Speyer
Neuer Ärztlicher Direktor am St.-Vincentius-Krankenhaus
Er gehe jeden Tag gerne zur Arbeit, betont Oliver Niederer. Gehen ist dabei wörtlich zu nehmen. Der Chefarzt wohnt mit Frau und Sohn ganz in der Nähe vom St.-Vincentius-Krankenhaus. Der 50-Jährige hat Speyer zur Wahlheimat erkoren. Geboren und aufgewachsen ist er in Kaiserslautern. Familiär vorbelastet, habe er dennoch erst nach dem Abitur Medizin als sein Berufsziel erkannt, erzählt er. „Anästhesie konnte ich mir zunächst nicht vorstellen“, räumt Niederer ein. Dass er doch da hängengeblieben ist, habe er keinen Tag bereut, betont er.
Studiert hat der Ärztliche Direktor in Mainz, Trier und München, promoviert 2001. Bis 2007 hat Niederer im Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern gearbeitet, ab 2008 als Ober- und Leitender Oberarzt im Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer. Nach einem weiteren Jahr als Chefarzt im Westpfalz-Klinikum, Standort Kirchheimbolanden, ist er am 1. Oktober 2019 als Chefarzt ins „Vincenz“ gekommen. Drei Monate lang hat er die Anästhesie-Doppelspitze mit Chefarzt Klaus-Peter Wresch gebildet.
Optimale Einarbeitung
„Das war ein richtig guter Übergang“, berichtet Niederer von optimaler Einarbeitung in den verantwortungsvollen Job, auch wenn er sich gleichzeitig harten Pandemie-Bedingungen stellen musste. „Die psychische Belastung war groß“, beschreibt er „grausame Situationen“: Er erinnert sich an Angehörige vor verschlossenen Türen und Patienten, die alleine gelassen worden seien.
Niederer ist froh, dass diese Zeit hinter ihm und seinem Team liegt. Ungenutzt hat er die Pandemie-Jahre nicht verstreichen lassen. Die Erweiterung der Intensivstation (IS) von 14 auf 20 Betten ist geplant, der Umbau der IS inklusive ganzheitlichem Musik- und Lichtkonzept bei laufendem Betrieb weit fortgeschritten. „Das Vinzenz wird gebraucht“, ist Niederer überzeugt und hat keine Angst um die Zukunft des Krankenhauses. Das christliche Leitbild mit Leben zu füllen ist für ihn Anspruch und Ansporn. Dieser Stellenwert habe für seine Entscheidung für das Vincenz den Ausschlag gegeben, betont er.
Längst angekommen
Schnell sei er mit dem Team zusammengewachsen, berichtet der Mediziner von der herzlichen Aufnahme des neuen Chefarztes und Ärztlichen Direktors in Klinik und Geschäftsführung. „Im Vincenz sind gutes Miteinander und wertschätzender Umgang auf allen Ebenen keine hohle Phrase“, sagt Niederer. Fachkräftemangel sei auch in dem Krankenhaus in katholischer Trägerschaft die momentan größte Herausforderung, räumt der Chefarzt ein. Viel in die Anbindung von Mitarbeitern mit Migrationsgeschichte zu investieren, habe sich bereits gelohnt. Zwischen diesen Mitarbeitern, Patienten und Kollegen seien besondere zwischenmenschliche Beziehungen entstanden: „Da kommt viel zurück.“ Der neue Ärztliche Direktor will nun seinen Arbeitsplatz ausbauen, sich seiner Zuständigkeit Krankenhaus-Hygiene widmen und die Freizeit in Speyer genießen.
Angekommen sei er längst in der Stadt, sagt Niederer. Am liebsten erkundet er sie auf dem Fahrrad und verbringt möglichst viel Zeit mit der Familie. Wenn genug vom Tag übrig bleibt, greift Niederer zur privaten Lektüre „außerhalb des Fachbuchs“.