Saarbrücken
Jungunternehmen will System-Schwachstellen erkennen
Das Saarbrücker Start-up „QuantPI“ möchte mit seiner Software Unternehmen dabei unterstützen, Schwachstellen in KI-Systemen zu erkennen. „KI“ ist die Abkürzung für „künstliche Intelligenz“. Aufgrund der Forschungslandschaft haben sich die Gründer bewusst für die Ansiedlung im Saarland entschieden, genauer gesagt für den Co-Working-Space „Halle 4“. Zwischen Cafébar und Tischkicker befinden sich die Büros mehrerer vielversprechenden Start-ups aus dem Saarland.
Wir helfen Organisationen dabei, ihre KI zu bewerten und sicher einsetzen zu können“, erklärt Geschäftsführer und Co-Gründer Philipp Adamidis. Die künstliche Intelligenz werde künftig einen gigantischen Markt schaffen, der tiefgreifende Transformationen mit sich bringe. Ähnlich wie bei anderen sogenannten Metamärkten, wie beispielsweise dem Internet, sei dabei der Sicherheitsaspekt essenziell. Mit seiner Software will das Unternehmen einen sicheren Einsatz der Technologie ermöglichen und Organisationen dabei helfen, Schwachstellen zu erkennen und Gegenmaßnahmen einzuleiten.
Kundenstamm: Große Firmen aus Tech- und Bankenbranche
Ein Beispiel hierfür: das interne Beförderungssystem eines Unternehmens. Durch die Software von „QuantPI“ kann mithilfe mathematischer Messungen überprüft werden, ob Frauen oder andere Gruppen benachteiligt wurden. „Wir sehen unsere Rolle hauptsächlich darin, eine Datengrundlage zu schaffen, auf der andere ethische, moralische oder philosophische Fragen klären und erörtern könne“, erläutert Adamidis. Der Vorteil: Das Model ist nicht abhängig von bestimmten KI-Systemen und schnell für die individuelle Nutzung implementierbar. Potenzielle Kunden sind dabei primär große Unternehmen wie etwa aus der Tech-, Versicherungs- oder Bankenbranche.
Wie seine beiden Co-Gründer zog es Adamidis erst zum Studium ins Saarland, wo er Betriebswirtschaftlehre studierte und sich später auf Informationsmanagement spezialisierte. Schon zuvor im Alter von 16 Jahren gründete er seine erste Firma. Seither habe er nie aufgehört, an Unternehmen und Projekten zu arbeiten, erzählt er. Schon immer habe es ihn fasziniert, Dinge vielleicht zum ersten Mal zu machen. Das Potenzial von Künstlicher Intelligenz erkannten er und seine Co-Gründer früh. Die erste Idee, ein kommerzielles Geschäftsmodell mit der KI zu entwickeln, habe jedoch nicht funktioniert. Zu viele Fragen mit Blick auf die Entscheidungsfindung. Fairness und Vertrauenswürdigkeit konnten die Gründer nicht beantworten. „Wenn wir dieses Problem haben, werden es alle haben“, sei die Schlussfolgerung gewesen, die zur Entwicklung der jetzigen Software führte.
30 Mitarbeiter aus zwölf Nationen beschäftigt
Immer wieder habe man in der Folge an der Vision des 2020 gegründeten Unternehmens gefeilt: Der Gesellschaft zu ermöglichen, sicher und selbstbestimmt mit intelligenten Systemen und Maschinen zusammenzuleben, sei dabei die intrinsische Motivation der Gründer, die laut Adamidis gleichzeitig die DNA des Unternehmens bestimme.
Heute, rund vier Jahre nach der Gründung, beschäftigt das Start-up rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus zwölf Nationalitäten. Die vom Unternehmen entwickelte Testtechnologie ist die weltweit führende im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Zu den Geldgebern zählen neben dem European Innovation Council der EU auch namhafte Privatinvestoren wie der Gründer der amerikanischen Plattform für Softwareentwicklung GitHub.
Der Standort Saarland sei dabei kein Nachteil gewesen. Aufgrund seiner exzellenten Forschung habe man sich vielmehr bewusst für den Standort Saarland entschieden. Dank zahlreicher Forschungseinrichtungen wie dem CISPA, DFKI oder Max-Planck-Institut habe sich Saarbrücken zu einem europäischen Epizentrum für Cyber- und KI-Sicherheit entwickelt, sagt Adamidis. Darüber hinaus biete das Saarland die Möglichkeit zu wachsen, ohne im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen, wie es an bekannteren Start-up Standorten der Fall wäre.
In Hinblick auf die Chancen und Risiken sieht sich der Gründer berufsbedingt in der Rolle des Optimisten. Wichtig sei jedoch, dass man sich ausreichend mit den Risiken beschäftige und an Lösungswegen arbeite. Man müsse mit der neuen Realität umgehen. Die Technologie lasse sich ohnehin nicht mehr zurückdrängen. In absehbarer Zukunft werde jeder Bereich des Lebens von KI beeinflusst. Die Schaffung eines Vertrauenssystems, das den Menschen Wege aufzeige, die Technologie in das tägliche Leben vertrauensvoll zu integrieren, sei daher unabdingbar.