Speyer
Patricks Woche: Unentspannt im Advent
Unentspannt: Themen im Advent
Wer ohnehin der These zuneigt, dass der Advent alles andere sei als die eigentlich gewünschte besinnliche Zeit der Vorbereitung aufs Weihnachtsfest, der sieht sich bestätigt: Auch im Jahr 2021 ist es für viele mal wieder keine Zeit der Stille. Es ist eher eine spürbare Unruhe, die sich derzeit an allen Ecken und Enden Bahn bricht. Die Corona-Inzidenzen sind seit Wochen problematisch, die Vorkehrungen werden erhöht, über vieles wird kritisch debattiert. Hochumstritten war zum Beispiel, wie lange der Speyerer Weihnachtsmarkt offen bleibt. Die einen fanden es unmöglich, dass er überhaupt geöffnet war, die anderen gingen gerne hin. Jetzt soll am 18. Dezember Schluss sein. Besinnlich klingt das irgendwie alles nicht.Die RHEINPFALZ-Lokalredaktion ist ebenfalls nicht als Hort der Besinnlichkeit bekannt. Die Nachrichtenwelt dreht sich unablässig, und auch die Reaktionen auf Nachrichten sorgen für Beschäftigung. Gerade in unruhigen Zeiten verwundern sie gelegentlich. Beispiel Weihnachtsmarkt: Die eher knappe journalistische Erklärung, warum die Buden mit dem Rücken zur Maximilianstraße ausgerichtet sind, war vor einigen Wochen tagelang der bei rheinpfalz.de mit Abstand am meisten geklickte Beitrag.
In dieser Woche beschäftigte die „Datenpanne am Impfbus“, als dieser auf dem Berliner Platz gastiert hatte. In Leserbriefen und auffällig dünnhäutig auch von Seiten der Verantwortlichen wurde mehrfach gefragt, warum die RHEINPFALZ darüber berichte. Das sei doch keine Werbung für das Impfen und damit schlecht. Nun, da sind wir wieder bei so einem Thema für unterschiedliche Meinungen. Die Redaktion sieht es für sich so: Sie zeigt die Bedeutung der Impfungen gegen das Virus journalistisch auf und schreibt oft über den tollen Einsatz in Speyer. Das heißt allerdings nicht, dass sie negative Aspekte auslässt. Für uns gehört das zur Glaubwürdigkeit – und beim Großimpfen gehört eben auch der Datenschutz zu idealerweise 100 Prozent dazu.
Unzufrieden: Helfer für Initiative
Nicht nur ganz Speyer freut sich auf die Zeit nach Corona, so die denn irgendwann kommt. Vielleicht ist es ja 2027 soweit, wenn Speyer gerne die Landesgartenschau ausrichten möchte. Die Konkurrenz mit fünf Mitbewerbern ist groß. Und dass sich ganz Speyer auf die Zeit der Landesgartenschau freut, ist nicht zu behaupten. Eine Bürgerinitiative sammelt eifrig Unterschriften gegen das Projekt. Sie hat in dieser Woche mit der Wählergruppe SWG einen Unterstützer aus der organisierten Politik erhalten. Die gehört im Stadtrat der Mehrheitskooperation mit der CDU und den Grünen an. In der Gartenschau-Frage ist sie sich mit den Partnern aber ebenso wenig einig wie mit der Verwaltung. Und so gibt’s in ihrer Solidaritätsbekundung für die Bürgerinitiative den doch etwas populistischen Vorschlag, man könnte statt in die Schau doch etwa in Lüftungsgeräte für Schulen investieren. Ist ja mal ein Vorschlag, aber dazu gibt es ein ganz entspanntes Aber: Einer sachlichen Debatte ist eine solche Vermischung ganz unterschiedlicher Themen nicht dienlich.
Unzertrennlich: Garantie für Ehen
„Haben Sie denn überhaupt nichts mehr mit ihrer Frau gemeinsam?“, fragt der Scheidungsrichter. „Doch, wir haben am selben Tag geheiratet.“ Diese Szene kommt in Speyer angeblich selten vor, denn einer Nachricht aus dieser Woche zufolge halten in der Domstadt geschlossene Ehen mit am längsten. In der erwähnten Datenauswertung ist Emden mit einer Rate von 0,78 Scheidungen pro Eheschließung Deutschlands Scheidungshochburg. Ludwigshafen mit 0,71 folgt auf Platz zwei. Speyer hingegen liegt mit Ulm und Coburg am anderen Ende der Skala. Quote: 0,19 Prozent.Ins Verhältnis gesetzt werden offenbar in der Stadt geschlossene Ehen und in der Stadt vollzogene Scheidungen, aber mit Details halten sich die Autoren der Studie zurück. Eine Rolle könnte spielen, dass Speyers Standesamt eine hohe Anziehungskraft auf Paare auch von außerhalb ausübt. Wo sich diese dann gegebenenfalls scheiden lassen, steht in einem anderen Buch. Sei’s drum: Das hiesige Standesamt wirbt tatsächlich damit, dass in der Domstadt geschlossene Ehen statistisch gut halten. Vielleicht ist es ja eine sich selbsterfüllende Prophezeiung, was auch recht wäre. Zur Ursachensuche könnte man nun hinter Haustüren schauen oder lieber mutmaßen: Pfälzer sind halt entspannter.
Unverzichtbar: Speyerer in Berlin
Kürzlich war es Thema in dieser Kolumne: Der damalige Regierungssprecher Steffen Seibert hatte philosophiert, dass er als früherer Moderator ein Rückkehrrecht zu seinem Arbeitgeber ZDF auch bekommen hätte, „wenn ich Landrat in Speyer geworden wäre“. Nun ist klar: Ohne Speyer geht’s nicht, wenn das Land gelenkt und erklärt werden muss. Da ist einmal Ministerin Anne Spiegel von den Grünen, die für ihre Aufgabe in Berlin aber umziehen will. Und mit Wolfgang Büchner stammt auch der neue Vizeregierungssprecher aus Speyer. Ob er kritische Journalistenfragen in Zukunft pfälzisch entspannt abmoderieren kann? Vielleicht kommen dem Medienprofi viel eher die Fähigkeiten zu Gute, die er als streitbereiter Chefredakteur etwa des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ gezeigt hat.
Unverhofft: Erinnerung an einst
Entspannt zu bleiben ist manchmal leichter gesagt als getan. Und doch: Ich bemühe mich. Wie in diesem Zusammenhang die Erinnerung zu werten ist, die mir der dienstliche Outlook-Kalender diese Woche geschickt hat, muss ich noch überlegen – so es denn mal eine ruhige Minute gibt. „Seit 87 Wochen fällig“ stand jedenfalls an der Terminmeldung, die auf dem Bildschirm ganz plötzlich – und wie ich meine erstmals – aufgeploppt ist.