Speyer
Patricks Woche: Speyerer Spezialitäten
Corona-Vorbeugung: Kein Miteinander
Die traurige Marke von 2000 Corona-Infektionen in Speyer ist in dieser Woche genommen worden. Die Pandemie geht auf ein Jahr zu. Es wird mal wieder um das richtige Maß zwischen Lockdown und Lockerung gerungen. Der Einzelhandel macht gute Miene zum bösen Spiel und versucht ab Montag beim „Personal Shopping“, zumindest ein bisschen Geschäft zu machen und Kundenkontakte zu pflegen. Parallel sind mit dem Neustart in den Schulbetrieb auch wieder erste Entscheidungen zu Infizierten im Klassensaal zu treffen. Im Fall der Salierschule hat es dabei gerauscht zwischen der Stadt und den Gesundheitsbehörden von Land und Kreis: Die Stadt hätte gerne eine angeordnete Reihentestung für alle Kontaktpersonen gesehen, die andere Seite erachtete dies nicht als notwendig. „Unerlässlich“, konterte die Stadt per Pressemitteilung – und bot die Tests auf eigene Kosten an. Auch nach einem Jahr Pandemie gilt also in der Vorderpfalz: Wir sind uns einig, dass wir uns uneinig sind. Der Streit zwischen Stadt und Kreis um die Arbeit des für beide Gebietskörperschaften zuständigen Gesundheitsamts wirkt leider an allzu vielen Stellen nach. Keine Gemeinsamkeit gibt’s auch beim Thema Schnelltests: Gerade werden die Kapazitäten ausgebaut, und Stadt und Kreis marschieren getrennt. Hier ist die Kleinteiligkeit des Verwaltungszuschnitts in der Vorderpfalz eher Hemmschuh als Hoffnungsfunken.
Speyer-Spezialitäten: Keine Kostverächter
Speyer braucht keinen Kreis, um selbstbewusst zu sein. Speyer ist eine Marke. Und was für eine. Zum Speyerer Dom und zu der Speyerer Brezel kommt jetzt das „Speyerer Ei“. Essen kann man das allerdings nicht: Mit diesem Begriff wird der am unteren Ende des Hirschgrabens geplante Mini-Verkehrskreisel bezeichnet. Er ist umstritten. Die Stadt hatte für die Umgestaltung der Kreuzung lange mit neuen Ampeln geplant, ist dann aber zu besagtem Kreisel abgebogen. Der sagt nicht allen zu, weil schon vor seinem Bau Verkehrsprobleme vielerlei Art vorhergesagt werden. Manche davon haben mit der geplanten Form der künftigen Pflasterung zu tun. Die ist nämlich nicht ganz rund, sondern ein bisschen – naja, eiförmig eben. Planer Andreas Nolte hat im Bauausschuss die Bezeichnung „Speyerer Ei“ dafür geprägt. Beigeordnete Irmgard Münch-Weinmann hat mit „Speyerer Spiegelei“ sogar noch einen draufgesetzt. Der Stadtgärtnerei eröffnet das nun natürlich ganz neue Ideen für die Gestaltung dieses Bereichs. Und den anderen erst: Der benachbarte Imbiss „Curry-Sau“ kreiert den passenden Burger, und die Polizeiinspektion hat die passenden Begriffe für künftige Unfallberichte parat: Blechschaden mit Beschädigung des Kreisels? Rührei. Zusammenstoß mit einem Lada? Russisches Ei. Mit ausgelöstem Airbag? Gedämpftes Ei. Da es künftig keine Wartezeit an der Ampel mehr gibt, fällt aber zumindest das Sieben-Minuten-Ei weg …
Baustellen-Planung: Keine Notwendigkeit
Unten am Hirschgraben wird bald gebaut. Am oberen Ende der Straße ist es schon soweit: Hier mündet die historische Fußgängerbrücke Viadukt in die Bahnhofstraße, deren Sanierung ansteht. Abgesperrt ist inzwischen seit eineinhalb Wochen, und erste Arbeiten liefen auf der anderen Seite, in der Burgstraße. In der Bahnhofstraße tat sich erstmals am Freitag dieser Woche etwas. Trotzdem durfte Tag für Tag auf dem Rad- und Gehweg keiner passieren – Schilder verbieten das, die Sperren sind gewissenhaft aufgestellt. Fußgänger müssen auf die andere Straßenseite ausweichen, Radler auf die vielbefahrene Straße. Nicht jeder hielt sich daran. Beide Gruppen von Verkehrsteilnehmern gibt’s in diesem bahnhofsnahen Bereich so reichlich, dass man sich gewünscht hätte, wenn die Stadt als Bauherrin an sie gedacht und die Sperren erst dann aufgestellt hätte, wenn an dieser Stelle wirklich gearbeitet wird. Klar ist es einfacher, das in einem Rutsch zu machen – aber hier hätte es sich wohl gelohnt, ein zweites Mal anzurücken.
Wahlkampf-Ärger: Kein Geschmack
Wer vor der Absperrung steht oder an der Ampel warten muss, hat aktuell immerhin die Chance, Wahlplakate zu studieren. 14 Tage vor der Landtagswahl sind sie alle verteilt. Für die Kandidaten sind sie wichtige Elemente im Corona-bedingt ruhigen Wahlkampf. Bei der Stadtverwaltung gab es jedenfalls keine großen Probleme damit. Pressesprecherin Lisa Eschenbach: „Es gab zwei Bürgerbeschwerden über falsch aufgehängte und aufgestellte Plakate. Das konnte aber rasch geklärt werden.“ In dieser Woche wurde es dann doch unruhig. Die Satirepartei „Die Partei“ war nämlich aktiv am Speyerer Straßenrand, etwa am Flugplatz oder in der Waldseer Straße. Ihre Plakatbotschaften „Nazis töten!“ und „Feminismus, ihr F…“, wobei das F als unfreundliches Wort über Frauen ausgeschrieben und mit einem Tampon-Bild garniert ist, empfinden Passanten als skandalös. Die Redaktion haben dazu gleich mehrere Beschwerden erreicht. „Ist das rechtmäßig? Auf welches Niveau begibt sich diese Partei?“, wird darin etwa gefragt. Es handelt sich natürlich um bewusste Provokationen, mit denen die Partei bei früheren Wahlen vor Gericht durchgekommen ist. Demnach sei etwa der Slogan mit den Nazis „durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt, zumal Die Partei argumentiert, er meine, dass Nazis Menschen töten“, so Eschenbach. Die Stadt hat dennoch das Land informiert. Prognose: An den Plakataufschriften wird sich nichts ändern, am Status quo aber auch nicht – die Partei ist nicht im Landtag vertreten.