UMFRAGE: Am Freitagabend hat Reiner Ehrgott, der Vorsitzende des Fußballkreises Pirmasens/Zweibrücken, die letzten beiden Spieltage vor der Winterpause von der A- bis zur C-Klasse abgesetzt. Das Spielangebot in der Südwestpfalz war ohnehin auf Virusgröße zusammengeschrumpft. War das richtig? Wir haben uns umgehört.
Am Freitagvormittag teilte der Südwestdeutsche Fußballverband (SWFV) seinen Vereinen mit, dass wegen der tags darauf in Kraft tretenden 2G-Regel in Rheinland-Pfalz Spiele auch ohne Zustimmung des Gegners verlegt werden dürfen. Daraufhin gab es eine Verlegung nach der anderen. Der Vorsitzende des Fußballkreises Pirmasens/Zweibrücken, Reiner Ehrgott, befürchtete eine Wettbewerbsverzerrung und setzte am Freitagabend alle noch vor Weihnachten terminierten Herrenspiele von der A- bis zur C-Klasse ab.
„Das war eine gute, konsequente Entscheidung des Kreises“, findet Matthias Schäfer (44), der Vorsitzende des FC Ruppertsweiler. Die beiden Mannschaften des FCR in der B- und C-Klasse hätten die Spiele absagen müssen, weil sie nicht genügend geimpfte Balltreter zur Verfügung gehabt hätten. Schon vor Ehrgotts Generalabsetzung habe Ruppertsweiler gemäß der Mitteilung des SWFV ein Spiel abgesagt. Schäfer moniert, dass der Verband den „Schwarzen Peter einfach den Vereinen zugeschoben“ habe.
„Hätten gerne gespielt“
Als Mitglied des SWFV-Präsidiums trug Marc-Kevin Schaf den Beschluss mit, Spiele ohne Zustimmung des Gegners verlegen zu dürfen. „Ich stehe zu der Entscheidung, auch wenn wir in Lemberg gerne mit unserer zweiten Mannschaft gespielt hätten“, sagt der 25-jährige Vorsitzende des SV Lemberg. Die erste Mannschaft des SVL hat in der A-Klasse bereits alle Spiele der sogenannten Hauptrunde absolviert. Über die Entscheidung des Kreises dürfe man sich auch wegen der hohen Inzidenzzahlen, so Schaf, „nicht beschweren“.
Für Steffen Decker (51), den Trainer von A-Klasse-Tabellenführer SV Obersimten, kommt die Entscheidung, keine Spiele mehr stattfinden zu lassen, „ein paar Wochen zu spät“. Die Saisonunterbrechung sei „mehr als gerechtfertigt und notwendig“ angesichts der hohen Inzidenzen und der Gefahr für die Gesundheit und das Leben vieler Menschen. Sportlich könne man die Unterbrechung leicht reparieren. Der Verband habe mit der Einteilung in kleinere Gruppen doch bereits „einen Puffer eingebaut“; wohl wissend, dass der Winter für das Virus die Hochzeit ist. Die Entscheidung des Kreises sollte auch gesellschaftspolitisch gesehen werden. Und deshalb sei diese richtig.
Riesenverantwortung für die Vereine
„Ich verstehe, dass der Kreis so entschieden hat“, sagt Julia Fischer (39), die Vorsitzende des TuS Winzeln. Der Kreissportausschuss mit seinem Vorsitzenden Reiner Ehrgott habe wohl keinen „Flickenteppich“ riskieren wollen. Gleichwohl sei sie „hin- und hergerissen“. Mit der SG Clausen/Donsieders hatte Winzeln bereits Kontakt aufgenommen, um das Spiel am Samstag durchzuführen. „Wir hätten den Impfstatus der Spieler und Zuschauer überprüft, hätten gespielt und unsere Bratwurst verkaufen können“, legt Fischer den Plan für die Begegnung offen. Gleichwohl „beschweren wir uns nicht, zumal seit nunmehr zwei Jahren mit der Pandemie nicht alles glatt läuft“. Auf den Vereinen hätte allerdings eine „Riesenverantwortung“ gelastet, wäre ihnen bei der Überprüfung des Impfstatus ein Fehler unterlaufen. Die Unterbrechung sei jedenfalls „nicht überraschend gekommen“. Gleichwohl sei es den Funktionären „sehr kurzfristig eingefallen“. Und: Die Entscheidung des Verbands, dass die Vereine ohne Zustimmung des Gegners eine Partie absagen konnten, sei einem „Freibrief“ gleichzusetzen.
Als „sinnvoll“ bezeichnet der Vorsitzende des SV 53 Rodalben, Marc Kunz, die Entscheidung des Kreises. Nur: „Die hätte vom Verband kommen müssen.“ Kunz erinnert an den Saisonabbruch im Vorjahr: „Damals war bei einer Inzidenz von 75 Schluss, jetzt haben wir knapp 450“, meint er verwundert, „dass überhaupt so lange gespielt wurde“. Und, so Kunz, wer hätte denn die Kontrolle der Geimpften und Genesenen, sei es bei Zuschauern und Spielern, mit hundertprozentiger Präzision stemmen sollen?
Schwierige Kontrolle
„Schwer enttäuscht von einer mal wieder typischen Entscheidung des SWFV“, zeigt sich Andreas Langenberger (50), der Vorsitzende des TuS Rumbach, der in der C-Klasse, Gruppe D, zu den Titelanwärtern zählt. Der Verband habe die Verantwortung den Vereinen „rübergeschoben“. Wie sollten die kleinen Vereine die Impfnach- und Personalausweise kontrollieren? Für Rumbach hätte die sehr wichtige Partie gegen die Kröppen/Vinningen angestanden. Langenberger: „Was wäre gewesen, wenn wir einem Spieler unserer Gäste den Zutritt verweigert hätten, falls ein Ausweispapier nicht zur Verfügung gestanden hätte?“ Der Verband hätte bestimmen müssen, dass unterbrochen wird, „nicht der Kreis“. Die Verantwortung sei einfach weiter geschoben worden.
Langenberger spricht von einem „Wischiwaschi“ und hat dabei Rumbachs zweite Mannschaft im Sinn, die im Gegensatz zur ersten Garnitur nicht im Kreis Pirmasens/Zweibrücken, sondern im Kreis Südpfalz spielt. Rumbach II hätte um D-Klasse-Punkte kicken können, falls die Begegnung nicht von Annweiler abgesagt worden wäre. Langenberger kritisiert weiter, dass bereits im Februar 2022 weiter gespielt werden würde. „Bei fünf bis sechs Wochen Vorbereitungszeit müssen wir im Januar bereits mit dem Training beginnen. Besser wäre es die Saison im Juni und nicht schon im Mai enden zu lassen. Da ist besseres Wetter, und Fußball macht mit mehr Zuschauern mehr Spaß.“
Im Wortlaut: „Kein Spiel verpassen“
Der für die Oberliga zuständige Regionalverband und der Südwestdeutsche Fußballverband haben für ihre Spielklassen Folgendes beschlossen und vergangenen Freitag veröffentlicht:
1. Der Spielbetrieb wird auch nach Einführung der sogenannten 2G-Regel fortgesetzt. Nach den Ankündigungen der politischen Entscheidungsträger ist zu erwarten, dass der 2G-Status künftig Voraussetzung zur Teilnahme am öffentlichen Leben und damit auch am Sport sein wird. Da eine grundlegende Veränderung der Rahmenbedingungen vorerst nicht zu erwarten ist, wäre eine kurzfristige Einstellung des Spielbetriebs wegen der Einführung der 2G-Regelung daher mit einer langfristigen Aussetzung des Spielbetriebs gleichzusetzen.
2. Aufgrund der zu erwartenden kurzfristigen Bekanntgabe der Verordnung können erhebliche Probleme bei der organisatorischen Umsetzung bei den überwiegend ehrenamtlich strukturierten Amateurvereinen auftreten. Daher können die Vereine für alle im Dezember 2021 angesetzten Spiele eine Verlegung (...) beantragen. Das Einverständnis des jeweiligen Gegners ist in diesem besonderen Fall für eine Verlegung nicht notwendig. Das Spiel wird mit einem Termin im neuen Jahr durch den Staffelleiter angesetzt. Somit wird allen Fußballern, die zum aktuellen Zeitpunkt noch keinen vollständigen Impfschutz vorweisen können, die Gelegenheit gegeben, dies zeitnah nachzuholen und somit kein Spiel ihrer Mannschaft zu verpassen. Die Fußballverbände hoffen, auch auf diesem Weg die Impfkampagne des Landes Rheinland-Pfalz unterstützen zu können.