Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Die Frau für die „Marke Uni“

Neu an der Speyerer Universität: Taozhen Jenny Müller.
Neu an der Speyerer Universität: Taozhen Jenny Müller.

Früher war es die Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften, heute gibt es eine Universität in Speyer-West. Ein Grundproblem ist geblieben: Sie hat es nicht leicht, auf dem lauter werdenden Bildungsmarkt wahrgenommen werden. Sie hat nun erstmals eine Marketingleiterin, und die will das ändern: Taozhen Jenny Müller.

31 Jahre ist Taozhen Jenny Müller erst alt, aber ihre Aufgabe ist für sie nichts Neues. Erstens muss der Speyererin, die die Zeppelinschule und später das Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium besucht hat, niemand erklären, worum es geht. Sie drückte in Sichtweite der Uni die Schulbank, hatte aber „sonst keinen großen Bezug“ zu der Einrichtung, wie sie gesteht. So gehe es vielen in der Domstadt, das wolle sie ändern. Zweitens kennt sie sich aus im Hochschulmarketing. Die studierte Betriebswirtin und Sozialwissenschaftlerin war mit dieser Aufgabe schon am Fernstudienzentrum der Kaiserslauterer Uni und an der Hochschule Mannheim betraut. „Ich will die Uni Speyer zur Marke aufbauen“, definiert sie ihre Aufgabe.

Klauspeter Strohm ist froh, dass er Müller nun an seiner Seite hat. Er ist Abteilungsleiter in der Speyerer Uni-Verwaltung, Referent des Rektors und quasi nebenbei seit Jahren für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. „Klassische PR reicht in einer Zeit der sozialen Medien nicht mehr aus“, sagt der 53-Jährige. Das habe sich ebenso geändert wie der „Kundenkreis“ der Hochschule. Es ist nicht mehr wie in früheren Jahren, dass ihr Rechtsreferendare im Alleingang die Hörsäle füllen. Längst sind deshalb Masterstudiengänge hinzugekommen, mit denen die Speyerer im offenen „Wettbewerb um die besten Köpfe“ mitmischen, wie es Strohm ausgedrückt.

„Stück für Stück“

Müller will die Instrumente dafür „Stück für Stück aufbauen“. Zunächst habe sie die Homepage und deren Auffindbarkeit bei der Suchmaschine Google verbessert. Eine Kernfrage für sie: „Mit welchen Plattformen erreichen wir die Zielgruppen, mit welchen nicht?“ Sie wolle dabei vor allem als Dienstleisterin fungieren, das begrenzte Budget clever einsetzen und den einzelnen Bereichen der Uni die richtigen Instrumente an die Hand geben. Im Alleingang könne sie nichts verhexen. Das zeige sich schon daran, dass allein mehr als 1000 Internetseiten aktuell zu halten seien.

Die 130 Mitarbeiter der Uni haben schnell gemerkt, dass sie eine neue Unterstützerin haben, als Müller im April ihre 65-Prozent-Stelle angetreten hat. Gleich im Frühjahr kam die Einladung an alle zu einem Fotoshooting. Das textlastige Unimarketing früherer Jahre, als mit den Veröffentlichungen der Professoren um Fachpublikum gebuhlt wurde, könne heute nur noch ein Teil der Öffentlichkeitsarbeit sein, so Strohm. Bilder brauche es, um wahrgenommen werden, betont Müller, am besten bewegte. Da seien auch Juristen und Verwaltungswissenschaftler „nur“ junge Medienkonsumenten der Youtube-Generation. 400 Hochschulen in Deutschland mit rund 19.000 Studiengängen machen ihnen heute Angebote, in denen Speyer irgendwie gefunden werden muss. Gerade private Hochschulen gingen sehr aggressiv auf den Markt.

Die Studierenden fehlen

Dass sie mitten in der Corona-Zeit auf die neue Stelle gerückt sei, habe ihr den Start erschwert, gesteht Müller: „Es sind ja so gut wie keine Studierenden da.“ Der Kontakt zu den jungen Leuten sei für sie eigentlich extrem wichtig. „Beziehungsmanagement“ nennt Müller das. Sie wolle einen „Fuß in der Studentenwelt“ behalten. „Von ihnen bekomme ich alle Infos.“ Derzeit ist Vorlesungspause bis November. Es sieht danach aus, dass die rund 450 Hörer danach in das nächste digitale Semester geben. „In den Audimax dürfen wegen der Abstandsregeln nur 49 statt sonst 420 Personen, in den größten Hörsaal nur 20 statt 240“, beschreibt sie ein Grundproblem. Wenn wieder Präsenzveranstaltungen erlaubt sind, könnten auch öffentliche Termine oder so etwas wie eine „Kinder-Uni“ wirksame Marketinginstrumente sein, überlegt sie.

„Ich habe in meiner Studienzeit immer parallel gearbeitet, immer alles unter einen Hut gebracht“, berichtet Müller, die mit ihrem Ehemann in Speyer lebt. Dorthin war sie mit ihren aus China stammenden Eltern als Siebenjährige gekommen. Im BWL-Studium habe sie gemerkt, „dass mir Marketing sehr liegt“, und sich gezielt das Nötige angeeignet. Man soll künftig von der Uni hören, man soll von Taozhen Jenny Müller hören. Zu beider Nachteil wird es nicht sein.

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