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Mittwoch, 10. April 2019 Drucken

Speyer: Kultur Regional

Humor in Tüten

Die Kabarettistin Barbara Weinzierl mit ihrem Programm „Wir müssen reden! Sex, Geld und Erleuchtung 3.0“ im Speyerer Zimmertheater

Von Ellen Korelus-Bruder

Eine Fortsetzung wird gewünscht: Barbara Weinzierl im Zimmertheater in Speyer.

Eine Fortsetzung wird gewünscht: Barbara Weinzierl im Zimmertheater in Speyer. ( Foto: Lenz)

Intelligenten Humor in Tüten hat die Münchner Schauspielerin und Kabarettistin Barbara Weinzierl im Speyerer Zimmertheater abgeliefert. Mit ihrem Programm „Wir müssen reden! Sex, Geld und Erleuchtung 3.0“ hat sie die zahlreichen Besucher begeistert. Denn Barbara Weinzierls „One-Woman-Show“ mit Publikums-Einsatz hat auch auf der kleinen Bühne große Wirkung gezeigt.

Reden ist die Profession der Kabarettistin. Über alles, über jeden und mit jedem. Unablässig. Sie selbst bezeichnet sich als „Wordaholic“. Zu Recht. Ihr umfangreiches Drehbuch im Kopf, legt Weinzierl Finger in die Wunden deutscher Realität. Und sie improvisiert einfach großartig auf Zuruf.

Beispielsweise gerät ihr Vortrag über die Problemzone des Mannes abwechselnd auf Deutsch und eventuellem Chinesisch zum Lacherfolg. Zuschauerassistentin Claudia erhält für ihre Unterstützung zum Dank ein „Merci“-Ständchen und die entsprechende Schokolade dazu.

Weinzierl ist auch eine begnadete Verwandlungskünstlerin. Mit nur wenigen Requisiten aus den bereits erwähnten Papier-Einkaufstüten gelingt ihr der spontane Umstieg in ziemlich schräge Charaktere vor den Augen des Publikums. Eine ihrer Figuren zeigt sich stolz auf ihren Sohn, den Bachelor, dessen Hochschulabschluss sie fälschlicherweise mit dem Titelhelden einer TV-Show verwechselt. Mit der typischen Kappe auf dem Kopf rappt Weinzierl überaus authentisch „Meine Mudder“ dazu.

Die Kabarettistin verschließt sich neuen Technologien nicht. Mehr Angst als die künstliche Intelligenz mache ihr die natürliche Dummheit, sagt sie. Ihr Alter: „Seit Jahrzehnten gefühlte 27.“ Nur so könne sie in dieser Gesellschaft bestehen, erklärt Weinzierl. „Wenn eine Frau mit Ende 50 stirbt, war sie dazu viel zu jung, wenn sie in diesem Alter noch lebt ...“

Am liebsten bewegt sie sich auf „Ü-80-Partys“, trägt gerne spektakuläre Brillen und will keine Riester-Rente, sondern Riesters Rente.

Weinzierl sieht sich als Lebensberaterin. Gymnastikprogramme wie „Turne in die Urne“ oder „Stark in den Sarg“ hat sie zum gleich Ausprobieren dabei. Die Besucher turnen bereitwillig mit. Sie amüsieren sich köstlich beim Teigrollen Weinzierls mit kleinem Ausfallschritt. „Hinsetzen, Schultern hängen lassen, dumm schauen“: So beschreibt die Kabarettistin Ausrasten auf österreichisch.

Sie muss es wissen. Schließlich stammt Weinzierl aus unserem Nachbarland. Vier Hände gehen hoch, als sie ins Publikum fragt, wer bereits eine Erotik-Messe besucht hat. Für die Kabarettistin eine Selbstverständlichkeit im Auftrag ihrer Mission, auch über Sex zu reden.

Aus einer dezenten Papiertüte holt sie indianischen Intimschmuck, vegane Kondome und Handschellen für die umweltbewusste Domina. Besucher Hans zwingt Weinzierl in selbigen Handschellen zur Assistenz auf die Bühne und plaudert seine Lebensgeschichte in Beziehung zu Ehefrau Petra aus, bis sie aus Hans Sicht stimmt.

Weinzierls Mischung aus scharfzüngigem Rollenkabarett, gut angelegter Comedy und eindrucksvollem Impro-Theater ist wirklich sehenswert und die Fortschreibung „Wir müssen reden! Sex, Geld und Erleuchtung 4.0“ im Speyerer Zimmertheater zu wünschen.

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