Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Fußball: Experten aus Speyer zu Trainer-Entlassungen

Jüngstes Opfer: Jeff Saibene.
Jüngstes Opfer: Jeff Saibene.

Es entsteht der Eindruck, dass erfolgreiche Profitrainer immer schneller und früher entlassen werden. Das passiert nach Erfolgen, die erst wenige Monate zurückliegen (Doublesieger Niko Kovac von Bayern München, Domenico Todesco, Vizemeister mit Schalke 04) oder Coaches wie Markus Anfang (1. FC Köln) und Tim Walter (VfB Stuttgart) mitten im Aufstiegsrennen der 2. Liga. Jüngste Beispiele: Martin Schmidt (FC Augsburg) und Jeff Saibene (FC Ingolstadt). Was halten die Experten der Region von dieser Entwicklung?

Florian Kober, Sportlicher Leiter des Oberligisten FV Dudenhofen: „Grundsätzlich werden Trainer viel zu oft und zu schnell entlassen. Man muss aber vorsichtig sein, weil man als Außenstehender nicht mitkriegt, was abläuft. Dirk Lottner ist beim 1. FC Saarbrücken als Tabellenführer mit zwei Niederlagen bestimmt nicht entlassen worden, weil man Platz eins gefährdet sah. Da muss irgendwas passiert sein. Wenn bei einem Bundesligisten die Entwicklung über einen längeren Zeitraum nicht positiv ist, wird gehandelt. Es geht um viel Geld, und dann entsteht schnell Panik. Manchmal ist man sich untereinander eben einfach nicht grün“

Ralf Schmitt, Trainer von Oberligist TuS Mechtersheim: „Es wird definitiv zu früh entlassen. Man muss aber auf den Einzelfall schauen. Ein Trainer ist eben nur eine Personalie. Manchmal gibt es einen kurzfristigen Effekt. Oft kommen dann aber nacheinander mehrere Trainer, bei denen es auch nicht klappt. Wichtig ist dass die Führung im Verein, Sportliche Leitung, Trainerteam und Mannschaft gut zusammenarbeiten. Es haben zu viele Ahnungslose das Sagen. Der Trainer ist die einfachste Personalie. Es kommt aber auch auf Dinge wie Entwicklung oder Kommunikation an.“

Siegfried Dietrich, Vorsitzender des FV Heiligenstein: „Bei vielen Trainern ist der Trend da, etwas zu verändern. Und dann wird es nichts. Von Kovac war es nicht sinnvoll, Thomas Müller aufs Abstellgleis zu stellen. Er war der größte Leistungsträger. Kovacs Entlassung war nachvollziehbar. Hansi Flick war ein Topspieler, Kovac zwar auch. Flick aber sieht das. Jetzt ist Müller wieder bester Spieler. Stöger hat Köln hochgebracht und die Spieler im Griff gehabt. In Dortmund war es ein anderes Thema. Da hat er nichts dafür gekonnt. Es war nicht seine Mannschaft. Manchmal machen Trainerwechsel keinen Sinn. Manchmal kristallisieren sie sich heraus. Die Trainer müssen mit den Spielern umgehen können, damit die nicht querschießen. Bernhard Trares in Waldhof hat zum Beispiel Bundesliga-Erfahrung. Er hat was mit den Füßen gekonnt. Die Spieler wissen so etwas genau. Das ist auch in den unteren Klassen so. Da hat es in Kaiserslautern gefehlt. Trainer wie Tedesco, Markus Anfang und Achim Beierlorzer wurden zu schnell hochgejubelt. Manchmal ist ein Trainer aber auch einfach dem Manager oder den oberen Etagen nicht gut gebacken.

Marco Coppola (Co-Trainer TuS Mechtersheim): „Zuletzt war der Trend so, dass schnell agiert wird. Es ist nicht ein Phänomen von heute. Ob das immer die beste Lösung ist, weiß ich nicht. Manchmal gibt es einen Hallo-Wach-Effket, der dann zwei, drei, vier Spiele anhält, und dann ist alles wieder beim Alten. Viele Faktoren spielen eine Rolle, ob es passt oder nicht. Manchmal sind es interne Sachen. Achim Beierlorzer hatte in Köln keine Chance mehr. Mit Markus Gisdol läuft es seit Wochen. Wie es bei Werder Bremen läuft, finde ich gut.“

Jüngstes Opfer: Jeff Saibene.
Jüngstes Opfer: Jeff Saibene.
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