Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Städtische Gebäude könnten jede Menge Energie einsparen

GEW-Chef Franz Heinrich.
GEW-Chef Franz Heinrich.

Als „Mordsaufgabe“ betitelte Franz Heinrich, Chef der EW Management , am Mittwoch die an ihn und seine Firma gestellte Erwartung der Stadt: Planung und Umsetzung der interkommunalen Zusammenarbeit zwischen Stadt und Kreis „auf dem Weg in die solare Kreislaufwirtschaft“. Klingt sperrig, ist es auch.

Kurz gefasst hat die GEW 51 Gebäude und Liegenschaften in Stadt und Kreis digital an eine Leitwarte angeschlossen. Dort kann im Viertelstundentakt der Energie- und Wasserverbrauch im Detail abgefragt werden. Das ist Basis für Einsparungen und Effizienzberechnungen für geplante Photovoltaik-Anlagen auf Hallen- und Schuldächern. Gleichzeitig ist es auch Grundlage, um ein sehr großes Einsparpotenzial in Stadt und Kreis umzusetzen.

Vor fünfeinhalb Jahren haben Stadt und Kreis als Gesellschafter die GEW gegründet − ausgestattet mit 3,7 Millionen Euro Fördergeldern und laut Geschäftsführer Heinrich mit nicht viel mehr als einem Büro und einem Computer. „Aufbau und Betrieb eines Energie- und Wassermanagements für die Liegenschaften einschließlich der Beschaffung von Energieerzeugungs- und Energiecontrolling-Anlagen“, nennt der Gründungsvertrag als Aufgaben. Dazu hat die Firma 290.000 Quadratmeter Nutzflächen in Stadt und Kreis kartiert, einen hohen Gesamtenergieverbrauch errechnet und herausgefunden, dass die registrierten Gebäude in kommunalem Besitz − Schulen, Sporthallen, das Feuerwehrgebäude und ehemalige Bürgermeisterämter in den Stadtteilen und Gemeinden des Kreises − im Schnitt aus dem Baujahr 1974 stammen. Laut Heinrich sind sie energetisch und von der Bausubstanz her meist massiv veraltet.

Haushaltsentlastung bleibt Wunschdenken

Regelmäßige Monitoring-Reports hat die GEW mit ihren mittlerweile zwölf Mitarbeitern erstellt, ebenso grafische Auswertungen inklusive ganz konkreten Vorschlägen zur Verbesserung der Betriebsführung gemacht − sprich, zum Einsparen. So wurden etwa das Berufsbildungszentrum Homburg technisch teilsaniert und auch die Lambsbachhalle im Homburger Stadtteil Kirrberg energetisch ertüchtigt. Regenerative Energien wie Photovoltaik-Anlagen sind laut Heinrich ein wichtiger Lösungsansatz, um beispielsweise die von der EU geforderten Klimaschutzziele inklusive CO2-Höchstwerte überhaupt erreichen zu können. Denn auch dafür hat die GEW mit ihrer Technik und ihren Daten wichtige Vorarbeit geleistet. „Auf die kann jetzt zum Beispiel unser neu eingestellter Klimaschutzbeauftragter zurückgreifen, was ihm wertvolle Vorteile bietet“, so der Homburger Bürgermeister Michael Forster. Er habe gehofft, durch die Arbeit der GEW auch den Haushalt ein wenig entlasten zu können. Wegen der gestiegenen Energiepreise ist das wahrscheinlich nicht möglich. „Aber ohne die Daten der GEW wäre alles noch teurer“, so Forster.

„Um die Klimaschutzziele zu erreichen, müssen wir Gas geben“, erklärte sein Kollege, Landrat Theophil Gallo. Die Ergebnisse des GEW-Projektes seien für die Verwaltungen Gold wert, die Verbräuche aller Gebäude erstmals klar erkenn- und somit auch steuerbar, so Gallo. Einer der Knackpunkte des Projektes war laut Heinrich die nötige digitale Vernetzung. Man hatte gehofft, auf vorhandene Strukturen zurückgreifen zu können, musste aber lernen, dass man neue, eigene Netze aufbauen musste. Zum einen sei die vorhandene Infrastruktur durch Corona und Heimarbeit nahezu an ihre Grenzen gekommen, zum anderen stand der Sicherheitsaspekt der Nutzung von Vorhandenem entgegen. „Gerade jetzt, wo immer mehr Cyberangriffe bekanntwerden, erkennen wir, wie wichtig die Sicherung unserer Daten ist“, erklärte Heinrich. Daher hat die GEW eine eigene IT-Abteilung aufgebaut, die auch die Umsetzung des anstehenden Online-Zugangsgesetzes unterstützen wird. Dieses besagt, dass demnächst viel mehr Verwaltungsdienstleistungen sicher online angeboten werden müssen für den Bürger.

Jeder aufgedrehte Heizkörper wird angezeigt

Doch zurück zu den Energiekosten. „Eine komplette Eigenversorgung ist generell möglich, die Autarkie kann in ersten Schritten auf 60 bis 70 Prozent gesteigert werden“, resümierte Heinrich zur Versorgungslage von Stadt und Kreis. Es gäbe ein riesiges Einsparpotenzial. Dazu müssten allerdings viele Gebäudehüllen saniert werden, Biogasanlagen und Photovoltaikanlagen gebaut werden. Zwischen 70 und 80 Millionen Euro Investitionsstau nannte Heinrich, der fünf Millionen Euro Einsparpotenzial pro Jahr gegenübersteht.

Die Erstförderung der GEW ist nunmehr ausgelaufen, Stadt und Kreis wollen die Gesellschaft auf eigene Kosten weiterbetreiben und suchen zusätzliche Mitarbeiter. Zudem soll das Konzept, das in fünfeinhalb Jahren entstanden ist, inklusive digitaler Leitstelle an andere Kommunen weitervermarktet werden. Denn bislang sind nur wenige Kommunen auf dem Stand, den sich Homburg und der Saarpfalz-Kreis über die Eigengründung GEW erarbeitet haben. Beide haben ein sehr dickes Brett gebohrt, was sich jedoch auf Umwelt und langfristig auch die kommunalen Haushalte sehr positiv auswirken wird. „Wir können heute beispielsweise digital nachvollziehen, dass über ein Wochenende ein ganz bestimmter Heizkörper in einer x-beliebigen Schulturnhalle voll aufgedreht war“, nannte Theophil Gallo ein Detail. Zudem sei man nicht mehr auf die Daten externer Energieversorger angewiesen, sondern halte alle notwendigen Daten selbst vor.

Auch der Energieverbrauch des Rathauses wurde untersucht.
Auch der Energieverbrauch des Rathauses wurde untersucht.
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