Speyer
Prostituierte in Corona-Nöten: Zukunftsängste in Bordellen
Inhaberin Laura hat sich der bundesweiten Kampagne „Redlight On“ angeschlossen und am Donnerstag einen Tag der offenen Tür organisiert. „Wir könnten sofort öffnen“, betont sie. Ein Hygienekonzept liege vor. Aber weder das noch ihre gültige Konzession helfen der Bordellbesitzerin weiter: Die Corona-Auflagen untersagen den Betrieb.
Vor neun Jahren ist die Inhaberin vom Ziegelofenweg in die Lönnebergastraße gezogen. Das Rotlicht-Gelände gehört ihr. „Die Kosten laufen weiter“, berichtet sie von schweren Zeiten. Vor der Pandemie hätten an Wochenenden bis zu 20 Frauen, etwa ein Drittel aus Deutschland, rund 60 Prozent Rumäninnen, aber auch einige aus Spanien, Ungarn und Polen, bei ihr gearbeitet. Zehn „Arbeitszimmer“ stehen zur Verfügung, alle von Laura selbst gestaltet. Themen: von der Toskana über Afrika und Asien bis zum Blumenmeer.
„Legal, alarmgeschützt und sicher“
Alle Räume sind mit Waschbecken, zwei mit „Pooloasen“ für vier Personen ausgestattet. Auch die Panoramadusche bietet Platz für vier. „Zu uns kommen auch Paare“, sagt Laura. Sie könnten sowohl ein Zimmer für sich alleine als auch mit Sexarbeiterin buchen. „Früher hatten wir auch einen bisexuellen Mann im Programm.“ Diesen Zuwachs hätten die Frauen jedoch nicht akzeptiert.
Laura kennt das Gewerbe. Sie hat früher selbst als Prostituierte gearbeitet. „In meinem Haus sind die Frauen legal, geschützt und sicher“, betont sie. Neben jedem Bett sei eine Alarmanlage. „Unsere Gäste wissen sich zu benehmen.“ Die Abläufen täglich von 9 bis 6 Uhr am nächsten Morgen seien durchweg ruhig.
Das kann Violetta bestätigen. Die Hausdame ist eine der sechs festangestellten Beschäftigten. Sie versteht das Arbeitsverbot nicht: „Bei uns gab es auch vor Corona Hygiene- und Sicherheitsvorschriften.“ Violetta empfängt die Gäste an der Tür, fragt nach ihren Wünschen, erklärt die Hausregeln und begleitet sie in die Bar, zur favorisierten Sexpartnerin oder in den Aufenthaltsraum. „Nach jedem Verkehr wird gelüftet und desinfiziert“, versichert sie.
Warnung vor ungeschützten Strukturen
Lauras Geschäftsführer, der seinen Namen nicht nennen will, befürchtet, dass Corona das Prostituiertenschutzgesetz von 2017 aushebeln könnte. „Ein Markt voller ungeschützter Strukturen in Ferienwohnungen und Billighotels ist bereits entstanden“, warnt die Bordellbesitzerin vor illegaler Prostitution. Bei Laura arbeiten die Frauen selbstständig, handeln die Preise für ihre Dienstleistungen aus. „Für 10 Euro können sie im Privatbereich unseres Hauses übernachten“, sagt Laura.
Die Frauen arbeiteten vielfach in ganz Deutschland, erklärt sie. Eine aus der unmittelbaren Umgebung buche sich einmal wöchentlich bei „Lauras Girls“ ein, eine andere arbeite nur nachts. „Alle fragen ständig nach, wann es endlich wieder losgeht.“ Alle hätten Zukunftsängste. Generell stehe bei „Lauras Girls“ einem Start unter Pandemie-Bedingungen nichts entgegen. „Praktiken wie alles Orale funktionieren derzeit nicht“, räumt sie ein. „Aber das ist kein Hinderungsgrund.“
RHEINPFALZ-Kommentar von Ellen Korelus-Bruder
Schnell prüfen
Gut 300.000 angemeldete Frauen verdienen ihren Lebensunterhalt im deutschen Rotlicht-Milieu. Seit März sind sie auf null gesetzt. Verbote verhindern Prostitution nicht, können sie aber kriminalisieren, Zuhältern wieder Tür und Tor öffnen und Erfolge des Prostitutionsschutzgesetzes zunichte machen. Der Graubereich in der Sexarbeit wächst bereits wieder. Deshalb müssen vorliegende Hygienekonzepte schnell und ernsthaft auf ihre Alltagstauglichkeit im Bordell geprüft werden.