Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Fußball: Dudenhofens Edelfan Michael Malmer bei der EM

Höhepunkt für die Nationalmannschaft und ihren Edelfan: Michael Malmer bei der Weltmeisterschaft in Brasilien.
Höhepunkt für die Nationalmannschaft und ihren Edelfan: Michael Malmer bei der Weltmeisterschaft in Brasilien.

Michael Malmer ist in fast allen Stadien der Welt zu Hause. Wenn der FC Schalke 04 oder die Nationalmannschaft spielt, ist der Altdorf-Böbinger mit hoher Wahrscheinlichkeit dabei. Sein Zeichen: die Fahne, die jedem verrät, wo er herkommt.

Die Frage, ob Michael Malmer, Co-Trainer des Landesligisten FSV Schifferstadt, Partien der Europameisterschaft besucht, ist eigentlich rhetorisch. Denn darauf gibt es nur eine Antwort. „Klar, ich sehe definitiv alle drei Vorrundenspiele in München“, sagt Malmer.

Seit Ende der 1990er-Jahre fährt und fliegt er der deutschen Nationalmannschaft hinterher. Seit dieser Zeit hat er nach eigenen Angaben rund 90 Prozent der Länderspiele live verfolgt. Dabei haben sich im Laufe der Jahre die Prioritäten verschoben.

„Natürlich bin ich Fußballfan“, erklärt Malmer: „Aber das Spiel steht nicht mehr im Vordergrund. Es ist vielmehr die Reiselust, und ich verbinde den Trip immer auch mit dem jeweiligen Land“, sagt der 39-Jährige.In 67 Ländern sei er schon gewesen. In China, in den Arabischen Emiraten, in Brasilien, wo er 2014 die Weltmeisterschaft mit dem Urlaub kombinierte.

Viel sehen

„Auch auf den Malediven habe ich ein Fußballspiel gesehen“, erzählt Malmer, der mit Frau und Tochter in Altdorf-Böbingen wohnt. Im Oktober wird er zum zweiten Mal Vater. Ein Ziel sei es, möglichst viel von der Welt zu sehen. Mittlerweile kennt er etliche Gleichgesinnte, ist mit ihnen schon oft in den Stadien zusammengetroffen und hat Freundschaften geschlossen

Wenn Länderspiele im Fernsehen übertragen werden und die Kamera auf die Zuschauerränge schwenkt, dann ist häufig eine Zaunfahne mit der Aufschrift „Dudenhofen“ oder „Dudenhofens Sohn“ zu erkennen. Die gibt es seit 1997. Sie gehört Malmer und ist immer dabei. Gewaschen wurde die Kultfahne noch nie.

„Ich finde es cool, wenn ich meinen Heimatort repräsentieren kann“, sagt Malmer. In einer Zeit, in der fast alles mit irgendwelchen Vorschriften und Verordnungen geregelt sei, werde es immer schwieriger, Fahnen ins Stadion mitzunehmen. Malmer hat den Satz „Sie können mit der Fahne nicht rein“, schon öfter gehört. Was dann?

Immer Mittel

Der pfiffige Fußballer grinst: „Es gibt Mittel und Wege.“ Auslöser seiner Reise- und Fußballlust ist die Liebe zum FC Schalke 04. „Mein erstes Schalke-Spiel habe ich 1993 gesehen“, sagt Malmer.

Weit über 500 Bundesligaspiel der Königsblauen hat er erlebt, war beim Uefa-Pokalsieg der Knappen 1997 in Mailand dabei und begleitet die Schalker selbstverständlich auch in der Zweiten Bundesliga. Dann wird man „Dudenhofens Sohn“ auch in Heidenheim, Sandhausen oder Regensburg kennenlernen.

Schalke-Fan wurde er als kleiner Junge, weil ihn die euphorische Stimmung beim Bundesliga-Aufstieg 1991 so gefesselt hat. Zurück zur Nationalmannschaft: 14.000 Fans dürfen in der Allianz-Arena in München die EM-Spiele der deutschen Mannschaft verfolgen. Ist es da nicht schwer, an Karten zu kommen?

Ein Bekannter

„Beim Deutschen Fußballbund kennt man die Anhänger und ständigen Besucher der Länderspiele. Da gibt es ein gewisses Vorrecht, allerdings gibt es nur eine Karte“, erläutert Malmer. Vergleichsweise moderat seien die Preise für die Tickets der Vorrundenspiele.Trotzdem ist in all den Jahren ein hübsches Sümmchen für sein Hobby draufgegangen.

Die Zahlen nennt der Fußballfreak nicht, kennt sie vielleicht auch gar nicht. „Es ist nicht so viel, wie jeder denkt. Man muss berücksichtigen, dass wir als junge Kerle auch mal auf dem Flughafen übernachtet und auch sonst auf Preise geachtet haben. Es geht auch nicht so viel Urlaub drauf, wie man vermutet“, betont Malmer.

Er arbeitet als Vertriebsleiter im Holiday Park in Haßloch und fädelte zuletzt eine Kooperation mit dem FCK ein. Klar ist, dass man nicht zimperlich sein dürfe. 20 Stunden im Bus oder mit den Kumpels aus Karlsruhe und Stuttgart zu viert über Stunden im Auto spät nachts nach Hause zu kommen – das ist nicht jedermanns Sache.

Glück gehabt

Die Europameisterschaft 2020, die wegen der Corona-Pandemie nun ausgetragen wird, ist Malmers sechste EM. „Ich hatte Glück, weil bei den vorigen Turnieren Spiele in Belgien, den Niederlanden, in Österreich, der Schweiz, Polen und Frankreich ausgetragen wurden. Also jeweils in Nachbarstaaten“, erzählt Malmer.

Vorfreude auf das erste Duell der Deutschen am Dienstag gegen Weltmeister Frankreich sei bisher noch nicht aufgekommen. „Das liegt auch an der Pandemie, am Modus und den elf Austragungsorten in ganz Europa. Die Stadien sind nicht voll, man kann sich nicht so frei bewegen wie sonst. Das habe ich gerade beim Lettland-Spiel in Düsseldorf gemerkt.“ .

Nicht nur er wünscht sich, dass man irgendwann wieder zur Normalität übergehen könne. Wie es weitergeht, wenn Deutschland die Vorrundengruppe übersteht, ist völlig offen. „Es gibt keine Planungssicherheit, und es war noch nie so ungewiss wie in diesem Jahr“, sagt Malmer.

Wird Deutschland beispielsweise Gruppensieger, ist das Achtelfinale der Löw-Elf in Bukarest. Wenn zu Hause gebliebene Zuschauer bei der Fernsehübertragung die Zaunfahne „Dudenhofen“ entdecken, dann wissen diese, Michael Malmer ist dabei. Es wäre verwunderlich, wenn es nicht so wäre.

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