Homburg
Königsbruch: Werden Camper wegen Tinyhouses vertrieben?
Nicht nur die Kündigungen – auch die geplante Umgestaltung erhitzen schon seit Herbst die Gemüter. Grund genug, dass das Thema nun im Stadtrat am Donnerstag besprochen wurde. Der Rat verabschiedete einen Entwurf für einen Flächennutzungs- und einen Bebauungsplan für den Campingplatz und gab damit grünes Licht für die Neugestaltung.
Was ist im Vorfeld passiert? Steven Enkler hat den Campingplatz, der nordöstlich des Homburger Stadtteils Bruchhof-Sanddorf an der L 223 liegt, vor rund fünf Jahren von seinen Eltern übernommen – und möchte ihn nun umgestalten. Grund seien neue Campingtrends, die auch vor sogenannten Tiny Houses nicht Halt machen. Das sind Häuser im Miniatur-Format, die oft zwischen 25 und 40 Quadratmeter groß sind. Die Kosten belaufen sich dabei auf rund 2000 Euro pro Quadratmeter. Hat man also – wie es auf dem Campingplatz geplant ist – ein 40 Quadratmeter großes Tiny House, würde es 80.000 Euro kosten.
Keine Baugenehmigungen, kein Brandschutz, keine Abstände
Zuerst müssten die Dauercamper aber ihre Wochenendhäuschen abreißen. 15 Dauercampern hat Steven Enkler zum 31. Dezember 2022 bereits gekündigt. Die Gründe sind laut Enkler, dass auf dem Campingplatz ohne Baugenehmigungen gebaut worden sei. Außerdem seien Brandschutzvorgaben und Abstände nicht eingehalten worden. Genau dafür müsse Enkler als Inhaber aber haften. Auch deshalb möchte er die „nicht genehmigungsfähigen baulichen Anlagen“, wie es in der Vorlage heißt, durch vorher genehmigte Tinyhäuser ersetzen.
Um den Brandschutz zu gewährleisten, soll der Campingplatz durch fünf Meter breite Brandschutzstreifen in mehrere Abschnitte unterteilt werden, auf die je höchstens 20 Tinyhäuser oder Wohnmobile dürfen.
Campingplatz müsse „legalisiert“ werden
Auch, wenn durch die Neugestaltung dann alle Vorgaben erfüllt wären – die Camper ärgert es, dass es überhaupt so weit gekommen ist. Der Stadtrat ist sich aber einig: Der Campingplatz müsse „legalisiert“ weitergeführt werden, sagte Grünen-Fraktionschef Marc Piazolo. So seien auch die befestigten Stellplätze auf Parzellen im Wasserschutzgebiet „aufgrund der potenziellen Gefährdung der Gewässer ein No-Go“, so Piazolo.
Den nicht erfüllten Vorgaben gegenüber steht der Ärger der Camper, für die sich nun vieles ändern wird. „Niemand wird sich ein Tiny-House für um die 100.000 Euro kaufen“, meinte eine betroffene Camperin, die nicht namentlich genannt werden möchte. Sie nutzt den Campingplatz als Möglichkeit, am Wochenende Urlaub zu machen.
Spaniol: Man muss sich um die Camper kümmern
Linken-Fraktionschefin Barbara Spaniol meinte, man müsse „fair mit den Bewohnern umgehen“. Es müsse Alternativen und Lösungen für die Menschen auf dem Platz geben, „dass die Leute sich nicht vorkommen, als müssten sie dort vertrieben werden“. Man müsse sich um die Leute kümmern. „Aber insgesamt gab es schon eine gewisse Tragik hinter den Kulissen, und die kann man auch nicht schönreden.“ Trotzdem müsse man jetzt nach vorne schauen.
Stadtmarketingbeauftragter Axel Ulmcke (FWG) ist froh, dass Enkler die Situation angegangen ist „und dass das Ding nach Recht und Gesetz gehändelt wird“. Er bat Verwaltung und Stadtrat darum, zu helfen und keine weiteren Hürden aufzubauen, dass der Campingplatz gehalten werden kann. Auch Manfred Rippel ist froh darüber, dass Enkler „seinen Mut, sein Wille und sein Geld in die Hand genommen hat“, um den Campingplatz weiterzuführen. „Es musste was passieren, das war uns allen klar.“
Veränderung können über Jahre hinweg passieren
Auch Homburgs Bürgermeister Michael Forster (CDU) sprach von einem „Zustand, der nicht der Legalität entspricht. Deshalb sind wir als Verwaltung gezwungen, zu handeln.“ Wie Enkler das Problem letztlich löst, „ist dessen Verantwortung“. Die Veränderungen könnten über mehrere Jahre hinweg geschehen, „dass die Leute die Möglichkeit haben, sich noch umzuorientieren“. Statt der Beseitigung des Campingplatzes soll er nun also umgestaltet werden. Der Entwurf des Flächennutzungsplans wird nun allen Beteiligten vorgelegt.