Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Hochwasser: Wie das Speyerer THW in Niedersachsen hilft

Bereit: Helfer vor der Abfahrt nach Niedersachsen.
Bereit: Helfer vor der Abfahrt nach Niedersachsen.

Land unter in Norddeutschland: Hunderte Einsatzkräfte sind derzeit nach starken Regenfällen rund um die Elbe, Weser und Ems im Einsatz. Auch das Technische Hilfswerk (THW) aus Speyer sendet 18 Helfer in die Kleinstadt Sarstedt. Die haben gleich alle Hände voll zu tun.

Um 4 Uhr nachts kommen die Speyerer Helfer in Sarstedt an. Zeit zum Ausruhen bleibt nicht. Der Aufbau ihrer Geräte muss sofort beginnen. Vor Ort pumpen die Speyerer ein großes Regenrückhaltebecken frei von Wasser. Ansonsten drohen Teile der Kleinstadt im Kreis Hildesheim bei neuen Regenfällen überschwemmt zu werden. Um das zu verhindern, sind die Speyerer gemeinsam mit THWlern aus Frankenthal, Hauenstein und Lahnstein im Einsatz. Sie bilden das 48-köpfige „Kontingent Rheinland-Pfalz“, das zur Unterstützung nach Niedersachsen geeilt ist. Landesweit sind 3500 Kräfte des Technischen Hilfswerks im Einsatz. Hinzu kommen Zehntausende Feuerwehrleute und weitere Rettungskräfte.

Der Einsatz kam für die Helfer nicht ganz plötzlich: „Wir wurden am Ersten Weihnachtsfeiertag vom Landesverband in Mainz voralarmiert, dass etwas kommen könnte“, erklärt Pressesprecher Christopher Sohn. Der Alarm sei dann am Dienstag gegen 14 Uhr eingegangen. Dadurch habe man ein wenig Zeit gehabt, die Kräfte zu mobilisieren. Denn wer mitfährt, der muss auch einige Zeit verfügbar sein: Drei bis vier Tage soll der Einsatz der Speyerer dauern, sagt Sohn. Die Speyerer Helfergruppe vor Ort sei „bunt gemischt“, erzählt der Pressesprecher. „Wir haben Fluggerätmechaniker, eine Erzieherin, einen Versicherungskaufmann und einen Informatiker“, nennt er Beispiele.

Erster Hochwasser-Einsatz

Für die Freiwilligen ist es der erste Hochwasser-Einsatz des Jahres. „Wir hatten mehrere Starkregenereignisse“, erzählt Sohn mit Blick auf Einsätze etwa in Römerberg und Kaiserslautern. Bevor die Helfer Richtung Hochwassergebiet aufbrachen, trafen sie sich mit den anderen Rheinland-Pfälzern am Sammelpunkt in Neuwied zur Vorbesprechung. Erst hier wurde klar, wo die Reise genau hingehen sollte.

Die Kleinstadt Sarstedt im Kreis Hildesheim mit knapp 20.000 Einwohner kämpft wie viele Gemeinden in Niedersachsen mit Hochwasser. Der Fluss Innerste ist über die Ufer getreten, der Pegel hatte an Weihnachten mit 6,25 Meter die Meldestufe drei längst über schritten. Am Dienstag ist die Talsperre des Flusses im Harz vollgelaufen. Im Kreis gilt die Vorstufe zum Katastrophenalarm. Das nahe Dorf Ruthe ist zeitweise wegen überfluteter Straßen nur über einen Feldweg erreichbar, und es standen sogar Evakuierungen im Raum, wie die Hildesheimer Allgemeine Zeitung berichtet. Die Innerste mündet hier in einen anderen Fluss, die Leine, und sorgt so für eine besonders angespannte Hochwasserlage.

55.000 Liter Wasser pro Minute

Auch wenn die Pegelstände aktuell langsam sinken, kann Sarstedt die Hilfe aus Rheinland-Pfalz gut gebrauchen. 55.000 Liter Wasser pro Minute können deren Pumpen absaugen. Gearbeitet wird an drei Stellen. „Speyer hat die Einsatzleitung“, informiert Pressesprecher Christopher Sohn. Das heißt, vier Speyerer sind abgestellt und koordinieren. Während die Frankenthaler und Lahnsteiner beim Pumpen unterstützen, bilden die Hauensteiner die „Fachgruppe Elektro“ und arbeiten daran, den notwendigen Strom für die elektronischen Tauchpumpen zu liefern.

Als Sohn mit der Speyerer Delegation telefoniert, hatten die den Aufbau ihrer Pumpen geschafft und sich eine kleine, verdiente Pause gegönnt. „Die meisten haben gerade geschlafen“, informiert der Pressesprecher. Gearbeitet werde meist im Zwei-Schicht-Betrieb zu je zwölf Stunden. Viel Zeit, um erste Eindrücke von vor Ort zu schildern, blieb den Helfern da noch nicht. Denn neue Regenfälle sind durchaus denkbar. Bis zum Wochenende – vermutlich bis Samstag – bleiben die Speyerer vor Ort und pumpen weiter ab, sagt Sohn. „Danach kommt die Ablösung.“

Hochwasser: Die Innerste hat Gebiete im Landkreis Hildesheim überflutet.
Hochwasser: Die Innerste hat Gebiete im Landkreis Hildesheim überflutet.
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