Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Auch in der Energiepreis-Krise: Kunden bleiben „ihren“ Stadtwerken treu

Stromverbrauch: zuletzt wieder leichte Kostensenkungen.
Stromverbrauch: zuletzt wieder leichte Kostensenkungen.

Die Strom- und Gaspreise stehen seit Beginn des Kriegs in der Ukraine unter besonderem Druck. Lange zeigte die Kurve nur nach oben. Verbraucher gerieten in Probleme. Der Staat sprang mit Preisbremsen in die Bresche, die in diesem Jahr jedoch ausgelaufen sind. Was bedeutet das für die Kalkulation der kommunalen Energieversorger?

Das Jahr 2024 begann mit guten Nachrichten. Obwohl die Preisbremsen des Bundes für Strom- und Gaspreise über bestimmten Schwellenwerten wegfielen und die Mehrwertsteuer wieder von 7 auf 19 Prozent kletterte, haben die meisten Versorgungsunternehmen keine Tariferhöhungen vermeldet. Teilweise senkten sie sogar die Preise – zur Erleichterung der Kunden, die auf dem liberalisierten Energiemarkt die Auswahl haben und ganz genau auf die Konditionen schauen. Hintergrund: Die Großhandelspreise – neben Steuern, Abgaben und Netzentgelten der wichtigste Kostenfaktor – waren rückläufig.

Es gab jedoch gegenläufige Faktoren, erläutert Angela Parker, Sprecherin der Stadtwerke Frankenthal, einer der Kommunalversorger mit großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Städte der Vorderpfalz: „Die sinkenden Großhandelspreise für Erdgas wurden leider durch steigende Netzentgelte, Umlagen und die Erhöhung der CO 2 -Steuer wirkungslos. Die regulatorisch auferlegten Kostensteigerungen übersteigen die Einsparungen auf Beschaffungsseite.“ Eine Konsequenz darauf: Anders als für die rund 24.000 Strom-Kunden der Frankenthaler Stadtwerke konnte es für die rund 12.000 Erdgas-Bezieher zum 1. Januar keine Preissenkung geben.

Senkung im zweistelligen Prozentbereich

Beim Strom profitiere der durchschnittliche Frankenthaler Haushaltskunde von einer Preisreduzierung um 14 Prozent, berichtet Parker. Auch die Stadtwerke Speyer gingen beim Strom nach unten – um durchschnittlich 12 Prozent, wie Sprecherin Sonja Daum auf Anfrage berichtet. Die Technischen Werke Ludwigshafen (TWL) bleiben hingegen auf dem Niveau der letzten Erhöhung von Anfang 2023: Sie hielten „den Strompreis trotz der erhöhten Netznutzungsentgelte stabil“, betont Christina Horn, Leiterin der Unternehmenskommunikation. Änderungen seien nicht absehbar, aber „durch neue politische Vorgaben oder Veränderungen am Markt immer denkbar“.

Die Stadtwerke Speyer, einziger der drei befragten Versorger mit seiner Senkung auch der Gaspreise zu Jahresbeginn (um rund 10 Prozent), beschreiben eine Folge neuer Vorgaben: Die Rabatte zum 1. Januar müssten zum Teil schon wieder zurückgenommen werden, seit der Bund im Dezember an den Preiskomponenten geschraubt habe, weil er nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts auf frisches Geld für den Haushalt angewiesen ist.

Die nächste Erhöhung in den beiden Versorgungskategorien ist deshalb zum 1. März geplant – aber sie zehre die Senkung zu Jahresbeginn längst nicht komplett auf, betont Sprecherin Daum. In Frankenthal ist eine Preiserhöhung zum 1. April geplant. In Ludwigshafen steht hingegen noch ein Minus bei den Erdgas-Tarifen zum 1. Februar an. Diese Anpassung könne einem durchschnittlichen Haushalt bis zu 350 Euro Ersparnis ermöglichen, informiert Horn.

Langfristige Strategie

Einig sind sich die Kommunalversorger darin, dass sie Veränderungen der Preiskomponenten komplett an ihre Kunden weitergeben. Im Vergleich mit vielen privaten Konkurrenten halten sie sich aber eine moderate Tarifpolitik zugute. Christina Horn erläutert das für die TWL: „Durch die langfristige Energiebeschaffungsstrategie für das Privatkunden-Portfolio werden Preisschwankungen – nach oben wie nach unten – abgemildert.“ Die Stadtwerke Speyer betonen die Transparenz ihrer Preise und ihre Investitionen in erneuerbare Energien in der Region. Die Frankenthaler Werke rühmen sich, dass ihre Kunden von Einsparungen jeweils in vollem Umfang profitierten. Und: „Unsere versprochenen Preisgarantien halten wir selbstverständlich ein.“ Nicht allen privaten Konkurrenten war das etwa Ende 2022 möglich gewesen.

Sie seien mit dieser Politik 2023 gut gefahren, so die Unternehmen. Das zeige sich am Anteil versorgter Kunden vor Ort in den beiden Sparten. In Frankenthal ist von „leichten Kundenzuwächsen“ bei den Produkten mit Preisgarantien die Rede. In Speyer sagt Sprecherin Daum: „Die Kundenverluste bewegten sich bei Strom und Erdgas auf einem moderaten Niveau und nur unwesentlich höher als zu normalen Lieferjahren vor der Energiekrise.“ Es seien trotzdem Neukunden gewonnen worden. Die TWL in Ludwigshafen sprechen von einem 2023 stabil gebliebenen Abnehmer-Kreis. Sie hätten „kaum Kundenabwanderungen zu verzeichnen“.

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