kohler als Mitglieder des Naturschutzbeirats.

Der Speyerer Auwald steht übrigens weder aktuell noch künftig im Fokus der Bodenkundler, jedenfalls in Bezug auf den Nährstoffhaushalt. „In Auwäldern gibt es durch Hochwasser immer wieder hohe Nährstoffeinträge“, sagte Greve. Insofern erübrigten sich dort Untersuchungen.

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